von ih 25.10.2026 16:06 Uhr

Ausländer-Wohnungen: Bürgermeister packen bei UT24 aus

29 Südtiroler Gemeinden beteiligen sich am umstrittenen Integrationsprojekt von Landesrätin Rosmarie Pamer (SVP). UT24 hat bei allen Bürgermeistern nachgefragt – doch nur sieben haben tatsächlich geantwortet. Ihre Stellungnahmen zeigen, wie unterschiedlich die Gemeinden mit der Unterbringung, Integration und den anfallenden Kosten umgehen. Besonders bemerkenswert ist der Fall Vintl, wo eine bestehende Wobi-Wohnung für eine zugewiesene Ausländer-Familie aktiviert wurde.

29 Südtiroler Gemeinden nehmen anlässlich des Pamer-Projekts Ausländer auf. Sieben von ihnen haben nun bei UT24 Stellung genommen- Foto: Symbolbild/KI-generiert.

Insgesamt 29 Südtiroler Gemeinden sollen im Rahmen des sogenannten Pamer-Projekts Wohnraum für Familien mit Migrationshintergrund zur Verfügung stellen.

UT24 wollte wissen, wie die Unterbringung vor Ort organisiert wird, welche Integrationsmaßnahmen vorgesehen sind und welche finanziellen Belastungen auf die Gemeinden zukommen. Von den angefragten Bürgermeistern haben allerdings nur sieben eine Stellungnahme abgegeben.

Vintl aktiviert Wobi-Wohnung

Besonders interessant ist die Situation in Vintl. Dort wurde laut Bürgermeister Robert Seebacher eine bereits bestehende Wohnung des Wohnbauinstituts (Wobi) für die Aufnahme einer Ausländer-Familie aktiviert. Die Gemeinde muss nach eigenen Angaben „lediglich für die Einrichtung der Wohnung aufkommen“. Wie umfangreich die Begleitung im Integrationsprozess ausfallen wird, hänge von der jeweiligen Familie beziehungsweise den betroffenen Personen ab.

Auch in anderen Gemeinden konnte auf bereits vorhandenen Wohnraum zurückgegriffen werden. In St. Leonhard in Passeier stand eine Gemeindewohnung zur Verfügung, weshalb die Wohnungssuche laut Bürgermeister Robert Tschöll keine Schwierigkeiten bereitete. Eigene Integrationsprojekte will die Passeirer Gemeinde nicht ins Leben rufen. Stattdessen soll die Eingliederung über bestehende Strukturen wie Schulen, Sozialsprengel und andere zuständige Einrichtungen erfolgen. Auch das Vereinsleben könne dazu beitragen, soziale Kontakte zu knüpfen und die Sprache des Dorfes kennenzulernen. Direkte Kosten für die Gemeinde entstünden laut Tschöll keine, wie er gegenüber UT24 klarstellt.

Sterzing: Gemeindewohnung wurde frei

In Sterzing ergab sich die Möglichkeit zur Unterbringung ebenfalls durch vorhandenen Wohnraum.

Wie Bürgermeister Peter Volgger auf Anfrage von UT24 mitteilt, wurde im Jänner 2026 eine Gemeindewohnung frei. Die zugeteilte Ausländer-Familie konnte dadurch untergebracht werden. Das Kind wurde bereits am Tag nach der Ankunft in den Kindergarten aufgenommen, während die Mutter innerhalb von 14 Tagen eine Arbeitsstelle in einem Hotel fand.

Bei den Kosten gibt es eine Aufteilung: Die Frau übernimmt die Ausgaben für Strom, Heizung und Müllentsorgung selbst und bezahlt einen Teil der Miete. Der verbleibende Mietanteil wird durch eine Förderung des Landes gedeckt, die über den Gemeindehaushalt abgewickelt wird.

Tramin: Unterkunft zwei Jahre kostenlos überlassen

In Tramin verlief die Suche nach einer Unterkunft ebenfalls unkompliziert.

Laut Bürgermeister Wolfgang Oberhofer wurde der Gemeinde eine Wohnung im Eigentum des Landes Südtirol für zwei Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Bewohner würden bereits einer geregelten beruflichen Tätigkeit nachgehen, wie er UT24 erzählt. Bei praktischen und organisatorischen Fragen würden sie durch die Sozialdienste des Sozialsprengels Unterland sowie den zuständigen Gemeindereferenten unterstützt.

Direkte finanzielle Belastungen entstünden der Marktgemeinde nicht, da die Familie sämtliche anfallenden Nebenkosten und Gebühren selbst trage.

Waidbruck wartet noch auf den Einzug

In Waidbruck steht eine derzeit unvermietete Gemeindewohnung zur Verfügung, die dem zuständigen Landesamt auf Anfrage gemeldet wurde. Die betreffende Ausländer-Familie soll voraussichtlich im Winter 2026 einziehen, wie Bürgermeister Philipp Kerschbaumer auf Anfrage von UT24 verrät. Die Begleitung des Integrationsprozesses übernimmt die Bezirksgemeinschaft Eisacktal.

Für die Einrichtung erhielt die Gemeinde Möbel und andere Gegenstände als Spenden aus der Bevölkerung. Die laufenden Kosten sollen durch den zugesicherten monatlichen Landesbeitrag gedeckt werden. Bei den Wohnnebenkosten sei laut Bürgermeister Philipp Kerschbaumer auch eine Beteiligung der Ausländer-Familie vorgesehen.

St. Lorenzen verweist auf Arbeit und Eigenständigkeit

In St. Lorenzen sind nach Angaben von Bürgermeister Martin Ausserdorfer bereits zwei Wohnungen an Familien mit Migrationshintergrund vermietet. Die Bewohner bezahlen Miete, weshalb der Gemeinde dadurch keine Kosten entstünden.

Beide Familien hätten Arbeit gefunden und würden sich auf diesem Weg integrieren. Unterstützung habe es unter anderem bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und bei der korrekten Müllentsorgung gegeben, so Ausserdorfer zu UT24.

Gargazon: Keine wirkliche Antwort

Gar nicht auf die Fragen von UT24 eingegangen ist Gargazons Bürgermeister Bernhard Paris. Er schickte stattdessen eine nichtssagende Stellungnahme im typischen Politiker-Sprech. Darin heißt es wortwörtlich:

„Danke für ihr Interesse. Wir wickeln diesen Vorgang im Rahmen unserer institutionellen Tätigkeit ab. Wenn etwas bewegt werden soll, bedeutet das Einsatz (Arbeit) und Auslagen. Der Umfang ist in diesem Fall überschaubar und als Beitrag zum Gelingen von Integration gedacht“.

Was genau unter dem als „überschaubar“ bezeichneten Aufwand zu verstehen ist, lässt Paris offen. Damit bleibt weiterhin unklar, welche konkreten Kosten durch das Pamer-Projekt auf die Gemeinde Gargazon zukommen und wie groß der tatsächliche Arbeitsaufwand für die Gemeindeverwaltung ist.

Nur 7 von 29 Gemeinden beziehen Stellung

Die sieben Antworten zeigen, dass die Gemeinden bei der Unterbringung vielfach auf bereits vorhandene Wohnungen zurückgreifen. Während manche auf eigene Gemeindewohnungen setzen, wird in Tramin eine Landeswohnung genutzt und in Vintl sogar eine Wobi-Wohnung aktiviert.

Wie die übrigen beteiligten Gemeinden das Pamer-Projekt umsetzen und welche konkreten Kosten dort anfallen, bleibt vorerst offen. Von den 29 angefragten Bürgermeistern haben sich gegenüber UT24 lediglich sieben zu Wort gemeldet.

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