Wasserstofftankstelle Bruneck: Geschätzte Auslastung bei nur 0,14 Prozent

Die Wasserstofftankstelle in Bruneck kann laut Betreiber bis zu 800 Kilogramm Wasserstoff pro Tag abgeben. Wie viel tatsächlich getankt wurde, hat das Land für den Zeitraum von Jänner bis August 2026 nicht mitgeteilt.
Die Antwort auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Paul Köllensperger nennt 13 Pkw- und 56 Busbetankungen. Kein Lkw hat die Anlage bisher genutzt.
Eine frühere schriftliche Antwort von Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider liefert eine Vergleichszahl: Im März und April wurden bei sechs Tankvorgängen insgesamt 21 Kilogramm Wasserstoff abgegeben – durchschnittlich 3,5 Kilogramm pro Betankung. Überträgt man diesen Durchschnitt auf alle 69 Tankvorgänge bis August, ergibt sich eine geschätzte Gesamtmenge von rund 242 Kilogramm.
Rechnerisch rund 0,14 Prozent
Die Tankstelle wurde am 29. Jänner eröffnet. Bis Ende August ergeben sich damit rund 215 Kalendertage. Bei einer maximalen Tageskapazität von 800 Kilogramm hätte die Anlage in diesem Zeitraum theoretisch bis zu 172.000 Kilogramm abgeben können.
Die geschätzten 242 Kilogramm entsprächen rund 0,14 Prozent dieser rechnerischen Kapazität. Das sind im Schnitt etwa 1,1 Kilogramm pro Kalendertag.
Diese Zahl ist eine Hochrechnung, keine vom Land veröffentlichte Verbrauchsstatistik. Sie überträgt den Durchschnitt von sechs Tankvorgängen auf alle 69 – obwohl sich die Stichprobe aus drei Pkw- und drei Busbetankungen zusammensetzte und der Gesamtzeitraum überwiegend Busbetankungen umfasst.
Die tatsächliche Menge kann daher abweichen. Auch die 800 Kilogramm sind eine maximale Tageskapazität, keine veröffentlichte Prognose für den tatsächlichen Bedarf.
Keine Zielvorgabe für 2027
Eine konkrete Nachfrageprognose legte das Land bislang nicht vor. Im Raum Bruneck seien damals keine Wasserstoffbusse im Einsatz gewesen. Für 2027 gebe es keine Zielvorgabe, wie viel Wasserstoff an der Tankstelle getankt werden solle. Die öffentliche Hand müsse die Infrastruktur bereitstellen, damit sich ein Markt entwickeln könne, erklärte Alfreider.
Der Standort wurde mit dem Klimaplan 2040, der Lage an einer wichtigen Verkehrsachse und den Olympischen Winterspielen 2026 begründet. Die Landesregierung wollte mit der Infrastruktur auch die emissionsärmere Anreise nach Antholz ermöglichen.
Zugleich sollte die Anlage einen langfristigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten.
12,6 Millionen Euro und teure Anlieferung
Die Investitionen für die Wasserstofftankstelle und die Elektroladestationen in Bruneck Ost belaufen sich laut Landesangaben auf 12,6 Millionen Euro. Für die Wasserstofftankstelle wurden vier Millionen Euro aus dem staatlichen Wiederaufbaufonds PNRR anerkannt. Der Wasserstoff wird aus Bozen angeliefert; eine Fahrt mit rund 300 Kilogramm kostet laut Alfreider etwa 1.500 Euro. Die Vereinbarung für Bau und Betrieb läuft über 20 Jahre.
Damit stehen hohe Investitionen und laufende Transportkosten einer bislang geringen Nutzung gegenüber. Wie sich die Anlage innerhalb der 20-jährigen Vereinbarung wirtschaftlich tragen soll, bleibt anhand der veröffentlichten Zahlen offen. Die jüngste Antwort des Landes nennt zwar die Zahl der Tankvorgänge, aber weder die gesamte abgegebene Menge noch eine Kosten-Nutzen-Rechnung oder ein konkretes Nachfrageziel.






