„Wohnungskrise für die Ladiner ist auch eine ethnische Frage“

Eine Analyse der Immobilienanzeigen auf immobiliare.it von Mitte Oktober zeigt das Ausmaß der Krise: Die 107 angebotenen Immobilien in Gröden und im Gadertal kosten durchschnittlich rund 8.800 Euro pro Quadratmeter. Damit liegen die Preise um 82 Prozent über dem Südtiroler Landesdurchschnitt von 4.843 Euro. Für eine 75 Quadratmeter große Wohnung werden im Schnitt etwa 660.000 Euro fällig. Selbst im geförderten Wohnbau können die Endkosten laut der Analyse rund 800.000 Euro erreichen.
Viele Angebote richten sich offenbar vor allem an Käufer von Ferienwohnungen oder Kapitalanleger. So kostet eine 67 Quadratmeter große Wohnung in Stern bei Abtei 810.000 Euro, eine Dreizimmerwohnung in St. Kassian mehr als eine Million Euro. Auch in St. Ulrich wird eine geförderte Zweizimmerwohnung für 795.000 Euro angeboten.
Weitreichende Folgen
Die Entwicklung hat laut Elide Mussner, Gemeinderätin in Abtei, weitreichende Folgen. Wenn junge Ladiner aus finanziellen Gründen in andere Täler ziehen müssten, würden ihre Kinder möglicherweise nicht mehr mit der ladinischen Sprache aufwachsen. Die acht ladinischen Gemeinden benötigten zudem zusätzlichen Wohnraum für Einheimische und Beschäftigte im Tourismus.
Auch die Sprachgruppenzählung von 2024 deutet auf eine Veränderung hin: 4,41 Prozent der Südtiroler Bevölkerung gaben an, Ladinisch zu sprechen – 0,12 Prozentpunkte weniger als 2011. Zu den möglichen Ursachen zählt laut der Pressemitteilung auch die Abwanderung junger Ladiner.
Mussner fordert deshalb besondere Aufmerksamkeit für die ladinischen Täler. Bezahlbarer Wohnraum sei für die Minderheit nicht nur eine soziale Frage, sondern entscheidend dafür, dass Sprache, Kultur und Gemeinschaft auch künftig in ihrer Heimat bestehen bleiben.
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