Tourismus mit September-Rekord: Einheimische unter Druck

Südtirols Tourismus hat im September 2026 einen neuen Höchstwert erreicht: 4.207.526 Übernachtungen wurden in den Beherbergungsbetrieben gezählt. Das sind 8,4 Prozent mehr als im September des Vorjahres. Auch bei den Ankünften wurde ein deutlicher Zuwachs verzeichnet: Mit 1.039.210 kamen 11,2 Prozent mehr Gäste als im September 2025.
Der Rekord ergibt sich aus dem Vergleich mit der historischen ASTAT-Monatsreihe. Der bisherige September-Höchstwert lag 2025 bei 3.881.783 Übernachtungen. Der aktuelle Wert übertrifft ihn um 325.743. Die Zahlen für September 2026 sind vorläufig und können sich noch ändern.
Pfitsch mit stärkstem Zuwachs, Salurn mit größtem Rückgang
Den stärksten prozentuellen Zuwachs unter den Gemeinden verzeichnete Pfitsch. Dort wurden 21.719 Übernachtungen gezählt – 74,3 Prozent mehr als im September 2025. In Salurn an der Weinstraße sank die Zahl hingegen um 34,4 Prozent auf 2.729 Übernachtungen.
Die meisten Übernachtungen entfielen auf Gäste aus Deutschland, die 56,5 Prozent ausmachten. Gäste aus Italien kamen auf 14,6 Prozent. Das Burggrafenamt verzeichnete mit 25,6 Prozent den größten Anteil an den Übernachtungen, gefolgt vom Pustertal mit 25,3 Prozent.
Die stärksten Zuwächse unter den Tourismusgebieten gab es in Salten-Schlern mit 14,0 Prozent und im Wipptal mit 12,9 Prozent. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank im Vergleich zum September 2025 von 4,2 auf 4,0 Tage.
Fünf-Sterne-Betriebe und Campingplätze legen ordentlich zu
Nach Unterkunftskategorien stiegen die Übernachtungen bei den „anderen Betrieben“ um 19,1 Prozent. Die Fünf-Sterne-Betriebe verzeichneten ein Plus von 16,3 Prozent, die Campingplätze eines von 13,9 Prozent. Einen Rückgang gab es bei den Ein-Stern-Betrieben: minus 6,9 Prozent.
Bettenstopp mit Ausnahmen
Der September-Rekord steht in einer Zeit, in der über die Grenzen des touristischen Wachstums gestritten wird. Die Bettenobergrenze bleibt bestehen. Seit April 2026 können bestimmte strukturschwache und von Abwanderung betroffene Gemeinden jedoch unter strengen Voraussetzungen die Frist für bestehende Bettenrechte um fünf Jahre verlängern. Dafür braucht es einen Beschluss des Gemeinderates; die Regelung gilt für bereits ausgewiesene Tourismuszonen. Neue Betriebe dürfen höchstens 150 Betten haben und müssen binnen zwei Jahren eine Nachhaltigkeitszertifizierung vorlegen.
Der Bettenstopp bedeutet damit nicht, dass jedes bereits vorgesehene Bett automatisch wegfällt. Noch im Jänner 2026 wurde die Zahl der vor dem Stopp erworbenen, aber nicht umgesetzten Bettenrechte auf mindestens 12.000 geschätzt. Wie viele davon nach den später beschlossenen Fristverlängerungen tatsächlich noch realisiert werden können, bleibt eine zentrale Frage.
Rekordzahlen, aber wachsender Unmut
Der neue Septemberrekord dürfte bei vielen Einheimischen kaum für Jubel sorgen. Sie erleben die Kehrseite des Wachstums im Alltag: mehr Verkehr und volle Straßen, zusätzlichen Druck auf leistbaren Wohnraum und kommunale Infrastruktur sowie eine stärkere Beanspruchung von Natur und Landschaft. Auch Wasserknappheit und die Frage, woher die Betriebe künftig genügend Arbeitskräfte nehmen, verstärken die Sorge, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung hinter den Interessen des Tourismus zurückstehen. Die Statistik zählt Ankünfte und Übernachtungen, erfasst aber nicht, wer die Belastungen trägt und wie sich das Wachstum auf die Lebensqualität der Einheimischen auswirkt. Beim Wasserverbrauch des Tourismus fehlt zudem eine gesonderte Erfassung.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wie viel weiteres Wachstum verträgt Südtirol, ohne dass Lebensqualität, Natur und Alltag der Einheimischen noch stärker unter Druck geraten?






