von wk 15.10.2026 15:13 Uhr

Proteste gegen Regierung in Albanien weiten sich aus

Studierende demonstrieren seit drei Tagen gegen Missstände an den Hochschulen und fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Nach Zusammenstößen in Tirana kam es auch in drei weiteren Städten zu Ausschreitungen.

APA/AFP/Armend NIMANI

Die Proteste gegen die Regierung in Albanien haben sich am Donnerstag auf mehrere Städte ausgeweitet. In der Hauptstadt Tirana gingen Demonstrierende erneut auf die Straße. Auch in Korça, Durrës und Lushnja kam es zu Protesten. Wegen der Gewalt vertagte das Parlament eine für Donnerstag geplante Sitzung auf die kommende Woche.

Tränengas in Tirana, Festnahmen nach Ausschreitungen

In Tirana versuchten Demonstrierende, zum Bildungsministerium vorzudringen. Die Polizei setzte Tränengas ein. In Korça warfen Protestierende Medienberichten zufolge Steine und Molotowcocktails auf Schulen.

Bei den Zusammenstößen in Tirana wurden in den vergangenen zwei Tagen fast 100 Polizisten verletzt. Mehr als 100 mutmaßliche Randalierer wurden festgenommen. Im Stadtzentrum beschädigten Randalierer unter anderem eine Bank und Räume einer Universität.

Studierende fordern bessere Bedingungen

Der Protest richtet sich gegen schlechte Studienbedingungen, hohe Ausbildungskosten und fehlende berufliche Perspektiven. Viele Demonstrierende verlangen zudem den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Der Sozialist regiert Albanien seit 2013.

Rama bezeichnete die Proteste als Werk der Opposition. Diese wolle verhindern, dass Albanien der EU beitrete, erklärte er laut Medienberichten aus Tirana. Die Opposition versuche, das Land mit „Feuern und Eisen“ in den Abgrund zurückzubringen, sagte Rama.

Unmut über umstrittenes Küstenprojekt

Der Protest gegen Rama und die politische Führung hatte sich bereits in den vergangenen Monaten verstärkt. Auslöser war auch ein Immobilienprojekt in einem Naturschutzgebiet an der Adriaküste, das die Regierung unterstützt. Hinter dem Vorhaben steht Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. In dem Gebiet leben auch Flamingos; die täglichen Proteste werden deshalb als „Flamingo-Revolution“ bezeichnet.

Albanien verhandelt bereits weit fortgeschritten über einen EU-Beitritt. Zugleich sehen viele Bürger die politische Elite des Landes als gierig, korrupt und inkompetent an.

Quelle: APA/AFP

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