Hotelprojekt im Nationalpark: Fünf Verbände ziehen vor Gericht

Fünf Verbände haben am 8. Oktober gemeinsam Rekurs beim Verwaltungsgericht Bozen eingereicht. Sie wenden sich gegen den Beschluss des Marteller Gemeinderates vom 25. Juni, mit dem der Durchführungsplan für das Tourismusentwicklungsgebiet „Gallenmahd“ genehmigt wurde.
Mountain Wilderness Italia, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Heimatpflegeverband Südtirol, die Umweltschutzgruppe Vinschgau und der CAI Alto Adige sehen das Vorhaben kritisch. Auf einer bislang unverbauten Lichtung auf 1.665 Metern Meereshöhe soll ein Vier-Sterne-Hotel entstehen. Vorgesehen sind rund 15.650 Kubikmeter Baumasse und 120 bis 140 Betten. Der Standort liegt nach Angaben der Verbände mehr als sechs Kilometer vom nächsten Ortskern entfernt. Bis zu 6.191 Quadratmeter Boden könnten versiegelt werden.
Kritik an Lawinenschutz und Umweltprüfung
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Lawinengefahr: Der Bauplatz liege in einer roten Gefahrenzone, in der grundsätzlich nicht gebaut werden dürfe. Erst ein mehr als 150 Meter langer, zwölf Meter hoher und an der Basis 40 Meter breiter Schutzdamm solle die Bebauung ermöglichen. Die Gemeinde räume selbst ein, dass der Damm Voraussetzung für das Hotel sei. In der Umweltprüfung sei er jedoch als eigenständiges Vorhaben behandelt worden, kritisieren die Verbände.
Auch die Umweltprüfung sei lückenhaft. Eine Verträglichkeitsprüfung für das nur 250 Meter entfernte Natura-2000-Gebiet sei nicht eingeleitet worden. Pflanzen und Tiere seien an nur einem Tag im November erhoben worden. Zudem halte der Gemeinderat in seinem Beschluss fest, dass sich Ausgleichsmaßnahmen mangels Daten noch nicht bestimmen ließen – und genehmige den Plan trotzdem.
Die Organisationen argumentieren außerdem, dass im Nationalpark strengere Maßstäbe gelten müssten. Solange der Nationalparkplan nicht genehmigt sei, gelte das staatliche Rahmengesetz. Ein Hotel dieser Größe samt Schutzdamm sei mit den Schutzzielen des Nationalparks nicht vereinbar.
Verbände fordern Prüfung bestehender Gebäude
Im Martelltal stehe mit dem seit fast 80 Jahren leerstehenden Sporthotel „Paradiso“ bereits eine touristische Struktur zur Verfügung. Es liege in einer Zone ohne Naturgefahren und sei nicht die einzige ungenutzte touristische Einrichtung im Tal. Das Landesgesetz erlaube Bodenverbrauch außerhalb des Siedlungsgebiets nur, wenn keine Alternative durch Sanierung oder Umnutzung bestehe. Eine ernsthafte Prüfung solcher Alternativen habe es laut den Verbänden nicht gegeben.
Die Organisationen betonen, nicht gegen eine touristische Entwicklung in Martell zu sein. Sie sprechen sich für eine Entwicklung aus, die zum Nationalpark passe: kleinteilig, im Bestand und mit echtem Nutzen für die Bevölkerung vor Ort. Zugleich fordern sie vom Land Planungssicherheit. Dass der Nationalparkplan seit vier Jahren ausstehe, dürfe nicht dazu führen, dass Gemeinden nach dem erstbesten Großprojekt griffen.






