von ih 12.10.2026 09:11 Uhr

Umweltverbände fordern Baustopp bei Almerschließung in Martell

Ein neuer Fahrweg zur unteren Flimalm sorgt für Kritik. Die Verbände sprechen von massiven Eingriffen in die Natur und verlangen eine Überprüfung des Projekts.

Foto: Thomas Benedikter

In Martell sorgt ein Almerschließungsprojekt für heftige Kritik von Umweltverbänden. Der neue Fahrweg zur unteren Flimalm ist bereits weitgehend gebaut und führt mit 24 steilen Kehren durch eine ökologisch wertvolle Waldlandschaft. Der Heimatpflegeverband Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz sowie die Umweltschutzgruppe Vinschgau fordern deshalb eine sofortige Einstellung der Bauarbeiten.

Das Projekt trägt den offiziellen Titel „Außerordentliche Instandhaltung und Neutrassierung von Teilstücken des Viehtriebweges zur unteren Flimalm“. Nach Angaben der Umweltverbände überwindet der Weg rund 400 Höhenmeter und ist mit massiven Stützmauern gesichert. Das noch ausstehende Teilstück soll durch steiles, felsiges Gelände innerhalb eines Natura-2000-Schutzgebiets bis zum Bärenplattboden führen. Das gesamte Projektgebiet liegt im Nationalpark Stilfserjoch.

Die Verbände warnen vor schwerwiegenden und nicht wiedergutzumachenden Schäden an Wald, Boden und Landschaft. Bei starken Niederschlägen könne das Gelände zudem einen erheblichen Oberflächenabfluss entwickeln.

Zweifel am Nutzen und an der Finanzierung

Elisabeth Ladinser, Präsidentin des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, kritisiert insbesondere die Begründung des Projekts mit einer nachhaltigen Almbewirtschaftung. Die untere Flimalm werde lediglich mit 60 bis 80 Jungrindern und einigen Ziegen bestoßen. Bislang hätten die Tiere die Alm über bestehende alte Wege erreicht. Der massive Neubau stehe daher in keinem angemessenen Verhältnis zum angegebenen Zweck, argumentiert Ladinser.

Auch die Finanzierung stößt auf Kritik. Ein Großteil der Mittel stammt laut Pressemitteilung aus dem LEADER-Förderprogramm, weitere Gelder kommen aus dem Landeshaushalt. Josef Gruber, Vorsitzender der Umweltschutzgruppe Vinschgau, stellt deshalb die Verwendung öffentlicher Gelder für ein aus seiner Sicht naturzerstörerisches Vorhaben infrage.

Vereinbarkeit mit Schutzbestimmungen soll geprüft werden

Besonders kritisch sehen die Umweltverbände, dass das Amt für den Nationalpark Stilfserjoch in einer Unbedenklichkeitserklärung festgehalten hat, das Vorhaben stehe den Schutzzielen des Nationalparks nicht entgegen.

Die Verbände verlangen nun eine Überprüfung, ob das Projekt mit den Natura-2000-Schutzbestimmungen, der Gefahrenzonenregelung und den geltenden Landschaftsschutzbestimmungen vereinbar ist.

Zudem müsse geklärt werden, ob der angegebene Nutzen für die Weidewirtschaft durch die möglichen Schäden am Schutzwald und an den Ökosystemen nicht zunichtegemacht werde.

Warnung vor weiteren Almerschließungen

Die Kritiker sehen in dem Vorhaben auch einen möglichen Präzedenzfall für weitere Projekte dieser Art. In verschiedenen Landesteilen Südtirols seien ähnliche Erschließungen bereits geplant oder vorgeschlagen worden. Da die große Mehrheit der Almen im Land bereits erschlossen sei, müsse nun der Erhalt der noch unerschlossenen Gebiete stärker in den Mittelpunkt rücken.

Die Umweltverbände betonen, dass sie die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft nicht infrage stellen. Notwendige Eingriffe müssten jedoch verhältnismäßig, an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und langfristig verantwortbar sein. Für den Viehtriebweg zur unteren Flimalm sehen sie diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Sie verlangen daher einen sofortigen Baustopp und eine umfassende Prüfung des Projekts.

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