von mag 06.10.2026 14:27 Uhr

Dieser Moment veränderte Hollywood für immer

Am 6. Oktober 1927 passierte etwas, das damals fast unglaublich klang: Ein Schauspieler sprach plötzlich direkt aus der Kinoleinwand. Was folgte, war das Ende einer ganzen Ära. 

Vor 99 Jahren: Al Jolson (rechts, schwarz geschminkt – eine heute als rassistisch geltende Praxis) mit May McAvoy in „The Jazz Singer“, 1927 (Bild: Warner Bros. / Wikimedia Commons, gemeinfrei).

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino. Es ist dunkel, auf der Leinwand läuft ein Film – aber niemand spricht. Schauspieler bewegen ihre Lippen, dazwischen erscheinen Texttafeln. Die Handlung wird von einem Pianisten oder Orchester begleitet. So sah Kino vor knapp 100 Jahren aus. Bis zu jenem 6. Oktober 1927. An diesem Tag wurde in New York ein Film gezeigt, der die Geschichte des Kinos für immer verändern sollte: „The Jazz Singer“.

Dann begann plötzlich jemand zu sprechen

Der Film mit dem Sänger und Schauspieler Al Jolson war noch längst kein vollständig vertonter Film. Der Großteil bestand weiterhin aus klassischen Stummfilmszenen.

Doch an einer Stelle hörte das Publikum etwas, das es auf der Kinoleinwand bis dahin kaum erlebt hatte: eine menschliche Stimme, synchron mit dem Schauspieler. Jolson sprach einige Sätze – und sang. Für die Zuschauer war das eine Sensation.

Die Technik dahinter nannte sich Vitaphone. Der Ton war auf Schallplatten gespeichert und musste während der Vorführung möglichst exakt mit den Bildern synchronisiert werden. Aus heutiger Sicht klingt das umständlich. 1927 war es eine Revolution.

Hollywood unterschätzte die neue Technik

Dabei war zunächst keineswegs klar, dass der Tonfilm die Zukunft sein würde. Viele Filmschaffende standen der neuen Technik skeptisch gegenüber. Stummfilme hatten sich über Jahrzehnte entwickelt und waren international erfolgreich. Ein Film konnte ohne Übersetzung auf der ganzen Welt gezeigt werden.

Der Ton brachte plötzlich neue Probleme. Schauspieler mussten nicht nur gut aussehen und spielen können – sie mussten auch eine passende Stimme haben. Kameras und Mikrofone schränkten die Bewegungsfreiheit ein. Und plötzlich spielte auch die Sprache eine entscheidende Rolle. Trotzdem setzte sich der Tonfilm mit unglaublicher Geschwindigkeit durch.

Für manche Stars war die Revolution ein Karriereende

Der technische Fortschritt hatte allerdings auch seine Verlierer. Einige der größten Stars des Stummfilms konnten mit der neuen Welt nicht Schritt halten. Manche hatten ungeeignete Stimmen, andere konnten sich an die neue Art des Schauspielens nicht gewöhnen.

Was zuvor ein Gesicht, eine Körpersprache und ein charismatischer Auftritt gewesen waren, reichte plötzlich nicht mehr.

Eine technische Neuerung entschied damit teilweise über die Karrieren von Menschen. Auch das erinnert erstaunlich stark an die Gegenwart.

Und heute? Wieder eine Revolution

Fast 100 Jahre später steht die Medienwelt erneut vor einem gewaltigen Umbruch. Streaming hat das Fernsehen verändert. Smartphones haben die Produktion und Verbreitung von Videos revolutioniert. Und künstliche Intelligenz kann inzwischen Stimmen erzeugen, Bilder verändern und bewegte Szenen produzieren.

Noch wissen wir nicht genau, welche dieser Entwicklungen in zehn oder zwanzig Jahren selbstverständlich sein werden. Das war 1927 nicht anders.

Die Zuschauer im Warner Theatre konnten damals nicht wissen, dass sie gerade den Beginn einer neuen Ära erlebten.

Ein kleiner Moment mit gewaltigen Folgen

Heute wirkt der historische Moment beinahe unscheinbar: Ein Schauspieler spricht ein paar Sätze. Doch genau daraus entwickelte sich eine Revolution, die Hollywood innerhalb weniger Jahre grundlegend veränderte. Ende der 1920er-Jahre war der Siegeszug des Tonfilms bereits nicht mehr aufzuhalten.

Vielleicht erleben wir auch heute gerade solche Momente – und erkennen erst später, wie bedeutend sie tatsächlich waren.

Der 6. Oktober 1927 zeigt jedenfalls: Die größten Veränderungen beginnen manchmal mit etwas, das zunächst nur wie eine technische Spielerei aussieht.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite