Almabtrieb, Speck und Schüttelbrot: Südtirol feiert den Herbst

Besonders viel los ist am Samstag in Kastelruth. Von 10 bis 16 Uhr findet dort der traditionelle Almabtrieb statt. Nach dem Sommer auf den Hochweiden kehren die Tiere von der Seiser Alm zurück ins Tal. Festlich geschmückte Kühe, Blumenkränze und große Schellen gehören dabei ebenso dazu wie das Rahmenprogramm im Dorf.
Für den Viehtrieb werden zeitweise auch mehrere Straßen gesperrt. Unter anderem kommt es zwischen der Seiser Alm und Kastelruth sowie direkt im Dorf zu Verkehrseinschränkungen. Wer den Almabtrieb besuchen möchte, sollte deshalb etwas mehr Zeit für die Anreise einplanen.
Frühschoppen und Almabtrieb in Reischach
Auch in Reischach steht der Samstag ganz im Zeichen der bäuerlichen Tradition. Auf dem Festplatz beginnt das Programm um 11 Uhr mit einem Frühschoppen und musikalischer Unterhaltung. Um 14.30 Uhr folgt der eigentliche Almabtrieb, bei dem die Tiere durch das Dorf geführt werden.
Der Almabtrieb gehört zu jenen Bräuchen, die unmittelbar aus dem bäuerlichen Jahreslauf entstanden sind. Während die Tiere den Sommer über auf den Bergweiden verbringen, kehren sie vor Einbruch des Winters wieder auf die Höfe im Tal zurück. Wenn Mensch und Tier die Almsaison gut überstanden haben, wird diese Heimkehr traditionell gefeiert.
„Gsiesa Marschtl“ mit Festumzug
Noch mehr Tradition gibt es am Samstag im Gsiesertal. In St. Martin findet der traditionelle Gsieser Jahrmarkt, das „Gsiesa Marschtl“, statt. Bereits am Vormittag beginnt das Markttreiben mit regionalen Produkten, Tiroler Spezialitäten und Musik.
Einer der Höhepunkte folgt am Nachmittag: Um 14 Uhr wird ein Festumzug mit dem Almabtrieb verbunden. Damit treffen Jahrmarkt, Dorffest und bäuerliches Brauchtum an einem einzigen Tag aufeinander.
Auch in Rein in Taufers werden am Samstag Tiere von der Alm zurück ins Tal gebracht. Dort führt der Almabtrieb von der Knuttenalm zum Pichlerhof.
Am Sonntag geht es weiter
Wer es am Samstag nicht zu einem Almabtrieb schafft, bekommt auch am morgigen Sonntag noch mehrere Gelegenheiten. Besonders traditionell wird es in St. Zyprian bei Tiers. Auf der Platzliner Wiese beginnt der Festbetrieb um 11 Uhr, gegen 13.30 Uhr wird das festlich geschmückte Vieh von den Almwiesen ins Tal geführt. Musik und regionale Spezialitäten begleiten den Almabtrieb.
Wegen der Veranstaltung ist die Straße zwischen dem Cyprianerhof und dem Kirchlein von St. Zyprian von 12 bis 15 Uhr gesperrt.
Auch in Völs am Schlern werden am Sonntag die Tiere von der Alm heimgebracht. Um 10 Uhr beginnt auf der Tuff Alm das Schmücken des Viehs, zwischen 11.30 und 12 Uhr sollen die Tiere in Völs eintreffen. Um 13 Uhr folgt die Viehsegnung, anschließend wird am Festplatz weitergefeiert.
Brixen riecht nach Brot und Strudel
Wer weniger mit Kühen und dafür mehr mit Südtiroler Spezialitäten anfangen kann, wird an diesem Wochenende in Brixen fündig. Auf dem Domplatz läuft noch bis einschließlich Sonntag der Südtiroler Brot- und Strudelmarkt.
Dort dreht sich alles um heimische Backtradition: Vinschger Paarln, Pusterer Breatln, Schüttelbrot und Südtiroler Apfelstrudel stehen ebenso im Mittelpunkt wie das traditionelle Bäckerhandwerk. Am Samstag sind die Marktstände von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Besucher können dabei nicht nur regionale Spezialitäten verkosten, sondern auch mehr darüber erfahren, wie Südtirols Brottradition über Generationen weitergegeben wurde.
Speckfest in Villnöß
In St. Magdalena in Villnöß wird ebenfalls an beiden Tagen dem Südtiroler Speck gehuldigt. Bei „Speck und Genuss“ dreht sich am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr alles um Speck, Bauernbrot und weitere heimische Spezialitäten.
Ein traditioneller Bauernmarkt mit Handwerksarbeiten und Südtiroler Produkten sowie musikalische Unterhaltung ergänzen das Programm. Gerade die Kombination aus regionalen Lebensmitteln, Handwerk und Dorffest macht die Veranstaltung zu einem der zahlreichen herbstlichen Treffpunkte an diesem Wochenende.
Törggelen und Brauchtum von Marling bis Prad
Nicht nur Almabtriebe prägen den Sonntag. In Marling lädt die Volkstanzgruppe von 10 bis 18 Uhr zum traditionellen Törggelefest auf dem Festplatz. Nach dem Frühschoppen gibt es ab Mittag gebratene Kastanien und Suser, begleitet von Musik.
Ein besonders umfangreiches Programm bietet auch Prad. Dort findet am Sonntag von 9.30 bis 20 Uhr das 10. Brauchtums- und Genussfest statt. Rund um den Hauptplatz werden altes Handwerk, örtliche Bräuche, Musik und regionale Spezialitäten präsentiert. Damit wird auch im Vinschgau der Herbst ganz im Zeichen gelebter Tradition begangen.
Wenn Tradition tatsächlich gelebt wird
Almabtriebe und Bauernmärkte sind längst auch touristische Anziehungspunkte. Ihr Ursprung liegt jedoch weit vor dem modernen Tourismus. Sie gehören zu einem bäuerlichen Jahresablauf, der Südtirol über Jahrhunderte geprägt hat. Dass heute Tausende Menschen solchen Veranstaltungen beiwohnen, zeigt zugleich, dass alte Bräuche noch immer eine große Anziehungskraft besitzen.
Gerade in einer Zeit, in der häufig über den Verlust von Tradition und regionaler Identität gesprochen wird, bietet dieses Wochenende ein anderes Bild: In Kastelruth, Reischach, Tiers und Völs werden Tiere von den Almen heimgebracht, in Gsies zieht der Festumzug durchs Dorf, in Brixen steht heimisches Brot im Mittelpunkt und in Villnöß der Südtiroler Speck.
Der Südtiroler Herbst zeigt sich an diesem Wochenende jedenfalls von seiner wohl traditionellsten Seite.






