von wk 03.10.2026 08:55 Uhr

Fast 100 Gletscher in Österreich verschwunden – Tirol besonders betroffen

Österreichs Gletscher haben fast ein Drittel ihrer Fläche eingebüßt. Besonders betroffen sind die Tiroler Alpen. Auch südlich des Brenners schreitet der Verlust rasant voran – mit Folgen für Landschaft, Sicherheit und Wasserversorgung.

Bild von joergweitz auf Pixabay

Eine Eisfläche so groß wie 18.000 Fußballfelder

Das neue österreichische Gletscherinventar zeigt, wie schnell sich die Hochgebirgswelt verändert. Die Untersuchung wurde im Fachjournal „The Cryosphere“ veröffentlicht und vergleicht aktuelle Daten aus den Jahren 2021 bis 2023 mit der vorherigen Erhebung aus den Jahren 2004 bis 2012.

In diesem Zeitraum gingen rund 129 Quadratkilometer Gletscherfläche verloren. Das entspricht beinahe 18.000 Fußballfeldern.

Insgesamt schrumpfte die Eisfläche um 31 Prozent. Mit anderen Worten: Fast ein Drittel der zuvor erfassten Gletscherfläche ist innerhalb von rund 15 Jahren verschwunden.

Von den einst 894 untersuchten Gletschern sind 95 inzwischen vollständig abgeschmolzen oder so klein geworden, dass sie nicht mehr kartiert werden konnten. Damit ist mehr als jeder zehnte Gletscher verschwunden.

Ötztaler Alpen besonders stark betroffen

Die größten Verluste wurden in den Tiroler Gebirgsgruppen gemessen. Allein in den Ötztaler Alpen verschwanden rund 37,5 Quadratkilometer Gletscherfläche. In den Stubaier Alpen waren es weitere 19 Quadratkilometer.

Besonders schnell schreitet der Schwund in den Zillertaler Alpen voran. Dort gingen im Durchschnitt jährlich mehr als fünf Prozent der Eisfläche verloren. Auch die Venediger-, Rieserferner- und Defereggergruppe sind stark betroffen.

Die Zahlen machen deutlich: Der Gletscherschwund ist keine langsam verlaufende Veränderung mehr. Was sich früher über Jahrzehnte vollzog, geschieht heute innerhalb weniger Jahre.

Gletscher „in vollkommener Auflösung“

Nach dem außergewöhnlich heißen Sommer 2026 hat sich die Lage weiter verschärft. Die Innsbrucker Gletscherforscherin Andrea Fischer erklärte in einem von der APA verbreiteten Interview, der Jamtalferner und viele weitere Gletscher seien mittlerweile „in der vollkommenen Auflösung begriffen“.

Zurück bleiben große Geröllflächen und instabile Berghänge. Gleichzeitig taut der Permafrost auf, der Felsen und Gestein über lange Zeit zusammengehalten hat. Dadurch wächst die Gefahr von Steinschlägen, Muren und anderen Massenbewegungen.

Diese Gefahren beschränken sich nicht auf abgelegene Hochgebirgsregionen. Geröll und Schlamm können auch Straßen, Almen und bewohnte Täler erreichen.

Südtirol verlor seit 1997 bereits 41 Prozent

Auch südlich des Brenners ist die Entwicklung deutlich sichtbar. Laut Südtiroler Gletscherinventar 2023 verfügt das Land noch über eine Gletscherfläche von 72,1 Quadratkilometern.

Allein zwischen 2017 und 2023 gingen 16,1 Prozent verloren – also ungefähr ein Sechstel der gesamten Gletscherfläche innerhalb von sechs Jahren. Im Vergleich zum Jahr 1997 ist der Rückgang noch dramatischer: Seither verschwanden bereits 41 Prozent des Südtiroler Gletschereises.

Zwischen 2017 und 2023 verloren Südtirols Gletscher rund 635 Millionen Tonnen Masse. Als Wasser gerechnet entspricht das grob dem Inhalt von mehr als 250.000 olympischen Schwimmbecken.

Weniger Eis bedeutet weniger Wasser

Die Gletscher prägen nicht nur das Landschaftsbild. Sie sind auch wichtige Wasserspeicher und speisen in den warmen Sommermonaten zahlreiche Bäche und Flüsse.

Je kleiner die Gletscher werden, desto geringer ist ihre ausgleichende Wirkung während längerer Trockenperioden. Das kann sich auf die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und die Stromerzeugung aus Wasserkraft auswirken.

Welche Tiroler Täler besonders betroffen sein werden, muss genauer untersucht werden. Klar ist jedoch bereits jetzt: Der Verlust des Gletschereises endet nicht am Brenner. Nord-, Ost- und Südtirol stehen vor derselben Herausforderung.

Ein gemeinsames Tiroler Gletscher- und Naturgefahrenmonitoring könnte helfen, Veränderungen früher zu erkennen und gefährdete Gebiete besser zu schützen.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite