Bündnis Kaltern macht Druck: „Überlassen Sie das Kloster der Gemeinde“

Die Zukunft des Tertiarklosters beschäftigt Kaltern seit Monaten. Die verbliebenen Tertiarschwestern wollen den Standort verlassen und ins Mutterhaus nach Brixen übersiedeln. Bereits im Frühjahr wurde bekannt, dass die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft das Areal erwerben und dort ein „Vinzihaus der Solidarität“ nach dem Vorbild des Hauses der Solidarität in Brixen verwirklichen möchte. Auch die Gemeinde Kaltern meldete jedoch Interesse an dem historisch bedeutenden Komplex an.
Kaufvertrag bereits unterzeichnet
Ende August wurde die Auseinandersetzung konkret. Nach Angaben von Rai Südtirol wurde der notarielle Kaufvertrag zwischen den Tertiarschwestern und der Vinzenzgemeinschaft bereits unterzeichnet. Als Kaufpreis wurden 2,45 Millionen Euro genannt. Auch die Zustimmung der Ordensoberen in Rom sowie des Vatikans habe zu diesem Zeitpunkt bereits vorgelegen. Weil wesentliche Teile der Klosteranlage unter Denkmalschutz stehen, verfügen allerdings die öffentliche Hand und damit auch die Gemeinde über ein gesetzliches Vorkaufsrecht.
Der Kalterer Gemeinderat hatte seinerseits am 27. August mehrheitlich beschlossen, 2,6 Millionen Euro für den Erwerb des Klosters samt Kapelle, Haus Elisabeth und Klostergarten anzubieten. Damit lag das Angebot der Gemeinde über dem später von Rai genannten Kaufpreis des bereits abgeschlossenen Kaufvertrages.
Die Vorstellungen über die künftige Nutzung unterschieden sich dabei. Die Vinzenzgemeinschaft will das Kloster langfristig sozialen Zwecken widmen. Vorgesehen sind nach ihrem Konzept rund 20 eigenständige Wohneinheiten für bis zu 34 Personen. Aufgenommen werden sollen Menschen, die sich auf dem normalen Mietmarkt keine Wohnung leisten können; entscheidend sei nach Angaben der Projektverantwortlichen die Bedürftigkeit, nicht die Herkunft. Zusätzlich sind eine VinziTafel, eine Kleiderkammer und Gemeinschaftsräume vorgesehen.
Die Gemeinde plante dagegen unter anderem ein Mehrgenerationenhaus und Räumlichkeiten für Vereine und wollte stärker über die Nutzung des zentral gelegenen Areals mitentscheiden.
Anfang September folgte der Kompromiss
Am 4. September gaben Bürgermeister Christoph Pillon und der Präsident der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft, Heinrich Erhard, schließlich eine Einigung bekannt. Danach soll die Vinzenzgemeinschaft das Haupthaus, also das bisherige Tertiarkloster, für ihr „Vinzihaus der Solidarität“ nutzen können. Im Gegenzug sollen die zwölf Wohnungen im angrenzenden Haus Elisabeth an die Gemeinde Kaltern gehen. Die Gemeinde möchte diese Wohnungen unter anderem für Senioren und Frauen in Not verwenden. Auch die Kongregation der Tertiarschwestern stimmte nach damaligen Angaben diesem Modell zu.
Entscheidend ist allerdings: Die am 4. September vorgestellte Lösung war noch kein endgültig wirksamer Abschluss. Gemeinde und Vinzenzgemeinschaft erklärten ausdrücklich, dass zunächst die zuständigen Gremien zustimmen müssen. Auf Gemeindeebene stand deshalb bei der Gemeinderatssitzung vom 8. September erneut das Vorkaufsrecht für die denkmalgeschützten Liegenschaften auf der Tagesordnung.
Nach Angaben des Bündnisses Kaltern wurde dabei noch nicht über den gesamten Kompromiss abgestimmt. Das Bündnis hielt weiterhin am Ziel fest, das gesamte Klosterareal für die Gemeinde zu erwerben. Als weiterer wichtiger Termin wurde die Vollversammlung der Vinzenzgemeinschaft am heutigen 3. Oktober genannt.
Bündnis Kaltern: „Einen Schritt zurück machen“
Genau in diese noch offene Situation hinein richtet das Bündnis Kaltern nun einen offenen Brief an die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft. Darin fordert die Gruppierung die Organisation auf, zugunsten der Gemeinde auf das Kloster zu verzichten.
„Überlassen Sie das Kloster der Gemeinde und ermöglichen Sie so einen Ort für die Menschen von Kaltern“, heißt es in dem Schreiben. Die Gemeinde wisse das Areal nach Ansicht des Bündnisses „zu Gunsten der Gemeinschaft von Kaltern zu nutzen“.
Die Vinzenzgemeinschaft könne damit, so die Argumentation, ein starkes Zeichen setzen: Sie würde nicht nur zum Erhalt eines historischen Gebäudes beitragen, sondern ermöglichen, daraus einen Ort zu schaffen, der auch künftig vielen Kalterern zugutekomme.
Vom betreuten Wohnen bis zu Angeboten für Frauen in Not
Das Bündnis nennt dafür mehrere mögliche Nutzungen. Durch die Nähe zum Altenheim, den Garten, die Parkmöglichkeiten, die öffentliche Anbindung und die vorhandenen Räumlichkeiten biete sich das Kloster nach Ansicht der Gruppierung etwa für betreutes Wohnen, generationenübergreifende Wohngemeinschaften, Angebote für Menschen mit Behinderung, Hilfen für Frauen in Not oder Unterstützung älterer Menschen im Umgang mit der digitalen Welt an.
„Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Immobilie“, heißt es weiter. Viele Kalterer hätten das Kloster bereits als Kindergarten oder Schule kennengelernt. Deshalb solle es auch in Zukunft ein prägender Ort für das Dorf bleiben.
Maria von Mörl eng mit dem Kloster verbunden
Zur Begründung verweist das Bündnis auch auf die besondere historische Verbindung des Tertiarklosters mit Maria von Mörl. Diese ist dokumentiert: Maria Theresia von Mörl zu Pfalzen und Sichelburg wurde am 16. Oktober 1812 in Kaltern geboren. Von 1841 bis zu ihrem Tod am 11. Januar 1868 lebte sie bei den Tertiarschwestern.
Auch zwei weitere Angaben des offenen Briefes lassen sich durch die Pfarrei Kaltern belegen. Nach dem Tod ihres Vaters erhielt Maria von Mörl einen Erbanteil, aus dem für sie ein Anbau am Haus der Tertiarschwestern errichtet werden konnte. Außerdem schenkte sie ihrer Heimatgemeinde jenes Grundstück, auf dem heute der Kalterer Friedhof liegt.
Für das Bündnis ist diese historische Verbindung ein weiteres Argument dafür, das Areal dauerhaft in den Dienst der örtlichen Gemeinschaft zu stellen. „Die Gemeinde Kaltern muss das Kloster erwerben“, lautet die zentrale Forderung des offenen Briefes. Abschließend heißt es: „Jetzt kann Kaltern etwas für seine Zukunft daraus machen!“
Unterzeichnet wurde der offene Brief von den Gemeinderäten Walter Bernard und Dietmar Zwerger, Landtagsabgeordnetem Jürgen Wirth Anderlan sowie Sabine Giuntini, Florian von Ach, Jutta Mayr, Andreas Kofler, Monica Gschnell, Martina Sinn, Demis Morandell, Claudia Pircher und Sonja Morandel.






