von lif 01.10.2026 15:25 Uhr

Künstliche Intelligenz soll Sprache der Elefanten knacken

Elefanten verständigen sich mit einem tiefen Grollen, das für Menschen kaum hörbar ist. Wiener Forscher haben solche Laute nun mit Künstlicher Intelligenz nachgebaut und sie einer Herde in Südafrika vorgespielt.

Bild: APA

Afrikanische Savannenelefanten kennen fünfzehn verschiedene Lautäußerungen. In gut zwei Dritteln der Fälle grollen sie tieffrequent, der sogenannte Rumble. Daneben trompeten sie bei Aufregung oder verständigen sich über weite Strecken. Was die einzelnen Laute genau bedeuten, weiß bis heute niemand. Genau das will ein Team um die Wiener Verhaltensforscherin Angela Stöger-Horwath ändern. „Wir schauen zunächst einmal: Können wir Laute generieren, die wie ein Elefant klingen?“, sagt die Expertin von der Akademie der Wissenschaften und Professorin der Universität Wien.

Versuche in der Savanne

Für die Feldversuche ging es in die südafrikanische Provinz Limpopo. Dort leben in einem über 300 Hektar großen Gehege sieben an Menschen gewöhnte Savannenelefanten. Die Tiere fressen, beobachtet von ihren Betreuern und von einer Videokamera mit hochempfindlichem Mikrofon. 300 Meter entfernt, für die Elefanten unsichtbar, steht ein schwerer Subwoofer, der eigens für das Abspielen der Infraschall-Laute angepasst wurde. Das Signal dauert nur vier bis fünf Sekunden und wird mit rund 100 Dezibel abgespielt. Insgesamt fanden im August und September 16 solcher Sessions an verschiedenen Standorten statt.

Pro Durchgang wird je ein echtes und ein von der KI erzeugtes Signal abgespielt. Welches wann kommt, weiß das Team vor Ort selbst nicht. Die Playlist hat ÖAW-Mathematiker Daniel Haider vorher in Wien erstellt. Der Grund dafür ist, dass die Forscher arbeiten bewusst „blind“, um die Versuche nicht unbewusst zu beeinflussen.

Bei den ersten Durchgängen reagierten die Elefanten deutlich auf beide Geräusche. „Sie unterbrachen das Fressen oder Baden, sie drängten sich zusammen, waren sehr interessiert, spitzten die Ohren, lauschten oder schnüffelten“, berichtet Bioakustiker Jure Železnik. Mit der Zeit ließ die Reaktion nach. Inzwischen drehen sich die Tiere nur noch zum Lautsprecher hin und werden etwas langsamer in ihren Bewegungen.

Was der beste Ausgang wäre

In Wien steht nun die Auswertung des Videomaterials an. Das größte Glück wäre laut Železnik, „wenn wir feststellen, dass es keinen großen Unterschied in ihren Reaktionen auf die realen wie auch synthetisierten Signale gibt“. Das würde bedeuten, dass die Elefanten keine Fehler in der künstlich erzeugten Sprache wahrnehmen. Damit stünde die Tür offen, um alte Hypothesen endlich zu testen. Ein Beispiel: Stößt die Matriarchin, also das weibliche Leittier, ein „Let’s go rumble“ aus, folgt ihr die ganze Herde. Mit einem Sprachmodell könnte man denselben Ruf einem rangniederen Weibchen in den Mund legen und schauen, was passiert.

Stöger-Horwath bleibt aber vorsichtig. „Es könnte aber auch sein, dass wir merken, dass die Sprache der Elefanten vielleicht nicht so eine dominante Rolle spielt wie bei uns.“ Elefanten haben einen ausgeprägten Geruchssinn und verständigen sich über mehrere Kanäle gleichzeitig. Hinzu kommt: „Elefanten plappern auch gerne und viel durcheinander.“ Aus diesem Lautgewirr samt Umgebungsgeräuschen das Wesentliche herauszuhören, macht die Sache auch für die KI deutlich komplizierter.

Dazu fehlen bislang umfassende Datensätze, um die Sprachmodelle ausreichend zu trainieren. Bis die Sprache der Elefanten entschlüsselt ist, werde es daher „wohl noch etwas dauern“.

Vision: Austausch zwischen Mensch und Tier

Die Forscherin fasziniert vor allem, „dass wir an etwas, dieser geheimen Sprache arbeiten, die wir nicht wahrnehmen können“. Ihre Vision ist eine Art Informationsaustausch zwischen Mensch und Tier, als Voraussetzung für ein gemeinsames Zusammenleben. Dass dabei die Gefahr besteht, den Tieren menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, sieht sie gelassen: „Heutzutage sprechen wir durchaus den Tieren Persönlichkeiten zu, auch in einem größeren Bewusstsein: So einzigartig sind wir Menschen gar nicht.“

Hintergrund: Bedrohte Riesen

Die internationale Schutzorganisation IUCN führt den Afrikanischen Savannenelefanten als gefährdet. Afrikaweit sind vor allem Wilderei und der Verlust des Lebensraums für den Rückgang verantwortlich. In Südafrika haben sich die Bestände zuletzt wieder etwas erholt. Zum „World Elephant Day“ im August gab die Regierung einen geschätzten Bestand von 44.000 Tieren bekannt. Sie leben in Nationalparks oder privaten Reservaten, also stets auf umzäuntem Land.

APA/UT24

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