Bus kommt nicht: Wenn der Schulweg zur Geduldsprobe wird

Beginnen wir mit dem, was klappt. Der Weg in die Schule bereitet ihr keine Sorgen. Sie steigt schon an der ersten Haltestelle ein und zu dieser Zeit ist der Bus noch nicht voll. Sie bekommt einen Platz und pünktlich ist er auch. „Am Morgen passt es immer“, sagt sie.
Das Problem beginnt erst auf dem Rückweg, also zu Mittag und einmal pro Woche, am Dienstag, am späten Nachmittag, wenn sie Nachmittagsunterricht hat. Das erste Problem ist der Platz. Der Bus, mit dem die Schüler nach Hause fahren, ist nach ihrer Schilderung meist voll mit Touristen. Für die Jugendlichen bleibt dann oft kaum Platz, manchmal kommen sie nur mit Mühe überhaupt hinein. Wer es dann schafft in den Bus zu kommen, muss Stehen. Für Schüler, die nach einem Schultag unterwegs sind und zum Teil noch eine weite Strecke vor sich haben, ist das kein Randproblem. Der Bus ist für sie kein Zusatzangebot, sondern der einzige Weg nach Hause.
Das zweite Problem ist die Pünktlichkeit. Wenn der Bus kommt, dann hat er nach ihrer Erfahrung „gefühlt immer Verspätung“ und zwar mindestens 20 Minuten. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, summiert sich aber, denn statt kurz nach der Schule ist sie erst um 14.30 Uhr zu Hause.
Am gravierendsten ist aber das dritte Problem. In den ersten 15 Schultagen ist es bereits mehrmals vorgekommen, dass der Mittagsbus überhaupt nicht gefahren ist. Besonders ärgerlich ist dabei, wie sich das ankündigt, nämlich gar nicht. In der südtirolmobil App steht zunächst, dass der Bus gleich kommt, dann kommt er aber nicht. Und manchmal verschwindet die Fahrt samt aller Angaben einfach aus der App, als hätte es sie nie gegeben. Die Schüler stehen also an der Haltestelle, verlassen sich auf die Anzeige und erfahren erst nach und nach, dass niemand kommt.
Dann beginnt das Organisieren
Was dann folgt, müssen die Jugendlichen selbst regeln. Sie stehen zu Mittag in Meran und müssen sehen, wie sie nach Hause kommen, oft mit Telefonaten an Eltern, die währenddessen in der Arbeit sind. Nicht alle haben dabei die gleichen Möglichkeiten. Wer Richtung Vinschgau muss, kann nach ihrer Schilderung zumindest auf den Zug ausweichen, der einen Teil der Strecke abdeckt. Doch viele andere Schüler wohnen im Schnalstal und dorthin fährt keine Bahn. Für sie gibt es schlicht keine Alternative, wenn der Bus ausfällt.
Nach zwei Wochen schon Routine
Das Bemerkenswerteste an ihrer Schilderung ist vielleicht, wie selbstverständlich sie klingt. Das Schuljahr hat gerade erst begonnen und die Ausfälle, Verspätungen und das Stehen zwischen Rucksäcken und Rollkoffern sind für sie bereits Alltag.
Für viele Schüler im Land ist der öffentliche Verkehr keine Frage der Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt zur Schule zu kommen.






