von ih 22.09.2026 09:31 Uhr

„Wir wurden verarscht“: Südtiroler Influencer im UT24-Interview

Sie wollten über Männlichkeit, Sport sowie dem Respekt für Frauen sprechen – am Ende fanden sich Emil Kola und Daniel Lintner als „frauenfeindlich“ und „toxisch“ dargestellt wieder. Im Gespräch mit UT24 schildern die beiden Südtiroler Influencer ihre negativen Erfahrungen mit der Presse und erklären ungefiltert, wie sie wirklich ticken.

Daniel Lintner und Emil Kola, die beiden Südtiroler Influencer, wollen eigentlich nur Gutes tun. Doch nun sehen sie sich mit negativer Presse konfrontiert.

„Muskeln, Reichtum und Frauenfeindlichkeit“ – das sind drei Attribute mit denen euch dieser Tage ein Südtiroler Wochenmagazin in Verbindung bringt. Was sagt ihr dazu?

 
Emil Kola: Muskeln – okay, wir haben Muskeln. Wir trainieren seit sechs Jahren. Was soll man dazu sagen? Wir sind große Fans davon. Es ist gut und gesund, Muskeln zu haben. Man soll es natürlich nicht übertreiben, aber grundsätzlich ist es gesund.

Frauenfeindlichkeit wurde aus dem Kontext gezogen. Das haben wir nie gesagt. Wir haben sogar ausdrücklich gesagt, dass wir nicht frauenfeindlich sind. Wir haben selbst Freundinnen, wir lieben unsere Mamas, wir lieben Frauen. Das ergibt für uns überhaupt keinen Sinn.

Und Reichtum? Wir sind nicht reich und kommen aus normalen Familien. Auch das wurde komplett aus dem Kontext gezogen.

Wie erklärt ihr euch, dass genau diese Begriffe so stark mit euch verbunden werden?

 
Emil Kola: Wahrscheinlich, weil man uns mit Andrew Tate vergleicht. Bei anderen Social-Media-Posts werde ich auch oft als „Südtirols Andrew Tate“ bezeichnet. Deshalb haben sie diese Begriffe wahrscheinlich gewählt.

Natürlich geht es auch um Reichweite. Wenn jemand solche Begriffe liest, denkt er sich: „Okay, interessant.“ Wenn stattdessen dort stehen würde: „Influencer aus Südtirol machen Südtirol wieder sportlicher“, würde das vielleicht niemand lesen. Negative Dinge erzeugen einfach mehr Aufmerksamkeit.

Daniel Lintner: Mir fällt auf, dass es bei vielen schon reicht, wenn es um Männlichkeit oder Männer geht. Wenn jemand einem Mann Tipps gibt, ist er sofort frauenfeindlich. Wir geben teilweise in unseren Livestreams Tipps für Männer und deshalb wird das schon als frauenfeindlich gesehen.

Wenn wir beispielsweise sagen, dass der Mann bei einem Date bezahlen soll, heißt es ebenfalls sofort, man sei gegen Frauen.

Warum glaubt ihr, ist das so?

 
Emil Kola: Ich glaube, dass einige Leute auf Social Media, vor allem in Südtirol, anders eingestellt als wir. Und dass wir momentan sehr viel Reichweite bekommen und Social Media in Südtirol anders beeinflussen, gefällt manchen Leuten nicht.

Es gibt wenige Influencer, die ihre Meinung so offen und ehrlich sagen, vor allem in Südtirol. Ich glaube deshalb, dass manche Angst haben, wir könnten zu bekannt werden und ihnen eine Bühne wegnehmen.

Daniel Lintner: Ich glaube auch, dass sehr viel mit Vorurteilen gearbeitet wird. Wenn man sagt, ein Mann soll trainieren gehen oder seine Männlichkeit stärken, wird er schnell abgestempelt: als jemand, der gegen Frauen ist oder toxisch ist.

Männlichkeit wird sehr schnell mit etwas Negativem gleichgesetzt.

Man hat heutzutage schon das Gefühl, dass vor allem junge Männer für vieles kritisiert werden, was sie machen wollen. Bei jungen Frauen hat man dagegen oft den Eindruck, dass vieles eher positiv aufgenommen wird – sogar wenn sie z.B. Onlyfans machen. Seht ihr das auch so?

 
Emil Kola: Ja, du sagst es.

Daniel Lintner: Ja, ich finde, da hast du total recht. Es gibt viele Männer, die nie in Schutz genommen werden. Stattdessen werden sie beleidigt und als sexistisch bezeichnet. Man soll ein Mann sein, aber gleichzeitig darf man offenbar nicht der Mann sein. Das ist schon komisch.

Emil Kola: Man sieht das auch bei Fällen, in denen Frauen schwere Verbrechen begangen haben. Nehmen wir zum Beispiel den Fall Lindsay Clancy in den USA: Sie soll 2022 ihre drei kleinen Kinder getötet haben. Auch danach wurde viel über ihre psychische Verfassung und die Umstände der Tat gesprochen. Bei einem Mann wäre die Reaktion meiner Meinung nach eine andere.

Daniel Lintner: Die Leute denken oft nicht darüber nach. Sie hören etwas und rennen dann einfach der Masse hinterher. Das sieht man auch bei Hate-Kommentaren. Zuerst gibt es vielleicht ein oder zwei negative Kommentare und plötzlich springen alle darauf auf.

Emil Kola: Dabei muss man auch bedenken: Wir haben bisher so viel gespendet, Sport promotet und gute Videos gemacht. Aber dann wird ausgerechnet ein Video herausgegriffen, in dem ich einen Witz über Matcha Latte und Schwarzkaffee mache. Was soll das?

Daniel Lintner: Sie blenden alles Gute aus und stempeln uns aufgrund eines einzelnen Moments ab.

Wie ist eure generelle Sicht auf den Feminismus? Es entsteht ja vermehrt der Eindruck, Feminismus ist heutzutage fast schon zu einem Krieg zwischen Männern und Frauen geworden.

 
Emil Kola: Feminismus an sich ist etwas Gutes. Was bedeutet Feminismus? Gleichheit für Mann und Frau. Wir sind nicht gleich, aber wir sollen gleich behandelt werden. Das ist ein Unterschied.

Daniel Lintner: Genau. Männer und Frauen sind unterschiedlich, aber deshalb ist keiner weniger wert. Der Grundgedanke des Feminismus ist meiner Meinung nach gut: Männer und Frauen sind gleich viel wert.

Früher wurden Frauen ausgenutzt, mussten zu Hause bleiben und hatten teilweise keine Macht in der Beziehung. Aber es gibt auch Feministen, die komplette Männerhasser sind.

Emil Kola: Manche sagen, man brauche keine Männer, keinen Ehemann und Männer seien für Kinder nicht notwendig.

Der Feminismus ist ursprünglich aus einem guten Gedanken entstanden – aus dem Gedanken der Gleichheit. Das war auch bei LGBTQ so. Es entstand aus einem guten Zweck, weil homosexuelle Menschen belästigt und nicht gerecht behandelt wurden.

Aber meiner Meinung nach ist das inzwischen teilweise lächerlich geworden. Wenn jemand sagt, man könne sich beispielsweise als Hund identifizieren, frage ich mich schon: Was soll das?

Dann ist es aber auch wenig verwunderlich, wenn eine Gegenbewegung entsteht. Schließlich geht ja vieles in eine Richtung, oder?

 
Daniel Lintner: Was mir auffällt und was ich am schlimmsten finde: Es zerreißt die Verbindung zwischen Frau und Mann. Es entsteht dieses Gefühl „Frauen gegen Männer“ oder „Männer gegen Frauen“. Und das zerstört Familien und letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Eine gesunde Familie ist das Wichtigste in einer Gesellschaft. Ohne gesunde Familien gibt es keinen Zusammenhalt.

Emil Kola: Ohne Familie funktioniert eine Gesellschaft gar nicht. Familie ist der Grundbaustein einer Gesellschaft.

Daniel Lintner: Ich sehe da teilweise auch etwas, das vielleicht einen guten Kern haben kann, aber ich möchte jetzt nicht zu tief in eine Verschwörungstheorie hineingehen.

Emil Kola: Das ist geplant.

Daniel Lintner: Ja, dass man uns auseinanderbringen will, weil eine starke Familie gefährlich sein kann. Eine Familie hält zusammen.

Emil Kola: Früher sind Männer in den Krieg gegangen, um ihre Familie zu beschützen. Wenn es die Familie nicht mehr gibt, wofür kämpfen sie dann?

Heute versucht man teilweise, Männer und Frauen auseinanderzubringen. Es wird gesagt: „Wir sind Gegner“, obwohl wir eigentlich Partner sind.

Männer und Frauen sollen zusammenhalten. Nicht einer ist besser als der andere. Wir sind beide in unseren eigenen Bereichen gut.

Daniel Lintner: Und wir brauchen uns gegenseitig. Wir sind dazu gemacht, zusammenzuleben und nicht gegeneinander.

Emil Kola: Ein Mann alleine und eine Frau alleine werden immer schwächer sein als ein Mann und eine Frau zusammen.

Wir sind doch keine Gegner. Ich bin nicht für toxischen Maskulismus und auch nicht für extremen Feminismus. Ich bin dafür, dass man gemeinsam einen Weg findet. Nicht das eine oder das andere.

Daniel Lintner: Genau. Gemeinsam eine gesunde Gesellschaft aufbauen. Gegenseitiger Respekt ist extrem wichtig – und natürlich auch Liebe füreinander.

Ihr seid also alles andere als frauenfeindlich und redet ausschließlich sehr positiv über Frauen. Kann man das so zusammenfassen?

 
Daniel Lintner: Wir sind voll für Frauen. In dem Interview, das wir vor kurzem der ff gegeben haben, wurde beispielsweise nicht geschrieben, dass Frauen bei mir sogar eher höhergestellt sind.

Emil Kola: Wir haben eine Stunde lang darüber geredet. Ich habe sogar gesagt, dass eine Frau für mich mehr wert sein kann als ein Mann. Wir sind für unsere Frauen in den Krieg gegangen und wir arbeiten für unsere Frauen.

Wir trainieren, damit sich die Frau beschützt und wohlfühlt und keinen Stress hat. Sie soll entspannt durch die Stadt gehen können.

Daniel Lintner: Alles, was ich mache, dient im Hintergrund auch dazu, ein besserer Mann für meine Kinder und für meine Frau zu sein. Eine bessere Welt für sie zu schaffen.

Emil Kola:
Absolut. Alles, was wir machen, soll letztlich dafür sorgen, dass es den Frauen, die wir lieben, besser geht.

Dann kommen wir noch zur zentralen Botschaft an eure Community. Was wollt ihr mit eurem Content erreichen?

 
Daniel Lintner: Was ich mit meinem Content erreichen will – und auch der Grund, warum ich damit angefangen habe –, ist, meinem alten Ich zu helfen.

Ich habe früher selbst solche Videos angeschaut, wie ich sie teilweise produziere. Gerade wenn man 14 oder 15 Jahre alt ist, weiß man oft nicht genau, wo es im Leben hingeht. Man fühlt sich teilweise alleine und weiß nicht, an wen man sich wenden soll.

Viele haben die gleichen Probleme, trauen sich aber nicht, jemanden um Hilfe zu fragen. Andere wissen gar nicht, was sie tun sollen.

Deshalb möchte ich durch die Dinge, die ich selbst gelernt habe, jungen Männern in Südtirol helfen. Vor allem möchte ich einen positiven Einfluss haben – auch sportlich.

Die Leute sollen weniger Videospiele spielen, weniger am Handy herumscrollen und stattdessen mehr in die Welt hinausgehen, mehr erleben, etwas Sinnvolles machen und vor allem Sport betreiben.

Emil Kola: Mein Ziel ist, dass die Leute wirklich etwas aus unserem Content mitnehmen. Ich merke, dass viele junge Männer heutzutage nicht mehr wissen, was sie wollen. Sie wissen nicht mehr, wer sie sind oder was sie sein wollen.

Ich möchte jungen Leuten vermitteln, dass sie keine Angst haben müssen. Sie sollen sportlich werden. Sport ist für mich sehr wichtig.

Und ich möchte ihnen zeigen, was für mich ein echter Mann ist. Nicht das, was andere Leute als „echten Mann“ definieren, sondern einen Mann, der Respekt hat, anderen die Hand gibt, Augenkontakt hält und selbstbewusst auftritt. Ein Mann, der andere Menschen respektiert und von anderen respektiert wird.

Emil Kola: Und vor allem soll man nicht unsichtbar sein. Viele Männer haben heute keine Präsenz. Ich möchte, dass beispielsweise ein Zuschauer von mir, wenn er irgendwo auftaucht, sofort Präsenz hat: ein gutes Lächeln, einen guten Handschlag und einfach eine positive Ausstrahlung. Ein guter, respektvoller Mann.

Daniel Lintner: Und so jemand hat auch einen guten Einfluss auf die Welt. Viele Menschen sind heutzutage einfach faul und denken sich: „Mir ist alles egal, ich habe jetzt eine gute Zeit.“

Aber Zeiten können sich verändern. Ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, aber wenn die Zeiten einmal schlechter werden, möchte ich, dass man sich auf solche Menschen verlassen kann.

Emil Kola: Und vor allem sollen sie ihren Traum finden und ihn verfolgen. Egal, was es ist: Sport, Kunst, Musik – egal was. Sie sollen keine Angst haben.

Gibt es noch etwas, das ihr unbedingt loswerden wollt?

 
Emil Kola: Ich finde es eine Schande, dass wir vor kurzem mit der ff eine Stunde über Respekt und Liebe für Frauen geredet haben. Ich habe unzählige Male gesagt, dass Frauen für mich teilweise sogar über Männern stehen. Wir haben darüber gesprochen, dass Männer für Frauen arbeiten und Verantwortung übernehmen sollen.

Und davon steht dann anschließend im Artikel praktisch nichts. Stattdessen wird uns Frauenfeindlichkeit und toxische Männlichkeit vorgeworfen. Das hat mich wirklich enttäuscht.

Daniel Lintner: Was man nicht schreiben sollte, ist, dass wir frauenfeindlich sind.

Emil Kola: Wir haben ihnen fünfmal gesagt, dass sie mich nicht einfach mit Andrew Tate vergleichen sollen. Fünfmal! Wir haben die Aufnahme. Wir haben das ausdrücklich gesagt. Und dann wird es trotzdem so dargestellt.

Da habe ich gemerkt: So demokratisch, so meinungsfrei und so tolerant, wie sie sich darstellen, sind sie überhaupt nicht. Das war eine Schande. Ich war wirklich enttäuscht.

Daniel Lintner: Man kann irgendwann auch nicht mehr viel glauben, wenn Dinge so verdreht werden.

Emil Kola: Überleg einmal: Wir haben letzte Woche 800 Euro für die Kinderkrebshilfe gesammelt. Vor einem Monat haben wir 200 Euro gesammelt. Wir geben unseren Zuschauern so viel zurück. Wir haben unzählige Sportvideos gemacht, acht Stunden Armworkout, einen 24-Stunden-Spendenstream und vieles mehr.

Und dann sehen Leute, die uns nicht kennen, den Artikel und denken, wir seien irgendwelche schlechten Menschen. Was für einen Schaden richtet das an unserem Ruf an?

Vor allem ältere Menschen lesen solche Artikel. Wenn sie dann sehen, dass junge Männer so dargestellt werden, denken sie vielleicht: „Aha, so sind die Jungen heute.“ Das ist einfach eine komplette Verfälschung.

Daniel Lintner: Das kann im schlimmsten Fall auch den Arbeitsplatz kosten. Wenn die falschen Leute so etwas lesen, kann das einen enormen Rufschaden verursachen.

Emil Kola: Vor allem haben sie uns den Artikel vorher nicht gezeigt. Sie haben uns gesagt, es gehe um Männlichkeit. Wir haben gefragt: „Nicht um toxische Männlichkeit?“ Und sie haben gesagt: „Nein, keine Angst.“

Die haben uns komplett verarscht. Verarscht haben sie uns.

Dann haben sie uns in ein Café gezogen. Das Einzige, worüber sie gesprochen haben, war ein TikTok-Clip von mir, den ich vor fünf Monaten gemacht habe.

Daniel Lintner: In dem es darum ging, was du als Typ trinkst.

Emil Kola: Genau. Ich habe irgendeinen Espresso getrunken und gesagt: „Männlicher Espresso.“ Natürlich war das ein Spaß. Aber daraus dann so etwas zu machen – komplett verarscht, komplett für nichts. Das ist einfach eine Schande.

Daniel Lintner: Es ist einfach traurig. Wir haben uns die Zeit genommen und am Ende kommt so etwas dabei heraus.

Emil Kola: Sie haben schon einmal einen schlechten Artikel über uns gemacht. Der war eine komplette Katastrophe. Wir haben damals nichts gesagt. Und jetzt tun sie es wieder. Ich glaube, sie wollen nicht, dass wir weiterkommen.

Daniel Lintner:
Vielleicht traut sich dadurch irgendwann niemand mehr, etwas Ähnliches zu machen. Vielleicht denkt sich jemand: „Ich finde cool, was Emil oder Daniel machen. Vielleicht will ich auch etwas Gutes tun.“ Und dann sieht er, wie Zeitungen darüber schreiben, und verliert vielleicht die Motivation oder bekommt sogar Angst davor.

Emil Kola: Ja. Das ist wirklich eine Schande.

Vielen Dank für das Gespräch!

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