von ih 18.09.2026 19:20 Uhr

Bischof: Kirche lebt von gemeinsamer Verantwortung

Bischof Ivo Muser richtet den Blick auf die Zukunft der Pfarrgemeinden. Bei der Pastoraltagung in Bozen ruft er dazu auf, Verantwortung künftig stärker gemeinsam zu tragen.

Foto: Diözese Bozen-Brixen

Die Kirche in Südtirol steht vor Veränderungen. Bei der Pastoraltagung am Freitag hat Bischof Ivo Muser deshalb zu mehr gemeinsamer Verantwortung und aktiver Beteiligung in den Pfarrgemeinden aufgerufen. Anlass sind unter anderem die Pfarrgemeinderatswahlen am 25. Oktober und die geplante Einführung von Pastoralteams.

Im Mittelpunkt der Tagung stand das Thema „Liturgie – Quelle der Kraft“. Mit Blick auf kleiner werdende Gottesdienstgemeinden warnte Muser davor, vor allem über Strukturen und Organisation nachzudenken. Organisation könne kirchliches Leben zwar unterstützen, aber nicht selbst hervorbringen. Entscheidend sei, was den Glauben der Menschen stärke. Dabei unterstrich der Bischof die Bedeutung der Eucharistie und betonte zugleich, dass auch Wortgottesfeiern einen eigenständigen Wert hätten und nicht als bloßer Ersatz verstanden werden dürften.

Gottesdienste müssten so gestaltet sein, dass Menschen sie verstehen und innerlich mitfeiern können, sagte Muser. Von Priestern, Diakonen und anderen Verantwortlichen forderte er deshalb Weiterbildung, regelmäßige Reflexion und offenes Feedback.

Mehr Verantwortung auf mehrere Schultern

Die bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen seien für Muser mehr als eine organisatorische Erneuerung. Sie machten deutlich, dass kirchliches Leben vom Engagement vieler Menschen abhänge. Auch die geplanten Pastoralteams sollten dazu beitragen, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und unterschiedliche Fähigkeiten in den Gemeinden stärker einzubringen.

Gleichzeitig sprach Muser offen über die Zukunft der Pfarrstrukturen. Nicht alle Pfarreien könnten langfristig in ihrer heutigen rechtlichen und organisatorischen Form bestehen bleiben. Grund dafür seien tiefgreifende Veränderungen in Kirche und Gesellschaft. Einheitliche Lösungen von oben lehnte der Bischof jedoch ab. Die einzelnen Seelsorgeeinheiten müssten gemeinsam überlegen, welche Formen der Zusammenarbeit vor Ort funktionieren.

Auch die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und die Reform des Bischöflichen Ordinariats stellte Muser in den Zusammenhang mit der Erneuerung der Diözese. Das Projekt „Mut zum Hinsehen“ sei dabei kein zusätzliches Arbeitsfeld, sondern Teil des geistlichen Erneuerungsprozesses.

Zum Abschluss warb der Bischof dafür, die anstehenden Veränderungen nicht ausschließlich als Problem zu betrachten. Kirche erneuere sich dort, wo Menschen ihren Glauben miteinander teilen, aufeinander hören und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

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