von ih 17.09.2026 08:27 Uhr

Seltenes Gerinnsel bei Kind durch Forscher geklärt

Tiroler Mediziner haben bei einem Kind nach einer Adenovirus-Infektion eine seltene, daraus resultierende Blutgerinnungsstörung erkannt und gemeinsam mit Forschenden im deutschen Greifswald untersucht. In Innsbruck sei die ursprüngliche Diagnose widerlegt und dann der tatsächliche Ernst der Lage festgestellt worden, erklärte Thomas Müller von der Med Uni Innsbruck im APA-Gespräch. Der Bub ist wohlauf und sein Fall sollte bei medizinischen Verfahren beachtet werden.

APA/THEMENBILD

Das medizinisch sehr wertvolle Fallbeispiel sei jedenfalls gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universitätsmedizin in Greifswald, die als absolute Experten in diesem Gebiet gelten, aufgearbeitet worden.

Das entsprechende Forschungspapier wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht.

Erstautor mit entscheidender Idee

Für die richtige Diagnose und damit die Genesung des Buben, der vor der Infektion keinerlei gesundheitlichen Beschwerden aufwies, sei indes die Skepsis eines Kollegen in Innsbruck entscheidend gewesen. Mediziner und Erstautor Christian Irsara habe die zunächst naheliegende Diagnose aufgrund einer veränderten Blutgerinnung nochmals hinterfragt, erklärte Müller.

Ursprünglich war der Patient wegen Hauteinblutungen medizinisch untersucht worden. „Bei einer ersten Blutuntersuchung, die noch im Ausland stattgefunden hat, wurde eine verminderte Zahl an Blutplättchen festgestellt“, berichtete der Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Pädiatrie. Die entsprechende Diagnose sei zu diesem Zeitpunkt naheliegend gewesen. Im Zentrallabor in Innsbruck hätte das Team dann zusätzliche Untersuchungen, etwa eine Gerinnungsuntersuchung, vorgenommen. Anhand dieser zusätzlichen Tests sei man dann auf die richtige Spur gekommen, betonte Müller.

Gerinnungsmuster erinnerte an Covid-Zeit

Die Blutgerinnung sei auffällig gewesen und habe nicht zur ursprünglichen Diagnose gepasst, erklärte der Mediziner. „Wenn wir den Patienten nicht korrekt behandelt hätten, wären Thrombosen und möglicherweise sogar der Tod die Folge gewesen“, beschrieb er die damals kritische Situation.

Das Muster der Gerinnung habe Irsara offenbar an Patienten während der Covid-Zeit erinnert. „Die Impfung der Pharmaunternehmen AstraZeneca und Janssen hat bei gewissen Patienten Thrombosen im Hirn entwickelt“, erinnerte Müller. Das Muster der Blutgerinnung beim Bub habe offenbar sehr ähnlich ausgeschaut. Für die weitere wissenschaftliche Aufklärung hätte sich sein Team dann an die Universitätsmedizin Greifswald gewandt, erklärte Müller.

Seltene Kombination aus Adenovirus und Genetik

„Weltweit gibt es mehr als 100 verschiedene Typen von Adenoviren“, betonte indes Andrea Griesmacher, Leiterin des Zentrallabors der Uniklinik Innsbruck. Zu einer Infektion komme es daher insgesamt recht häufig, vor allem im Sommer. Bei dem Tiroler Patienten sei jedenfalls eine natürliche Adenovirus-Infektion vorausgegangen, sagte sie. Er habe zudem niemals eine adenovirusbasierte oder andere Covid-Impfung in seinem Leben erhalten.

„Bei einer sehr seltenen Kombination aus Genetik und einem bestimmten Adenovirus-Typ können durch die Infektion spezielle Antikörper entstehen, die auch Prozesse der Blutgerinnung beeinflussen“, erklärte die Labormedizinerin. Dabei müssten jedoch mehrere Faktoren zusammenspielen, darunter auch eine individuelle genetische Veranlagung. „Der Fall, wie wir ihn bei diesem Patienten hatten, ist wesentlich seltener als ein Lotto-Sechser“, betonte Griesmacher.

Diagnose rettete junges Leben

Das sofortige Erkennen des ungewöhnlichen Gerinnungsmusters und die darauf aufbauende richtige Diagnose hätten den Patienten jedenfalls gerettet, betonte Müller. Der Bub hätte vermutlich „schwerste Thrombosen“ bekommen, die lebensbedrohlich sein und auch zum Tod führen können. „Ohne die richtige Diagnose in Innsbruck hätten das auch die Greifswalder Kolleginnen und Kollegen nicht in die Hand bekommen“, war sich der Mediziner sicher.

Durch die erfolgreiche Therapie sei es nun jedenfalls gelungen, den Bereich des Eiweißmoleküls des Adenovirus, der für diese ungewöhnliche Antikörperreaktion relevant ist, noch genauer einzugrenzen. Der Bereich sei zwar bereits ungefähr bekannt gewesen, man könne diesen nun aber noch genauer eingrenzen, unterstrich der Mediziner.

Weiterentwicklung medizinischer Verfahren

Die Erkenntnisse könnten dementsprechend für die Weiterentwicklung von Impfstoffen oder anderen medizinischen Verfahren von Bedeutung sein, bei denen Viren oder Virusbestandteile als Vektoren verwendet werden, sagte Griesmacher. „Bei Impfungen wird man künftig den identifizierten bzw. besser eingegrenzten Teil des entsprechenden Proteins verhindern.“ Für die klinische Praxis bedeute der Fall zunächst vor allem, bei vergleichbaren Fällen besonders aufmerksam zu sein.

„Niedrige Blutplättchen müssen gemeinsam mit weiteren Gerinnungswerten beurteilt werden“, meinte die Forscherin. Vergleichbare Reaktionen seien äußerst selten und dürften nur auftreten, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenträfen. Der Patient habe sich nach der korrekten Diagnose sowie entsprechender Behandlung jedenfalls ausgezeichnet erholt.

apa

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