von lif 16.09.2026 11:35 Uhr

Kläranlagen: Robin fordert Kostenbeteiligung des Tourismus

Südtirols Kläranlagen kommen in der Hochsaison an ihre Grenzen, der Ausbau kostet Millionen. Der Verbraucherschutzverein Robin will nicht, dass die Allgemeinheit dafür aufkommt.

Kläranlage Brixen (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz/Nadia Franzoi)

Die von Eco Center präsentierten Zahlen sind für Robin ein Weckruf: Drei Anlagen müssen für insgesamt 56,2 Millionen Euro ausgebaut werden, weil sie vor allem in der touristischen Hochsaison an ihre Belastungsgrenzen kommen. In Gröden soll die Kapazität der Kläranlage Pontives von 78.000 auf 125.000 Einwohnergleichwerte steigen, bei einer Bevölkerung von nur rund 10.000 Menschen.

Gröden sei kein Einzelfall. Die Kläranlage Sinich wurde kürzlich für 26,5 Millionen Euro erweitert. Obwohl im Einzugsgebiet in 15 Gemeinden nur etwas mehr als 90.000 Menschen leben, verfügt sie über eine Kapazität von 619.000 Einwohnergleichwerten. Insgesamt stehen damit rund 92 Millionen Euro für den Ausbau der Abwasserinfrastruktur im Raum. „Die Einwohnerzahlen bleiben weitgehend stabil, während die Belastung der Infrastruktur in den touristischen Spitzenzeiten massiv steigt“, stellt Robin fest. In Gröden erreiche der Wasserverbrauch laut Eco Center Größenordnungen einer Großstadt.

Rückendeckung für Dal Medico und Corrarati

Robin unterstützt ausdrücklich die Forderungen von Eco-Center-Präsident Dario Dal Medico und Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati nach einer stärkeren finanziellen Beteiligung des Tourismus. Dal Medico führt die notwendigen Erweiterungen in Gröden und im Passeiertal auf den Tourismus, steigende Hotelzahlen sowie größere Wellnessanlagen und Schwimmbäder zurück.

„Wer den Tourismus immer weiter ausbauen will, muss auch ehrlich sagen, was dieser Ausbau kostet“, sagt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. „Wenn Hotels, Wellnessanlagen und Schwimmbäder in der Hochsaison Kläranlagen an ihre Grenzen bringen, kann die Lösung nicht darin bestehen, dass die Allgemeinheit die Millioneninvestitionen bezahlt.“ Man gehe aber noch einen Schritt weiter als Dal Medico und Corrarati: Das Verursacherprinzip müsse nicht nur beim Betrieb einer Kläranlage gelten, sondern auch bei ihrer Finanzierung. „Sonst privatisieren wir die Gewinne und sozialisieren die Kosten.“

Verweis auf Gesetz und EU-Recht

Der Verein beruft sich auf das italienische Umweltgesetz, das bei der Finanzierung des integrierten Wasserdienstes die volle Kostendeckung nach dem Prinzip „wer verschmutzt, bezahlt“ verlangt. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie sehe eine angemessene Beteiligung der verschiedenen Wassernutzungen vor. Gefordert wird eine transparente Kostenrechnung: Wie viel Kapazität benötigt die Wohnbevölkerung, wie viel die touristische Nutzung? Es reiche nicht, einen Teil der Ortstaxe umzuwidmen, diese dürfe „nicht zum Feigenblatt werden“.

Robin kündigt zudem an zu prüfen, ob durch die öffentliche Finanzierung touristisch bedingter Infrastrukturkosten wirtschaftliche Vorteile für den Tourismussektor entstehen. Sollte sich der Verdacht einer unzulässigen Beihilfe erhärten, will der Verein eine Eingabe bei der Europäischen Kommission prüfen.

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