von wk 13.09.2026 12:53 Uhr

„Ich verneige mich vor ihm“: FPÖ würdigt Jörg Haider

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach Jörg Haiders Wahl zum FPÖ-Bundesparteiobmann erinnerte die Partei im Innsbrucker Congress an die politische Wende vom 13. September 1986. FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete diesen Tag als den „eigentlichen Geburtstag“ der heutigen FPÖ.

 

Jörg Haider starb am 11. Oktober 2008 im Alter von 58 Jahren bei einem schweren Autounfall in Köttmannsdorf bei Klagenfurt in Kärnten.(Bearbeitetes Foto: „Jörg Haider 04-09-2008“ von sugarmeloncom, lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0), Quelle: Wikimedia Commons)

Hohe Auszeichnung für Haider

Mehr als 1.000 Funktionäre, Sympathisanten und Gäste kamen am Samstag im Saal Tirol des Innsbrucker Congress zusammen. Dort hatte der damals 36-jährige Kärntner Landesrat und Landesparteiobmann Jörg Haider am 13. September 1986 österreichische Politikgeschichte geschrieben.

Bei einem dramatischen Parteitag setzte sich Haider kurz vor Mitternacht in einer Kampfabstimmung mit 57,7 Prozent der Delegiertenstimmen gegen den amtierenden FPÖ-Parteiobmann und Vizekanzler Norbert Steger durch.

Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Herbert Kickl Haiders Witwe Claudia die neu eingeführte „Goldene Verdienstmedaille“. Sie wurde Jörg Haider posthum verliehen.

„Für den Retter von Innsbruck“, erklärte Kickl. An Haider gerichtet sagte er: „Ich verneige mich vor ihm.“

Claudia Haider nahm die Auszeichnung sichtlich bewegt entgegen: „Ihr Applaus für meinen Mann. Mein Dank an Sie. Er hat’s verdient.“ Kickl würdigte sie als die „allergrößte und allerwertvollste Stütze des Jörg“ und dankte ihr für ihre Treue und ihr Lebenswerk.

  • APA/APA/EXPA/ JOHANN GRODER/EXPA/ JOHANN GRODER

„Geburtsstunde einer völlig neuen FPÖ“

In seiner mehr als einstündigen Rede bezeichnete Kickl den 13. September 1986 als den „eigentlichen Geburtstag“ der Partei. Damals sei die „Geburtsstunde einer völlig neuen FPÖ“ gewesen. Aus einer Partei sei eine Gesinnungsgemeinschaft und Bewegung geworden.

Kickl sprach von einer „historischen Wende“ und einer „politischen Revolution der Denkungsart“. Haider habe einen Kurs beendet, der die FPÖ nach seiner Darstellung im dauerhaften Zustand einer sterbenden liberalen Kleinpartei gehalten hätte.

Der Parteitag hatte unmittelbare politische Folgen: Bereits am nächsten Tag kündigte der damalige SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky die rot-blaue Koalition auf. Damit begann der mehr als 13 Jahre dauernde Aufstieg Haiders und seiner FPÖ in der Opposition.

Aus einer kleinen nationalliberalen Honoratiorenpartei mit rund vier Prozent wurde eine rechtspopulistische Massenbewegung mit annähernd 30 Prozent. Haider entwickelte sich zu einem politischen Popstar, der weit über Österreich und Europa hinaus Schlagzeilen machte.

Bruch mit der FPÖ und Gründung des BZÖ

Nach dem Eintritt der FPÖ in die schwarz-blaue Bundesregierung folgten heftige Turbulenzen und parteiinterne Konflikte. Im Jahr 2005 kam es schließlich zum Bruch: Haider gründete das BZÖ und trennte sich von der FPÖ.

2008 starb der damalige Kärntner Landeshauptmann bei einem Autounfall.

Trotz der späteren Trennung stellte Kickl nun Haiders politische Bedeutung für die FPÖ in den Mittelpunkt. Dessen Übernahme der Partei sei die „Geburtsstunde des Rechtspopulismus“ in Österreich und darüber hinaus gewesen – für Kickl ausdrücklich im positiven Sinne.

„Er war der Erfinder und Prototyp“, sagte der FPÖ-Chef. „Danach war alles anders. Es war ein Einzelner, der den Lauf der Geschichte entscheidend verändert hat.“

Kickl selbst hatte 1995 als Mitarbeiter in der Parteiakademie begonnen und später unter anderem an Reden Haiders mitgearbeitet.

Haiders Erbe als politischer Auftrag

Die Erinnerung an Innsbruck dürfe nach Ansicht Kickls nicht nur als Denkmal verstanden werden. Vielmehr sei sie ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft.

„Wir ehren Jörg Haider dadurch, dass wir in seinem Geist über uns hinauswachsen. Wir vollenden, was ihm verwehrt geblieben ist“, erklärte Kickl. Die heutige Partei fuße auf jener „völlig neuen FPÖ“, die Haider 1986 begründet habe.

Haiders politisches Vermächtnis sei nicht das „Arrangieren“, sondern das „Überwinden“ des bestehenden Herrschaftssystems. Immer dann, wenn die FPÖ diesen Schwerpunkt verloren habe, seien „Skandale, Krisen und schwere Niederlagen passiert“, erklärte Kickl. „Denkt darüber nach“, rief er den Anwesenden zu.

Dies blieb zugleich die einzige erkennbare Anspielung auf jene Konflikte und Verwerfungen, die zeitweise auch das Verhältnis zwischen Kickl und Haider geprägt hatten.

Kickl nimmt Wahl 2029 ins Visier

Damals wie heute werde die FPÖ nach Ansicht Kickls mit Denunziationen und Verleumdungen durch das „System“ konfrontiert. Als Beispiel nannte er das frühere Volksbegehren „Österreich zuerst“.

Ähnlich verhalte es sich heute mit dem Begriff Remigration: „Es wird uns etwas in den Mund gelegt. Remigration ist nur die Antwort auf die Migration, die illegale Massenzuwanderung.“

Die FPÖ stehe vor der historischen Aufgabe, die von Kickl als „wahre Gefährder der Demokratie“ bezeichneten Kräfte zu besiegen. Diese wollten aus Gründen des Machterhalts dauerhaft in ihren Strukturen verbleiben. Dem wolle die FPÖ ein Modell der Freiheit in allen Lebensbereichen entgegenstellen.

Bei der Nationalratswahl 2029 seien mehr als 40 Prozent möglich, zeigte sich Kickl überzeugt. Zum Abschluss seiner Rede nahm er die Gäste auf eine bildliche Reise in ein Land voller Freiheit und Sicherheit mit, in dem es sich wieder zu leben lohne.

„Urknall der europäischen Politik“

Vor Kickl hatten Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger, der Verleger und Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“, Roger Köppel, sowie der frühere steirische FPÖ-Obmann Gerhard Kurzmann gesprochen.

Abwerzger bezeichnete den 13. September 1986 als einen Tag, an dem „politische Geschichte geschrieben“ worden sei. Er selbst habe sich vor allem wegen Jörg Haider politisch zu engagieren begonnen.

Köppel nannte Haiders Aufstieg den „Urknall der europäischen Politik“. „Es war ein Erdbeben, dessen Erschütterungen bis heute noch spürbar sind“, sagte er. Haider sei ein „Wilhelm Tell der Neuzeit in der österreichischen Variante“ gewesen.

Kurzmann, der Haider bereits 1986 unterstützt hatte, erinnerte an die Vorgeschichte des Parteitages und dessen dramatischen, 14 Stunden dauernden Verlauf. Er berichtete auch von den vergeblichen Versuchen Stegers, mit dem damaligen FPÖ-Verteidigungsminister Helmut Krünes als Kompromisskandidaten das Ruder noch herumzureißen.

Tradition statt lauter Parteishow

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Aufbruch zur Spitze – 40 Jahre Wahl von Dr. Jörg Haider zum Partei- und Klubobmann der FPÖ“. Der Ablauf unterschied sich von den FPÖ-Großveranstaltungen der vergangenen Jahre.

Auf die „John Otti Band“, Hymnen und allzu lautes Getöse wurde verzichtet. Stattdessen setzte die Partei auf Volksmusik, Tradition und einen bewusst bodenständigen Rahmen. Der Bühnenaufbau war nach Angaben Kickls jenem von vor 40 Jahren nachempfunden.

Gezeigt wurden außerdem ein kurzer Film über die Haider-Jahre und ein daran anschließender Beitrag über die bisherige Ära Kickl.

Zahlreiche FPÖ-Größen in Innsbruck

Unter den Gästen befanden sich zahlreiche bekannte freiheitliche Vertreter. Gekommen waren unter anderem Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek, Niederösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Udo Landbauer, Vorarlbergs FPÖ-Chef Christof Bitschi sowie die beiden Generalsekretäre Christian Hafenecker und Michael Schnedlitz.

Auch frühere enge Weggefährten Haiders nahmen an der Feier teil. Dazu gehörten ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler, einst FPÖ-Generalsekretär, Klubobmann und Mitglied von Haiders sogenannter „Buberlpartie“, sowie der frühere Volksanwalt und Klubobmann Ewald Stadler. Ebenfalls anwesend waren die Kärntner Brüder Uwe und Kurt Scheuch.

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