von Alexander Wurzer 09.09.2026 09:23 Uhr

Antifa Meran: Moralwächter im Schatten der US-Terrorliste

Die Antifa Meran fordert die Ausladung eines politischen Gastes in Tramin. Ausgerechnet der Betreiber ihrer Blogplattform steht auf der US-Terror-Sanktionsliste. Hinzu kommt ein Text, in dem die Gruppe gewalttätige Übergriffe als „Botschaften“ rechtfertigt. Ihr Anspruch auf moralische Überlegenheit hält dem Blick auf die eigenen Veröffentlichungen nicht stand.

Bild: Facebook/Antifa Meran

Anlass ist der für Samstag, 12. September, angekündigte Auftritt von Jean-Pascal Hohm beim Landesjugendtreffen der Süd-Tiroler Freiheit. Gegen die Einladung des Vorsitzenden der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ richtet sich ein Appell, den auch Antifa Meran unterstützt. Gefordert werden Hohms Ausladung und die Verweigerung öffentlicher Räume für Veranstaltungen mit rechtsextremen Akteuren.

Während die Gruppe damit die politischen Verbindungen eines eingeladenen Redners zum öffentlichen Thema macht, führt ihre eigene Internetadresse zu Noblogs. Aufgebaut und betrieben wurde diese Plattform vom italienischen Kollektiv Autistici/Inventati. Genau dieses hat die US-Sanktionsbehörde OFAC am 26. August 2026 als „Specially Designated Global Terrorist“ gelistet.

Was Washington dem Betreiber vorwirft

Die Vorwürfe sind konkret: Nach Darstellung des US-Finanzministeriums stellt Autistici/Inventati gewaltbereiten linksextremen Gruppen digitale Infrastruktur zur Verfügung – darunter Internetseiten, verschlüsselte Kommunikation und die Dienste von Noblogs. Als Empfängerin von Leistungen nennt Washington ausdrücklich auch die PKK. Der Betreiber weist die Anschuldigungen zurück und beruft sich auf den Schutz freier Kommunikation.

Unter antifameran.noblogs.org war der Meraner Blog zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels weiterhin erreichbar – obwohl bereits am 6. September über die Einstellung der Aktivitäten des Betreibers berichtet worden war.

Zugang nach politischer Übereinstimmung

Was diese Plattformwahl politisch bedeutet, lässt sich den Regeln des Anbieters entnehmen. Autistici/Inventati versteht seine Infrastruktur ausdrücklich als politisches Projekt: Antragsteller sollen schriftlich erklären, wie ihr Vorhaben zu den Grundsätzen des Kollektivs passt. Die Prüfung erfolgt persönlich, bei fehlender Übereinstimmung wird abgelehnt.

Die Nutzung dieser Dienste macht Antifa Meran weder zur Terrororganisation noch zur Mitverantwortlichen für mutmaßliche Taten ihres Anbieters. Die Sanktion richtet sich gegen Autistici/Inventati. Dennoch bleibt eine politische Frage: Wie bewertet die Meraner Gruppe die schweren Vorwürfe gegen ein Kollektiv, dessen ausdrücklich politisch ausgerichtete Infrastruktur sie für ihre Öffentlichkeitsarbeit genutzt hat? Eine begründete Antwort sollte sie sich ebenso abverlangen wie ihren Gegnern.

Die eigenen Maßstäbe gelten auch für die Antifa

Das betrifft auch die Mitunterzeichner des Traminer Appells. Vereine müssen nicht jede Ansicht ihrer Mitstreiter teilen. Sie sollten aber erklären können, welche Maßstäbe sie an diese anlegen. Wer Hohms politische Verbindungen zum Anlass nimmt, seine Ausladung zu verlangen, sollte auch die Frage nach dem sanktionierten Betreiber des Meraner Antifa-Blogs ernst nehmen. Kritische Prüfung darf nicht dort enden, wo das eigene Bündnis beginnt.

Der deutlichere Widerspruch steht allerdings im Blog selbst. Unter der Überschrift „Lina E. – Zwei Fäuste für die Freiheit“ erklärte Antifa Meran 2021 über Hausbesuche, Schlägereien und Sachbeschädigungen gegen Rechtsextreme, diese „zielen nicht gegen die Personen, sondern sind Botschaften an die Neonazi-Szene“. Zugleich verlangte sie Lina E.s Freilassung. Damals lief das Verfahren noch. Ihre spätere Verurteilung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ist seit März 2025 rechtskräftig.

Diese Argumentation rechtfertigt politische Gewalt: Schläge werden als Mittel dargestellt, um politische Gegner einzuschüchtern und zurückzudrängen. Die Bezeichnung als „Botschaften“ beschönigt, was den Betroffenen angetan wird. Ausgerechnet eine Gruppe, die so argumentiert hat, tritt nun in Tramin mit dem Anspruch auf, anderen die demokratische Eignung für eine öffentliche Bühne abzusprechen.

Jean-Pascal Hohm ist ein demokratisch gewählter Abgeordneter des Brandenburger Landtags. Seinen Wahlkreis gewann er direkt. Die Junge Süd-Tiroler Freiheit hat ihn nach Tramin eingeladen. Die Teilnehmer können sich selbst ein Urteil über ihn bilden. Eine politische Absolution aus Meran brauchen weder die Gastgeber noch ihre Gäste. Der Anspruch, demokratische Werte zu verteidigen, verleiht der Antifa kein Vetorecht über die Veranstaltungen anderer.

Angesichts der US-Sanktionen gegen ihren Plattformbetreiber und ihrer eigenen Rechtfertigung politischer Gewalt hat Antifa Meran massiven Erklärungsbedarf. Ihr Anspruch, sich in Tramin als politische Platzanweiserin aufzuspielen, wirkt vor diesem Hintergrund besonders anmaßend. Bleibt für das Wochenende zu hoffen, dass alles friedlich verläuft und niemand eingeschüchtert oder angegriffen wird. Wer Gewalt als politisches Mittel rechtfertigt, trägt Verantwortung für diese Botschaft. „Fäuste für die Freiheit“ gehören jedenfalls nicht auf die Straßen von Tramin.

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