Zwei Drittel leiden im Job unter Hitze

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat von Juni bis Ende August 3.978 Menschen aus praktisch allen Branchen befragt. Das Ergebnis: 41 Prozent der Beschäftigten waren fast täglich von Hitze am Arbeitsplatz betroffen, weitere 26 Prozent oft und nur 18 Prozent manchmal.
Eine ergänzende Erhebung unter 500 Betriebsratsvorsitzenden zeigt, wie unterschiedlich sich die Hitze auswirkt. Im Handel ist von Kreislaufbeschwerden und erhöhter Unfallgefahr die Rede. Im Sozial- und Gesundheitsbereich steigt bei Hitze die Aggressivität von Klienten, oft herrschen zudem schwierige Bedingungen in schlecht isolierten Räumen. In der Industrie sinkt die Produktivität, auch dort steigt die Unfallgefahr. Am wenigsten belastet sind Beschäftigte bei Banken und Versicherungen im Innendienst.
Forderung nach Hitzepausen
Die Betriebsräte fordern arbeitsrechtliche Ansprüche auf Hitzefrei beziehungsweise Hitzepausen zum Trinken und Abkühlen, ähnlich der Bildschirmpause. Dazu kommen technische Maßnahmen wie Klimaanlagen, Kühlwesten und Beschattungen. Organisatorisch könnten Arbeitszeiten angepasst, die Sollarbeitszeit bei Hitze reduziert und Kleidungsvorschriften gelockert werden. Finanziell geht es um Erschwernis- und Hitzezulagen. Die Hitzeschutzverordnung soll zudem auf Innenräume ausgeweitet werden.
Baugewerkschaft will strengere Regeln
Am weitesten gehen die Forderungen der Baugewerkschaft GBH. Derzeit gibt es ab 32,5 Grad im Schatten freiwilliges Hitzefrei vom Arbeitgeber. Der Gewerkschaft wurden aber Fälle gemeldet, in denen Beschäftigte bereits um 5 Uhr begannen und trotzdem bis in den späten Nachmittag arbeiten mussten, in Einzelfällen sogar bis zu 16 Stunden.
„Gesundheit muss Vorrang vor Bauzeit und Fertigstellungstermin haben“, so GBH-Chef Josef Muchitsch. Ab 30 Grad soll eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden gelten, ab 32,5 Grad von sieben Stunden, ab 35 Grad fordert die Gewerkschaft einen Rechtsanspruch auf Hitzefrei. Betriebe, die ihre Beschäftigten schützen, dürften dadurch keinen wirtschaftlichen Nachteil haben, Vertragsstrafen wegen hitzebedingter Verzögerungen müssten ausgeschlossen werden.
Muchitsch drängt auf Tempo: „Wenn im Sommer 2027 die nächste extreme Hitze da ist, ist es zu spät, über neue Regeln zu diskutieren.“






