Kompatscher bezeichnet Autonomie als Erfolgsmodell

In Meran stand am Samstag ein historisches Abkommen im Mittelpunkt. Im Kursaal erinnern Italien und Österreich gemeinsam mit Südtirol an den 80. Jahrestag des Gruber-De-Gasperi-Abkommens von 1946. Zu den Gästen zählen Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen.
In seiner Ansprache bezeichnete Landeshauptmann Arno Kompatscher den Pariser Vertrag als wichtigen Grundstein für die heutige Südtiroler Autonomie. Das Abkommen sei jedoch von vielen als Enttäuschung empfunden worden, da die erhoffte Rückkehr Südtirols zu Österreich ausblieb. Es folgten politische Konflikte, die Befassung der Vereinten Nationen und langwierige Verhandlungen. Daraus entstanden schließlich das Südtirol-Paket von 1969 und das zweite Autonomiestatut.
Der Vertrag habe zugleich wichtige Grundlagen für den Schutz der deutschen und italienischen Sprachgruppe geschaffen. Dazu gehören unter anderem muttersprachlicher Unterricht, die Gleichstellung der deutschen und italienischen Sprache sowie der gleichberechtigte Zugang zu öffentlichen Ämtern. Auch eigene Gesetzgebungs- und Verwaltungsbefugnisse wurden verankert.
Heute hätten diese Instrumente ihre Wirkung entfaltet und allen drei Sprachgruppen Sicherheit gegeben, behauptet Kompatscher. Die Autonomie habe zudem wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols beigetragen. Sie bedeute aber auch Verantwortung.
Für die Zukunft sieht Kompatscher die Aufgabe darin, die Autonomie weiterzuentwickeln und abzusichern. Sie solle Identitäten schützen und gleichzeitig die Chancen der sprachlichen und kulturellen Vielfalt nutzen. Auch die europäische Zusammenarbeit spiele dabei eine wichtige Rolle. In der Europaregion Tirol könne ein „kleines Europa in Europa“ entstehen.
Der Landeshauptmann verwies zudem auf die Bedeutung von Kompromissen, Rechtsstaatlichkeit, Völkerrecht und Diplomatie. Der heutige Erfolg sei nicht selbstverständlich gewesen, sondern das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen und des politischen Willens zu einer friedlichen Lösung. Für die Zukunft wünschte er sich ein Südtirol, das seinen Traditionen verbunden bleibt, zugleich aber weltoffen, europäisch und mehrsprachig ist.






