von mmh 05.09.2026 14:00 Uhr

Tag der Autonomie: Ein Feiertag der Politik , und ein Fragezeichen im Herzen Südtirols

Zum Tag der Autonomie richtet Christian Steger, Hauptmann der Schützenkompanie St. Johann in Ahrn, einen kritischen Blick auf den bisherigen Weg Südtirols. Für ihn ist die Autonomie ein wichtiger historischer Schritt – zugleich stellt er die Frage, ob sie tatsächlich das Ziel war, das Südtirol erreichen wollte.

Steger Christian, Hauptmann Schützenkompanie St. Johann in Ahrn

Unter dem Titel „Tag der Autonomie: Ein Feiertag der Politik , und ein Fragezeichen im Herzen Südtirols“ beschäftigt sich Steger mit der Geschichte und Zukunft Südtirols. Über hundert Jahre sei das Land immer wieder „zum Brunnen gegangen“ – mit Mut, Würde und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Gebrochen sei der Krug dabei nicht, sondern vielmehr härter geworden.

Für Steger steht dieses Bild sinnbildlich für ein Südtirol, das sich nicht beugen lasse. Der Tag der Autonomie sei gleichzeitig ein Anlass, auf das Erreichte zurückzublicken. Die Politik könne dabei auf ein Modell verweisen, das international Beachtung finde, auf ein Statut zum Schutz von Minderheiten und auf ein System, das Stabilität garantiere.

„Ist Autonomie wirklich das Ideal?“

Gleichzeitig wirft Steger eine grundsätzliche Frage auf: „Ist Autonomie wirklich das Ideal, das Südtirol wollte?“

Seiner Ansicht nach habe Südtirol nie darum gebeten, lediglich teilweise selbst zu bestimmen. Es sei vielmehr darum gegangen, über Sprache, Kultur, Zukunft und das eigene Schicksal selbst zu entscheiden.

Die Autonomie bezeichnet Steger dennoch als einen „großen“, „notwendigen“ und „historischen“ Schritt. Ob sie aber tatsächlich das angestrebte Ziel gewesen sei, lässt er offen. Für ihn besteht auch die Möglichkeit, dass sie der bestmögliche Kompromiss in einer Zeit gewesen sei, in der weitergehende Vorstellungen nicht erreichbar waren.

Stolz und Sehnsucht zugleich

Am Tag der Autonomie nehme Steger deshalb zwei Seiten wahr: Stolz und Sehnsucht, Dankbarkeit und Unruhe sowie Erreichtes und Unerreichtes.

Dabei richtet sich sein Blick nicht ausschließlich zurück. Er betont, dass der Südtiroler Stolz auch mit der Zukunft verbunden sei. Der Weg sei aus seiner Sicht noch nicht zu Ende.

Steger sieht in einer weitergehenden Form der Selbstbestimmung etwas, das über die Autonomie hinausgehe. Es gehe um etwas „Vollständigeres“, das nicht nur verwalte, sondern frei mache und nicht begrenze, sondern öffne.

„Der Weg muss weitergehen“

Die Politik könne den Tag der Autonomie feiern, schreibt Steger. Schließlich sei die Autonomie auch deren Werk, Erfolg und Kapitel. Ob die Menschen im südlichen Tirol diesen Tag tatsächlich in gleicher Weise feiern, bleibe für ihn hingegen offen.

Sein Verständnis von Stolz beschränkt sich dabei nicht auf den Blick in die Vergangenheit. „Stolz ist Richtung. Stolz ist Zukunft“, schreibt Steger. Für ihn liegt darin die Überzeugung, dass der eingeschlagene Weg noch nicht abgeschlossen ist.

Der Beitrag wurde von Christian Steger, Hauptmann der Schützenkompanie St. Johann in Ahrn, zum Tag der Autonomie verfasst.

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