Corona-Berichterstattung sorgt weiter für Streit

Auslöser ist eine Aussage des Koordinators von RAI Südtirol, Zeno von Braitenberg, in der Tagesschau vom 2. September. Von Braitenberg erklärte dort, der Sender habe während der Pandemie darauf geachtet, Experten mit entsprechender Ausbildung zu Wort kommen zu lassen. Gleichzeitig hätten sogenannte Nicht-Experten mit „unfundierten Empfindungen“ über soziale Medien für Verunsicherung gesorgt. Deshalb habe RAI Südtirol verstärkt auf verfügbare „fundierte Quellen“ gesetzt.
Holzeisen bezeichnet diese Darstellung als „äußerst befremdlich“ und zeigt sich enttäuscht. Aus ihrer Sicht werde damit die Kritik, die im Untersuchungsausschuss an der Corona-Berichterstattung von RAI Südtirol geäußert worden sei, nicht ausreichend aufgearbeitet.
Streit um die Auswahl der Experten
Im Mittelpunkt von Holzeisens Kritik steht unter anderem der Mediziner Bernd Gänsbacher. Im Untersuchungsausschuss sei die Frage aufgeworfen worden, warum dessen Einschätzungen zur Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfstoffe bei RAI Südtirol wiederholt und aus ihrer Sicht ohne ausreichenden Gegenpol präsentiert worden seien.
Holzeisen verweist dabei auf verschiedene Wissenschaftler und Ärzte, die ihrer Ansicht nach während der Pandemie zu wenig Gehör gefunden hätten. Genannt werden unter anderem der Nobelpreisträger Luc Montagnier, der Mediziner und Epidemiologe John Ioannidis sowie die Initiatoren der Great Barrington Declaration.
Auch europäische Experten wie Andreas Sönnichsen, Martin Sprenger und Wolfgang Wodarg führt Holzeisen in ihrer Stellungnahme an. Sie kritisiert, dass diese Stimmen beziehungsweise deren Positionen aus ihrer Sicht in der damaligen Berichterstattung nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
Auch in Südtirol habe es Ärzte und andere Angehörige der Gesundheitsberufe gegeben, die öffentlich Kritik an Aussagen Gänsbachers geäußert hätten. Diese hätten ihre Positionen nach Holzeisens Darstellung vor allem über soziale Medien verbreiten können.
Holzeisen spricht von fehlender Aufarbeitung
Besonders scharf fällt Holzeisens Reaktion auf die Bezeichnung solcher Stimmen als „Nichtexperten“ aus. Dass von Braitenberg auch heute noch von „unfundierten Empfindungen“ spreche, sei für sie „schlichtweg erschütternd“.
Holzeisen wirft RAI Südtirol vor, während der Pandemie keinen ausreichenden Gegenpol geschaffen und nicht umfassend genug recherchiert zu haben. Als Beispiel nennt sie die offiziellen Zulassungsdokumente der Corona-Impfstoffe, die ihrer Ansicht nach stärker hätten berücksichtigt werden müssen.
Auch die Rolle Gänsbachers im Untersuchungsausschuss wird von Holzeisen angesprochen. Sie verweist darauf, dass dieser eine Einladung zur Anhörung nicht angenommen habe. Aus ihrer Sicht wäre er dort mit früheren Aussagen und entgegenstehenden Informationen aus institutionellen Dokumenten konfrontiert worden.
RAI Südtirol weist politisches Diktat zurück
Die Aussagen von Holzeisen stehen dabei einer anderen Darstellung aus der Anhörung gegenüber. RAI-Südtirol-Koordinator Zeno von Braitenberg betonte im Ausschuss, der Sender habe nach bestem Gewissen gearbeitet. Zugleich erklärte er, es habe zu keinem Zeitpunkt ein politisches Diktat gegeben. Die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bestehe darin, Positionen darzustellen und nicht zu kreieren.
Auch andere Medienvertreter räumten bei den Anhörungen Fehler in der damaligen Berichterstattung ein. Gleichzeitig wurde laut Ausschussvorsitzender Brigitte Foppa mehrfach betont, dass es keine Anweisungen „von oben“ gegeben habe.
Holzeisen sieht in der jüngsten Stellungnahme von RAI Südtirol dennoch ein Zeichen dafür, dass die notwendige Aufarbeitung der eigenen Corona-Berichterstattung aus ihrer Sicht noch nicht ausreichend begonnen habe.
Für die VITA-Abgeordnete wiegt dies besonders schwer, weil es sich bei RAI Südtirol um einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk handelt, der durch öffentliche Abgaben finanziert wird.






