von mmh 03.09.2026 06:54 Uhr

Freiheitlichen-Chef kritisiert Tiroler Merkheft scharf

Mit deutlichen Worten kritisiert der Landesparteiobmann der Freiheitlichen, Roland Stauder, das diesjährige „Tiroler Merkheft“ der Süd-Tiroler Freiheit. Während die Ausgaben der vergangenen Jahre aus seiner Sicht noch einen pädagogischen Wert gehabt hätten, sei dieser beim aktuellen Heft kaum mehr zu erkennen. Vor allem die Darstellung historischer Ereignisse gegenüber Kindern und Jugendlichen stößt bei Stauder auf Kritik.

Roland Stauder, Obmann der Freiheitlichen - Foto: Freiheitliche

„Ich bin nicht nur als Obmann der Freiheitlichen, sondern vor allem auch als Lehrperson erschüttert über die Art und Weise, wie hier unsere Geschichte an junge Menschen vermittelt werden soll“, erklärt Stauder. Geschichte müsse dargestellt werden, auch wenn es um dunkle, schmerzhafte und unbequeme Kapitel gehe. Gerade in Südtirol brauche es dabei jedoch Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein.

„Wir müssen aus unserer Geschichte lernen. Bei solchen Darstellungen habe ich hingegen den Eindruck, dass man gar nichts lehren, sondern vor allem emotionalisieren will“, so der Landesparteiobmann.

Kritik an Darstellung der „Feuernacht“

Stauder verweist in seiner Stellungnahme auch auf die Theateraufführung „Feuernacht“ in Telfs, die laut seinen Angaben auch Sven Knoll besucht habe. Dort sei ein schwieriges Kapitel der Südtiroler Geschichte schonungslos, aber zugleich differenziert aufgearbeitet worden.

„Genau das ist richtig. Geschichte darf nicht beschönigt werden. Sie darf aber ebenso wenig dazu missbraucht werden, alte Feindbilder in die Köpfe einer neuen Generation zu pflanzen“, sagt Stauder.

Für ihn steht zugleich fest, dass die Freiheitskämpfer rund um Sepp Kerschbaumer keine Terroristen gewesen seien. Stauder betont, dass ihm das Gedenken an jene Menschen wichtig sei, deren Einsatz wesentlich dazu beigetragen habe, dass Südtirol heute über seine Autonomie verfüge und die deutsche und ladinische Volksgruppe fortbestehen könne.

Gerade deshalb halte er es für falsch, diese Geschichte auf drastische Folterbilder und eine maximale Emotionalisierung zu reduzieren.

Kerschbaumer im Mittelpunkt

Auch der Persönlichkeit Sepp Kerschbaumers werde eine solche Darstellung laut Stauder nicht gerecht. Während seiner Haft habe sich Kerschbaumer intensiv mit der Zukunft Südtirols und letztlich auch mit der Möglichkeit einer Autonomielösung auseinandergesetzt.

„Ich bin überzeugt: Sepp Kerschbaumer hätte nicht gewollt, dass sein politischer Einsatz Jahrzehnte später auf Folterdarstellungen reduziert und Jugendlichen in dieser Form vermittelt wird“, erklärt Stauder.

Besonders kritisch sieht der Freiheitliche den Zeitpunkt der Kampagne. Diese werde aus seiner Sicht ausgerechnet wenige Tage vor dem 5. September, dem „Tag der Autonomie“, verbreitet.

Südtirol müsse sich seiner Geschichte bewusst sein. Weder die Entrechtung während des Faschismus noch die Unterdrückung, Folterungen und der Kampf um die eigenen Rechte dürften vergessen werden. Gleichzeitig dürfe Erinnerung nicht bedeuten, die Konflikte vergangener Generationen immer wieder auf die nächste Generation zu übertragen.

„Geschichtsunterricht soll zum Denken befähigen“

Als Lehrer sehe er die Aufgabe darin, jungen Menschen zu erklären, was geschehen sei, warum es geschehen sei und welche Konsequenzen daraus für die gemeinsame Zukunft gezogen werden könnten.

„Geschichtsunterricht soll zum eigenständigen Denken befähigen und nicht neue Ressentiments produzieren“, unterstreicht Stauder.

Die Freiheitlichen würden für einen selbstbewussten Umgang mit der Südtiroler Geschichte stehen, zugleich aber den Blick nach vorne richten. Stauder spricht sich für ein Südtirol aus, das seine deutsche, italienische und ladinische Identität respektiert und in dem die Volksgruppen auf Augenhöhe über ihre gemeinsame Zukunft sprechen können.

„Mit Denkmustern, die immer wieder nur alte Wunden aufreißen und gegenseitiges Misstrauen nähren, können wir kein zukunftsfähiges Südtirol aufbauen“, so Stauder.

Zum Abschluss richtet der Landesparteiobmann seine Kritik auch persönlich an Sven Knoll und die Süd-Tiroler Freiheit. Er komme zunehmend zur Überzeugung, dass es bei solchen Aktionen weniger darum gehe, jungen Menschen Geschichte näherzubringen, sondern vielmehr um Provokation und Eskalation.

„Wer eine bessere Zukunft für Südtirol anstrebt, muss unsere Geschichte kennen und zu ihr stehen – aber er darf nicht von den Konflikten der Vergangenheit leben.“

Stauder abschließend: „Als Freiheitlicher, als Patriot und nicht zuletzt als Lehrer wünsche ich mir, dass wir unseren Kindern die Geschichte Südtirols vollständig und ohne Beschönigung vermitteln. Aber wir sollten ihnen nicht den Hass vergangener Generationen vererben, sondern das Wissen und das Selbstbewusstsein mitgeben, es in Zukunft besser zu machen.“

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