Südtiroler Musiklegende: Tagung widmet sich Giorgio Moroder

Giorgio Moroder wird in seiner Heimat zum Gegenstand einer internationalen wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Unter dem Titel „Everybody calls me Giorgio: Moroder Across Media, Arts and Communication (ECMG26)“ findet von 10. bis 12. September eine internationale Konferenz an der Freien Universität Bozen statt.
Die Tagung wird sowohl am Campus Brixen als auch am Campus Bozen Zentrum abgehalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen nachhaltigen Einfluss Moroders Schaffen auf Musik, Medien und Kultur ausgeübt hat.
Vom Grödner Tal nach Hollywood
Der heute 86-jährige Moroder wurde in St. Ulrich geboren und wuchs als Angehöriger der ladinischen Sprachminderheit auf. Obwohl er keine formale musikalische Ausbildung absolvierte, gelang ihm der internationale Durchbruch – zunächst in Deutschland und später in den USA.
Als Produzent von Donna Summer und zahlreichen weiteren Künstlern, als Wegbereiter des Synthesizer-Sounds und als Komponist von Filmmusik schrieb Moroder Musikgeschichte. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen unter anderem die Soundtracks zu „Midnight Express“, „Flashdance“ und „Top Gun“.
Für sein Schaffen wurde der Südtiroler unter anderem mit drei Oscars und vier Grammys ausgezeichnet. Seine Musik ist auch Jahrzehnte später präsent: Kompositionen von Moroder werden gesampelt, neu interpretiert und in Film- sowie Fernsehproduktionen verwendet.
Seit Jänner 2026 trägt Moroder zudem den Titel „Senator honoris causa“ der Freien Universität Bozen. Seit Jahrzehnten lebt der Künstler in Los Angeles.
Wissenschaftlicher Blick auf Moroders Werk
Die Organisatoren Carlo Nardi und Ruth Videsott wollen Moroders Bedeutung aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven untersuchen. Dabei geht es nicht ausschließlich um seine Musik, sondern auch um deren gesellschaftliche und kulturelle Wirkung.
„Aus wissenschaftlicher Sicht eröffnet Moroders Werk vielfältige Perspektiven auf die Entwicklung und die gesellschaftlichen Funktionen der Popularmusik und der Filmmusik“, erklärt Carlo Nardi, Forscher an der unibz.
Die Konferenz soll einen interdisziplinären Austausch zwischen verschiedenen Forschungsbereichen ermöglichen. Behandelt werden unter anderem elektronische Tanzmusik, Musikproduktion, Filmmusik, Remix-Kulturen, Intermedialität und Moroders unternehmerisches Wirken.
Darüber hinaus beschäftigen sich die Teilnehmer mit soziolinguistischen, semiotischen sowie kultur- und zeithistorischen Fragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Identität von Künstlern aus sprachlichen Minderheiten, insbesondere aus der ladinischen Sprachgemeinschaft, sowie deren Darstellung und Veränderung in Migrationskontexten.
Organisiert wird die Tagung von den beiden Sektionen IASPM Italiana und IASPM D-A-CH der International Association for the Study of Popular Music. Forscher aus Europa, Nordamerika und Australien nehmen daran teil. Gleichzeitig sollen auch lokale Akteure eingebunden werden.
Synthesizer, Automatisierung und künstliche Kreativität
Zu den Hauptrednern zählen Ewa Mazierska von der University of Central Lancashire und Tavia Nyong’o von der Yale University.
Bei einer Podiumsdiskussion befassen sich Paul Harkins von der Edinburgh Napier University, Julin Lee von der Hochschule für Musik und Theater München sowie Maria Perevedentseva von der University of Salford mit der Rolle von Synthesizern. Dabei stehen unter anderem digitale Kultur, Automatisierung und verteilte Kreativität im Mittelpunkt.
Symposium „SOUNDS LIKE THE FUTURE“
Parallel zur Konferenz findet am Samstag, 12. September, am Campus Bozen Zentrum das Symposium „SOUNDS LIKE THE FUTURE“ statt. Unterstützt wird die Konferenz von der Abteilung Ladinische Bildungs- und Kulturverwaltung der Autonomen Provinz Bozen.
In Zusammenarbeit mit dem Transart Festival beschäftigt sich das Symposium ab 9.00 Uhr mit der Entwicklung des Verhältnisses zwischen Automatisierung und Kreativität. Ausgangspunkt ist dabei der Einfluss von Giorgio Moroders Werk.
Der Zugang zum Symposium ist den Tagungsteilnehmern sowie Gästen von Transart vorbehalten, die über eine Eintrittskarte für die Abendveranstaltung am 12. September bei Rothoblaas verfügen.






