Ab 1. September: Verhütungsmittel für junge Südtiroler kostenlos

Das Pilotprojekt wurde im Juni von der Landesregierung beschlossen und setzt eine Bestimmung des Landesgesetzes zu den Familienberatungsstellen aus dem Jahr 2025 um. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, selbstbestimmte Entscheidungen rund um Sexualität, Kinderwunsch und Verhütung zu treffen.
Zum kostenlosen Angebot gehören unter anderem die Antibabypille, Vaginalringe, Hormonpflaster, Spiralen, subkutane Implantate und Kondome. Jugendliche und junge Erwachsene aller Geschlechter erhalten die Verhütungsmittel nach ärztlichem Ermessen.
Voraussetzung ist eine verpflichtende Beratung. Falls notwendig, findet zusätzlich eine gynäkologische Untersuchung statt. Anschließend wird ein Verschreibungsblatt ausgestellt. Damit können die verordneten Verhütungsmittel innerhalb von 30 Tagen kostenlos in öffentlichen oder privaten vertragsgebundenen Apotheken bezogen werden. Kondome werden direkt von den Beratungsstellen ausgegeben.
Beratung soll eine wichtige Rolle spielen
Neben der kostenlosen Abgabe setzt das Projekt vor allem auf Information und Aufklärung. In den teilnehmenden Einrichtungen werden die Anspruchsberechtigten persönlich beraten und über verschiedene Verhütungsmethoden, deren richtige Anwendung sowie den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen informiert.
Gesundheitslandesrat Hubert Messner sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Gesundheitsförderung.
„Aufklärung, Beratung und ein einfacher Zugang zu Verhütungsmitteln sollen vor allem jungen Menschen helfen, eigenverantwortliche und informierte Entscheidungen zu treffen sowie Risiken zu verringern“, erklärt Messner. Damit solle die sexuelle und reproduktive Gesundheit gestärkt und ungewollten Schwangerschaften vorgebeugt werden.
ASTAT-Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen
Nach Angaben des Landesstatistikinstituts ASTAT wurden 2025 in Südtirol insgesamt 595 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Das waren 13,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Fast die Hälfte der betroffenen Frauen war zwischen 18 und 29 Jahre alt. Rund 24 Prozent hatten bereits früher einen Schwangerschaftsabbruch.
Das Gesundheitsressort verweist auf diese Zahlen, um die Bedeutung von niederschwelliger Information, persönlicher Beratung und einem einfachen Zugang zu wirksamen Verhütungsmitteln zu unterstreichen.
Start bei Beratungsstellen und Mädchenambulanzen
In der ersten Phase wird das Angebot bei den privat konventionierten Familienberatungsstellen sowie den Mädchenambulanzen in den Krankenhäusern Brixen, Sterzing und Innichen umgesetzt. Später soll das Pilotprojekt auch auf die öffentlichen Familienberatungsstellen des Südtiroler Sanitätsbetriebs ausgeweitet werden.
Für das erste Jahr stellt das Land rund 500.000 Euro zur Verfügung. Nach Abschluss der einjährigen Pilotphase sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. Fällt die Bilanz positiv aus, könnte das Angebot verlängert oder dauerhaft in das Leistungsangebot des Landes aufgenommen werden.






