Straßenpläne für Naturpark Texelgruppe sorgen für Aufregung

Die Alminteressentschaft Sprons, mehrere Besitzer von Almhütten sowie der Bürgermeister der Gemeinde Tirol, Christoph Pircher, drängen auf den Bau einer Fahrstraße durch das bislang naturbelassene Spronser Tal – von der Örtlichkeit „Farm“ hinter Longfall bis zur Bockerhütte beziehungsweise der Unteren Alm. Geplant ist die Trasse voraussichtlich in der üblichen Standardbreite von 3,5 Metern. Umwelt- und Heimatschutzvereine befürchten bei diesem rund 3,5 Kilometer langen Vorhaben im Naturpark Texelgruppe enorme Schäden an Landschaft und Ökosystem.
Begehung offenbart Ausmaß der Eingriffe
Organisiert von der Initiativgruppe „Pro Seilbahn“ aus Dorf Tirol, dem Heimatschutzverein Meran und AmUm MeranO fand im Rahmen der von der Alpenschutzkommission CIPRA getragenen Initiative „Alpen in Bewegung“ ein Lokalaugenschein statt. Die Teilnehmer konnten sich dabei ein genaues Bild von den geplanten Landschaftseingriffen machen und tauschten sich ausführlich mit Bürgermeister Pircher sowie fünf Bauern aus, die die gesamte Wanderung und die anschließende Diskussion begleiteten.
Johannes Ortner vom Heimatschutzverein Meran betont, dass die geplante Straße ein Herzstück des Wanderparadieses Texelgruppe durchschneiden und motorisiertem Verkehr verschiedenster Art Tür und Tor öffnen würde. Die Erhaltung der Almwirtschaft im Spronser Tal könne seiner Ansicht nach auch mit schonenderen Mitteln gelingen. Bei der Begehung sei den Teilnehmern deutlich geworden, welch gravierende Eingriffe die Straße mit sich bringen würde – etwa hohe berg- und talseitige Stützmauern sowie Lawinenschutzbauten in sehr steilem Gelände unterhalb der Bockerhütte. Da bereits 85 Prozent aller Südtiroler Almen mit Fahrstraßen erschlossen seien, sollten solche Projekte gerade im Naturpark unterbleiben.
Seilbahn als Alternative im Gespräch
Als praktikable Alternative bringen Hansjörg und Heinrich Vieider von der Initiativgruppe Pro Seilbahn die Modernisierung der bestehenden Materialseilbahn ins Spiel – eine Lösung ohne wesentliche Landschaftseingriffe. Diese sei sowohl aus finanziellen Gründen, etwa durch einen möglichen höheren Landesbeitrag, als auch aus Klimaschutzgründen bei Bau und Betrieb einer Straße vorzuziehen.
Ingrid Karlegger von AmUm MeranO weist zudem auf ein weiteres Risiko hin: Das Straßenbauprojekt würde in Quellhorizonte eingreifen und könnte damit die Trinkwasserversorgung sowohl von Dorf Tirol als auch von Teilen Merans gefährden.
Heimatpflegeverband fordert Offenlegung
Der Heimatpflegeverband Südtirol schließt sich den Bedenken der örtlichen Umwelt- und Heimatschutzvereine vollumfänglich an und fordert die Gemeinde Tirol auf, sämtliche Auswirkungen des Straßenprojekts sowie alle dahinterstehenden Interessen offenzulegen. Zudem sollen Nutzen und Kosten des Straßenbaus, der alternativ vorgeschlagenen Materialseilbahn sowie einer Beibehaltung des Status quo transparent gegenübergestellt werden. Das Spronser Tal müsse von einem derart einschneidenden Eingriff unbedingt verschont bleiben, unterstreicht der Verband.






