von mmh 31.08.2026 12:38 Uhr

Mehr als 900 Tote nach Sturzflut im Himalaya

Die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist in Nepal nach offiziellen Angaben auf mindestens 903 gestiegen. Mindestens 4.247 weitere Menschen würden vermisst, gab die Katastrophenschutzbehörde an. In der Region Tibet kamen nach Angaben chinesischer Staatsmedien vom Sonntag mindestens 16 Menschen ums Leben, 546 weitere Menschen würden dort vermisst. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten auf 919, insgesamt mindestens 4.793 Menschen werden demnach vermisst.

APA/AFP

Unter den Vermissten in Nepal sind 592 ausländische Staatsbürger. Dazu zählen nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt hatte am Freitag von einer „hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten“ gesprochen.

3.655 nepalesische Staatsbürger werden in Nepal vermisst. Im Bezirk Nuwakot stieg deren Zahl laut Angaben vom Montag sprunghaft auf 1.158. Am Sonntag hatten die Behörden noch von 115 Vermissten in dem Bezirk gesprochen. Im benachbarten Indien wurden im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh nach Behördenangaben 17 Leichen aus Flüssen geborgen, die im oberen Verlauf durch Nepal fließen.

Beisetzungen in Massengräbern

In Nepal werden die ersten Opfer der verheerenden Flutkatastrophe in Massengräbern beigesetzt. Die Entscheidung ist lokalen Medienberichten zufolge umstritten, weil die meisten Opfer Hindus sind und nach hinduistischer Tradition eine Einäscherung üblich ist. Vor der Beisetzung werden nach Behördenangaben DNA-Proben, Fotos und weitere Daten der Toten gesichert, damit Angehörige ihre Verwandten später identifizieren lassen können.

„Unsere oberste Priorität ist die Rückführung aller Opfer zu ihren Familien“, zitierte die Zeitung „Kathmandu Post“ einen Polizeisprecher. „Wo eine visuelle Identifizierung jedoch unmöglich ist und die sterblichen Überreste schnell zu verwesen beginnen, müssen wir DNA-Profile sichern und eine würdevolle Bestattung durchführen.“ In sozialen Medien wurde die Entscheidung kontrovers diskutiert. Ein Nepalese schrieb auf X: „Darf man im Namen der Wissenschaft ein 3.000 Jahre altes Todesritual abschaffen? Für 85 Prozent der Menschen im Land ist das Todesritual das wichtigste unter den 16 Sakramenten.“

Die Bezirksverwaltung im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass viele Leichen von den Fluten kilometerweit mitgerissen wurden und schon so stark verwest seien, sodass eine schnelle Identifizierung unmöglich sei. Experten warnten vor Risiken für die öffentliche Gesundheit.

Gefahr weiterer Erdrutsche

Im Katastrophengebiet in China versuchen die Einsatzkräfte, eine wichtige Zufahrtsstraße in das Gebiet wieder befahrbar zu machen, um schweres Gerät anzuliefern. Probleme bereitet jedoch die Gefahr weiterer Erdrutsche und Fluten. In der Region ist für die kommenden Tage weiterer Regen angekündigt.

Auch die Versorgung der Überlebenden bleibt schwierig. Überschwemmungen und Erdrutsche haben wichtige Straßen und Brücken zerstört, darunter die wichtigste Verbindung zwischen Nepals Hauptstadt Kathmandu und den südlichen Landesteilen. Die Regierung hat zwar Ausweichrouten geöffnet, doch einige davon sind schmal und ebenfalls beschädigt.

Viele Familien harren Hilfsorganisationen zufolge in überfüllten Notunterkünften in der Unglücksregion aus. „Dort gibt es zu wenige Schlafplätze, es ist heiß und stickig, es herrschen schlechte Hygieneverhältnisse“, teilte „Save the Children“ mit. Zudem fehle es an Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Hilfe. Durch mangelnde Hygiene und die Enge in den Notunterkünften könnten sich Krankheiten schnell ausbreiten.

Sorge um Kinder

Zahlreiche Betroffene würden zudem kurzfristig in andere Unterkünfte verlegt, was vor allem die Kinder zusätzlich belastete. „Wir sind äußerst besorgt um Kinder, die nach einer solchen schweren Katastrophe psychisch labil sind“, sagt Tara Chettry, Länderdirektorin von Save the Children in Nepal. „Wenn sie ohne triftigen Grund oder ohne angemessene Nachverfolgung von einer Notunterkunft in die nächste verlegt werden, erhöht das die Risiken für diese Kinder erheblich.“ Nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes bräuchten sie vor allem Stabilität.

Die Rettungskräfte in Nepal konzentrieren sich unterdessen auch auf mehrere Wasserkraftwerke, die von den Schlammmassen stark beschädigt wurden. Hunderte Arbeiter werden in einem Tunnel an einem der Dämme vermutet. Spezialisten aus Indien und China arbeiten bei den komplizierten Bergungsarbeiten mit, die zuletzt von steigenden Wasserständen und schlechtem Wetter beeinträchtigt wurden.

Die Sturzflut hatte am vergangenen Mittwoch im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ganze Ortschaften zerstört. Nach Einschätzung von chinesischen und US-Experten wurde die Katastrophe durch einen Gletscherabbruch an der Südflanke des Langtang Lirung in Nepal ausgelöst. Die Gletscher im Himalaya schmelzen wegen des Klimawandels schneller als je zuvor. Schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und das Risiko von Erdrutschen erhöhen.

apa

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