von ih 31.08.2026 11:48 Uhr

Für wen Chinin zum Problem werden kann

Chinin steckt in vielen beliebten Getränken – für die meisten Menschen ist das unbedenklich. Bestimmte Personengruppen sollten allerdings genauer hinschauen.

Symbolbild, KI-generiert

Ob im Tonic Water, Bitter Lemon oder Bitter Orange: Chinin sorgt für den charakteristischen bitteren Geschmack. Auch in Bitterspirituosen wie Aperol und Campari sowie in Longdrinks wie Gin Tonic kann der Aromastoff enthalten sein. Für die meisten Menschen sind die in der EU zugelassenen Mengen unproblematisch. Für empfindliche Personen kann Chinin allerdings bereits in geringen Konzentrationen Beschwerden auslösen.

„In der EU ist die Verwendung von Chinin und seiner Salze als Aroma in Getränken heute geregelt“, erklärt Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. Alkoholfreie Erfrischungsgetränke dürfen demnach bis zu 100 Milligramm Chinin pro Kilogramm enthalten, bei Spirituosen liegt der Höchstwert bei 250 Milligramm pro Kilogramm. Tatsächlich enthalten Tonic Water laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchschnittlich rund 71 Milligramm Chinin pro Liter, Bitter Lemon etwa 34 Milligramm.

Chinin hat eine lange Geschichte als Heilmittel. Die Rinde des Chinarindenbaumes wurde bereits von den Inka wegen ihrer fiebersenkenden Wirkung eingesetzt. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wird isoliertes Chinin in der westlichen Medizin unter anderem zur Behandlung von Malaria verwendet. Auch Tonic Water hat seinen Ursprung in diesem Zusammenhang: Britische Soldaten und Kolonialbeamte in Malariagebieten sollten das bittere Chinin mithilfe von Wasser und Zucker schmackhafter machen.

Heute ist die Konzentration in Getränken deutlich niedriger. Dennoch können empfindliche Menschen bereits auf geringe Mengen reagieren. Mögliche Beschwerden sind unter anderem Übelkeit, Tinnitus oder allergische Reaktionen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb Schwangeren sowie Menschen mit bestimmten Erkrankungen – etwa Tinnitus, Sehnervschädigungen oder hämolytischer Anämie – von chininhaltigen Getränken ab.

Auch bei Herzrhythmusstörungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente ist Vorsicht geboten. Dazu zählen unter anderem bestimmte Antidepressiva, Blutverdünner und Antibiotika, deren Wirkung durch Chinin beeinflusst werden kann. In diesen Fällen sollte der Konsum vorher ärztlich abgeklärt werden.

Wer wissen möchte, ob ein Getränk Chinin enthält, muss nicht lange suchen: Ein Blick auf das Zutatenverzeichnis genügt. Dort muss der Hinweis „Aroma Chinin“ angegeben werden.

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