Karas warnt vor Europas „Schlafwandlern“

In Alpbach beginnt die entscheidende Phase des Europäischen Forums Alpbach. Mit der Eröffnung der „Conference Days“ ist das Treffen am Montagnachmittag in seine zweite Woche gestartet. Unter dem Motto „How Europe Wins“ diskutierten zum Auftakt unter anderem der frühere italienische Ministerpräsident Enrico Letta, der indische Parlamentarier Sashi Tharoor und die Politikwissenschaftlerin Olivia Lazard darüber, welchen Weg Europa in einer zunehmend unübersichtlichen Welt einschlagen sollte.
Vor rund 800 Gästen nahm EFA-Präsident Othmar Karas vor allem die Europäer selbst in die Pflicht. Es fehle nicht an Ideen oder Erkenntnissen, sagte Karas. Das Problem liege vielmehr darin, dass zu wenig davon umgesetzt werde. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern eine eklatante Umsetzungsschwäche“, erklärte er.
Besonders kritisch blickt Karas auf jene, die seiner Ansicht nach darauf warten, dass nach den vergangenen Krisen irgendwann wieder alles so wird wie früher. Diese „Schlafwandler“, wie er sie nennt, würden unterschätzen, wie sehr sich Europa und die Welt verändert haben. Sorgen bereitet ihm auch, dass manche nationalistischen Experimenten wieder eine Chance geben wollten.
Statt weiterer Analysen will Karas beim Forum deshalb konkrete Schritte sehen. In den kommenden vier Tagen stehen mehr als 150 Veranstaltungen auf dem Programm. Rund 4.500 Teilnehmer werden sich mit der Frage beschäftigen, wie Europa wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich wieder an Stärke gewinnen kann.
Karas sieht dabei vor allem die politische und gesellschaftliche Mitte gefordert. Sie dürfe die politischen Ränder nicht ständig mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Klagen stärken. Seine Botschaft zum Auftakt fällt entsprechend kämpferisch aus: Europa könne nur gewinnen, wenn die Menschen gemeinsam handelten. „Europa ist das, was wir daraus machen“, sagte der EFA-Präsident.
Auch prominente Gäste haben sich für die kommenden Tage angekündigt. Am Mittwoch werden die Staatsoberhäupter von Österreich, Deutschland, Luxemburg, Liechtenstein und Belgien in Alpbach erwartet.
Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt gemeinsam mit seinen Amtskollegen zu einer Arbeitssitzung und zum Austausch mit jungen Teilnehmern und Stipendiaten des Forums.






