Nach Raub: Massive Kritik am Sicherheitskonzept des MAK

„Ich betrat die Ausstellung mit meiner Handtasche, die relativ groß ist. Niemand sah mich auch nur an“, erinnerte sich die Besucherin der vom Raub betroffenen „Glanzstücke“-Schau. Nur kurze Zeit nach Besichtigung des Colliers habe sie eine Ecke weiter ein „sehr lautes, dumpfes Klopfen“ gehört. Die Trennwände der Ausstellung hätten davon vibriert.
Zeugin: "Aber warum geht dann kein Alarm los?"
Eine Besucherin sei aus Richtung des Geräusches zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, dass gerade jemand eine Vitrine einschlage. „Aber warum geht dann kein Alarm los?“, zitierte das Blatt die Zeugin. Nach Ende der Klopfgeräusche habe Teilnahmslosigkeit unter den Besucherinnen und Besuchern geherrscht. Sie sei daraufhin zurück zur Vitrine gegangen und habe das Ausmaß der Zerstörung gesehen. Auch zu diesem Zeitpunkt seien „noch immer keinerlei Sicherheitspersonal oder andere Museumsmitarbeiter vor Ort“ gewesen, hielt die Frau fest. Währenddessen war es laut ihren Schilderungen möglich, auch anderen Schmuck wie etwa Ohrringe entnehmen zu können. Erst als sie einige Vitrinen weiterging, kam laut ihren Angaben ein Mitarbeiter und bat, die Ausstellung zu verlassen.
Die Frau bereitete sich daraufhin auf einen längeren Aufenthalt im Museum vor und rechnete mit Befragungen. „Aber nichts dergleichen geschah. Alle Besucher spazierten entweder in andere Teile des Museums oder – wie ich – hinaus“, erzählte sie. „Ich verließ das Museum sehr zögerlich, hielt sogar Ausschau nach Polizisten, um zu fragen, ob ich tatsächlich einfach gehen könne. Die ganze Situation ließ mich an Kottan denken.“
Sicherheitskräfte aufgestockt
Im Vorfeld des Raubes am Donnerstagnachmittag hatte das Museum bereits auf zehn Securitys sowie Videokameras gesetzt. Infolge des kriminellen Geschehens seien weitere Sicherheitskräfte für das MAK abgestellt und das Personal für die Kontrollen aufgestockt worden, hieß es am Sonntagnachmittag seitens der diensthabenden Securitys vor Ort. Er werde von Besucherinnen und Besuchern immer wieder auf den Kunstraub angesprochen, sagte Claudio Györgyfalvay, einer der Securitys, im Gespräch mit der APA. Man beantworte damit zusammenhängende Fragen, soweit das möglich sei. Proteste gegen die Sicherheitskontrollen gebe es keine: „Dazu kommt es nicht, wenn man das unaufgeregt veranstaltet.“
Wer die „Glanzstücke“-Schau besuchen will, muss jetzt eine Sicherheitsschleuse passieren, zuvor metallene Gegenstände – Handys, Schlüssel, Münzen – abgeben und wird erst in den Kassa-Bereich gelassen, wenn ein Metalldetektor nicht anschlägt. Rucksäcke und Taschen müssen im Garderobenbereich deponiert werden. Die Besucherinnen und Besucher hatten am Sonntagnachmittag dafür durchwegs Verständnis. „Ist am Flughafen ja nicht anders“, beschied ein Hamburger Ehepaar der APA.
Die „Glanzstücke“-Schau war auch ohne das abhanden gekommene Collier für einen spätsommerlich-sonnigen Sonntag sehr gut besucht. Unter den Besucherinnen und Besuchern war der Kunstraub Thema. „Das waren Profis“, meinte ein älterer Wiener, „aber dass die danach einfach so rausspazieren am helllichten Tag, ist fast nicht zu glauben.“ Ob seit dem schlagzeilenträchtigen Geschehen nach dem Motto „Gemma den Tatort anschauen“ das Interesse an den Glanzstücken gestiegen ist und mehr Tickets verkauft werden, blieb vorerst unbeantwortet. „Das dürfen wir nicht beantworten. Wenden Sie sich an die Pressestelle“, hieß es von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Kassa.
Metalldetektoren bleiben
Die Metalldetektoren sollen jedenfalls bis zum Ende der Ausstellung am 27. September bleiben, womöglich auch darüber hinaus, wie die „ZiB“ am Samstag in Berufung auf Hollein berichtete.
Die beiden mutmaßlichen Täter waren am Donnerstag mit einer Pistole und einem Hammer ins Museum gekommen, hatten die Vitrine eingeschlagen und waren binnen weniger Minuten mit dem millionenschweren Diamantencollier des französischen Nobeljuweliers Van Cleef & Arpels geflüchtet. Das Landeskriminalamt hat die beiden Männer bereits international mit Fotos zur Fahndung ausgeschrieben. Zum derzeitigen Ermittlungsstand wollte die Landespolizeidirektion am Sonntag gegenüber der APA nicht ins Detail gehen.
apa






