von mmh 30.08.2026 11:54 Uhr

Handwerk im Wandel: Die neue Generation soll eigene Wege gehen

Wie gelingt die Übergabe eines Familienbetriebs an die nächste Generation? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Sommerempfang der Frauen im Handwerk am Larcherhof in Bozen. Unter dem Motto „Starke Wurzeln, neue Wege – übernehmen, gestalten, weiterführen“ stand die Betriebsnachfolge im Mittelpunkt.

(Bild: lvh. apa)

Petra Holzer, Landesobfrau der Frauen im Handwerk, betonte, dass Frauen heute zunehmend aktiv in Handwerksbetrieben mitwirken und selbst unternehmerische Verantwortung übernehmen. Sie sollten darin bestärkt werden, Betriebe nach ihren eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln.

Auch Vizelandesobfrau Daniela Bortolon sprach sich dafür aus, Frauen frühzeitig als mögliche Nachfolgerinnen wahrzunehmen. Für eine erfolgreiche Übernahme brauche es vor allem Vertrauen, Anerkennung und ausreichend Freiraum für eigene Entscheidungen.

Eine Betriebsübergabe beginnt lange vor dem Vertrag

Bei der Nachfolge gehe es laut den Teilnehmern um weit mehr als rechtliche und wirtschaftliche Fragen. Entscheidend sei auch, wer künftig die Entscheidungen trifft, welche Veränderungen möglich sind und wie wertvolles Wissen an die nächste Generation weitergegeben wird.

„Die Nachfolge ist eine der zentralen Zukunftsfragen für unser Handwerk“, erklärte lvh-Vizepräsidentin Angelika Wiedmer. Eine gelungene Übergabe sichere nicht nur Betriebe, sondern auch Wissen und Arbeitsplätze.

Ihr Vorstandskollege Hannes Mussak verglich einen Betrieb mit einem Baum, der weiter wachsen soll. Dafür müsse die junge Generation neben Erfahrung und Know-how auch das notwendige Vertrauen erhalten.

Vertrauen und klare Rollen entscheidend

Die menschliche Seite einer Betriebsübergabe stand im Impulsvortrag von Vera Nicolussi-Leck im Mittelpunkt. Denn mit einem Generationenwechsel ändern sich nicht nur Zuständigkeiten, sondern auch die Beziehungen innerhalb des Betriebs und der Familie.

Vertrauen, offene Kommunikation und klar definierte Rollen seien deshalb wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang.

Erst übernehmen, später loslassen

Wie persönlich eine solche Übergabe sein kann, schilderte Anna Graus von der Graus Bauunternehmung GmbH aus Wiesen. Wer einen Betrieb übernehme, müsse zunächst den eigenen Platz finden und Verantwortung übernehmen.

Gleichzeitig sei die Erfahrung der älteren Generation von großem Wert. Irgendwann müsse man jedoch selbst bereit sein, Verantwortung weiterzugeben. Auch das Loslassen gehöre zu einer gelungenen Betriebsübergabe.

Die neue Generation braucht ihren eigenen Weg

Dagmar Dantone vom Malerbetrieb Dantone in St. Lorenzen schilderte die Perspektive der Übernehmenden. Für sie bedeutete die Betriebsübernahme vor allem, eigene Entscheidungen zu treffen und eine persönliche Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens zu entwickeln.

Erfahrung sei wichtig, ebenso aber das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und der Mut, Dinge anders zu machen.

Damit zeigte sich beim Sommerempfang die Herausforderung auf beiden Seiten: Eine Generation muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, während die andere lernen muss, diese Verantwortung abzugeben.

Das vorhandene Wissen müsse dabei nicht verloren gehen. Die ältere Generation könne weiterhin beraten und begleiten. Die Führung und die Entscheidungen sollen jedoch bei der neuen Generation liegen.

Erfolgreiche Übergabe braucht beide Seiten

Der Sommerempfang machte deutlich, dass ein erfolgreicher Generationenwechsel nicht allein davon abhängt, wer einen Betrieb übernehmen möchte. Ebenso entscheidend ist die Bereitschaft der bisherigen Führung, Verantwortung tatsächlich abzugeben und der nächsten Generation Raum für den eigenen Weg zu geben.

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