von mmh 30.08.2026 10:27 Uhr

Von New York zurück nach Innsbruck

Die Geschichte einer jüdischen Familie führt Jahrzehnte später zurück nach Innsbruck. Angehörige von Leokadia Justman aus New York haben die Sonderausstellung über die Holocaust-Überlebende im Tiroler Landhaus besucht. Dabei setzten sie sich gemeinsam mit ihren Familien mit der Geschichte ihrer Eltern und Großeltern auseinander.

Auf den Spuren ihrer Familiengeschichte: Jeffrey Wisnicki (l.), Sohn von Leokadia, besuchte mit seinem Cousin Herbert Jay Wisnicki (r.) und den Ehefrauen Rebecca (2. v. l.) und Stephanie die Sonderausstellung im Landhaus. © Land Tirol/Neuner

Jeffrey Wisnicki, der Sohn von Leokadia Justman und ihrem Ehemann Józef, sowie Herbert Jay Wisnicki, der Neffe Leokadias, kamen in den vergangenen Monaten mit ihren Familien nach Innsbruck. Als direkte Nachkommen von Holocaust-Überlebenden besuchten sie das Landhaus und damit jenen Ort, der eng mit der Familiengeschichte verbunden ist.

Leokadia Justman kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Innsbruck zurück und hielt ihre Erlebnisse während der Flucht schriftlich fest. In dieser Zeit lernte sie Józef Wisnicki kennen. Er hatte mit falschen Dokumenten in Vorarlberg überlebt.

Erste jüdische Hochzeit nach dem Krieg

Leokadia und Józef heirateten 1946 in Tirol. Es war die erste jüdische Hochzeit in Innsbruck nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Gemeinsam mit Józefs Bruder David, den das Ehepaar nach dessen sowjetischer Kriegsgefangenschaft wieder ausfindig machen konnte, emigrierten Leokadia und Józef im Jahr 1950 nach New York. Dort begannen die beiden Brüder und Leokadia ein neues Leben.

Die Rückkehr ihrer Nachkommen nach Innsbruck macht die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar. 80 Jahre nach der Hochzeit kehren Angehörige jener Familie an den Ort zurück, an dem ihre gemeinsame Nachkriegsgeschichte begann.

Auch Józef verfasste einen autobiografischen Bericht über sein Überleben. Dieser wurde im Mai 2026 erstmals in Tirol vorgestellt.

Ausstellung noch bis Oktober zu sehen

Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ist noch bis zum 26. Oktober 2026 im Tiroler Landhaus zu sehen. Der Nationalfeiertag ist zugleich der Tag der offenen Tür im Landhaus. An diesem Tag besteht die letzte Möglichkeit, die Ausstellung einschließlich Führungen zu besuchen.

Die Ausstellung ergänzt die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“. Sie kann von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr im Landhaus 1 besichtigt werden.

Auch Gedichte von Leokadia ausgestellt

Die von Leokadia Justman selbst verfassten Gedichte sind jeweils freitags von 12 bis 17 Uhr im Festsaal des Landhauses 1 zu sehen. Ausnahmen bilden der 18. September sowie der 13. und 20. November 2026.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit des Landes Tirol mit der Universität Innsbruck, dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, der Pädagogischen Hochschule Tirol, dem Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, dem Programm ERINNERN des OeAD sowie dem Verein Wissenschaft und Verantwortlichkeit.

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