Wenn der Kopf zur Qual wird

Wer noch nie eine Migräne hatte, unterschätzt sie. Typisch ist ein starker, pulsierender oder pochender Schmerz, der meist nur eine Kopfhälfte betrifft und von den Betroffenen als mittel bis schwer empfunden wird. Dazu kommen häufig Übelkeit, manchmal Erbrechen sowie eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Während einer Attacke ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt, an ein normales Arbeiten ist oft nicht zu denken.
Ein Teil der Betroffenen erlebt zusätzlich eine sogenannte Aura. Dabei treten vor dem eigentlichen Schmerz Sehstörungen wie Flimmern oder Lichtblitze oder auch andere neurologische Symptome auf.
Vor allem Frauen betroffen
Migräne ist alles andere als selten. Weltweit zählt sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und betrifft schätzungsweise zwölf bis 15 Prozent der Bevölkerung. Interessant ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Rund 14 Prozent der Frauen, aber nur sieben Prozent der Männer leiden unter wiederkehrenden Anfällen. Im erwerbsfähigen Alter sind Frauen sogar bis zu dreimal häufiger betroffen. Auch Kinder kann es treffen, hier liegt der Anteil bei vier bis fünf Prozent, wobei Mädchen und Buben ungefähr gleich häufig betroffen sind.
Bemerkenswert ist zudem, dass die Häufigkeit in den Industrieländern in den letzten 40 Jahren um das Zwei- bis Dreifache zugenommen hat. Fachleute vermuten dahinter vor allem den Einfluss von Umwelt und Lebensstil.
Die Attacke läuft in Phasen ab
Eine Migräne kommt oft nicht aus dem Nichts, sondern verläuft in mehreren Phasen. Schon Stunden oder Tage vor dem Schmerz können Vorboten auftreten, zum Beispiel Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit. Darauf folgt bei manchen die Aura, dann die eigentliche Kopfschmerzphase, die mehrere Stunden bis Tage dauern kann. Zum Abschluss kommt eine Erholungsphase, in der sich viele Betroffene noch längere Zeit erschöpft und ausgelaugt fühlen.
Was eine Attacke auslöst
Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, im Spiel sind genetische, neurologische und umweltbedingte Faktoren. Gut bekannt sind hingegen die Auslöser, die sogenannten Trigger. Sie sind von Mensch zu Mensch verschieden, weshalb ein Kopfschmerztagebuch hilft, den eigenen auf die Spur zu kommen.
Zu den häufigsten zählen Stress, ein unregelmäßiger Schlafrhythmus mit zu wenig oder zu viel Schlaf, hormonelle Schwankungen, Wetterwechsel und bestimmte Lebensmittel. Bei Frauen spielt der Zyklus eine große Rolle. Über die Hälfte der betroffenen Frauen nennt die Menstruation als Auslöser. Als wichtigster Trigger unter den Nahrungs- und Genussmitteln gilt der Alkohol. Ein bekanntes Phänomen ist außerdem die Wochenendmigräne, bei der die Attacke ausgerechnet dann zuschlägt, wenn der Körper nach einer stressigen Phase zur Ruhe kommt.
Hoffnung bei der Behandlung
Bei der Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Akute Anfälle werden nach wie vor mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder mit den speziellen Migränemitteln, den Triptanen, behandelt. Neu hinzugekommen sind Wirkstoffe wie die Gepante und Ditane, die eine Attacke ohne bestimmte Kreislaufrisiken bekämpfen können.
Den größten Fortschritt gibt es bei der Vorbeugung. Neben den klassischen Mitteln wie Betablockern gelten die sogenannten CGRP-Antikörper als bedeutender Durchbruch. Sie setzen gezielt an einem Botenstoff an, der bei der Entstehung einer Attacke eine zentrale Rolle spielt, wirken oft schon in der ersten Woche und werden meist gut vertragen. Dazu kommen die Gepante in Tablettenform, die sowohl akut als auch vorbeugend eingesetzt werden können. Die aktuelle medizinische Leitlinie von 2025 hat diese Neuerungen bereits aufgenommen. Wegen der hohen Kosten sind die neuen Antikörper allerdings vor allem für jene Patienten gedacht, bei denen herkömmliche Mittel nicht wirken oder nicht vertragen werden.






