von mmh 27.08.2026 13:33 Uhr

Unglaublich: Rucksack kehrt nach 63 Jahren zu Besitzer zurück

Ein außergewöhnlicher Fund auf dem Sulztalferner im Ötztal hat eine unglaubliche Geschichte aus dem Jahr 1963 ans Licht gebracht. Ein Bergführer entdeckte dort einen alten Rucksack samt persönlicher Gegenstände. Wenig später konnte die Polizei den Besitzer ausfindig machen – einen heute 86-jährigen Deutschen.

APA (dpa)

Am 17. Juli war der Neustifter Bergführer Marco Stern mit Gästen am Sulztalferner zwischen Längenfeld und Neustift im Stubai unterwegs. Auf rund 2.950 Metern Höhe stieß er auf einen historischen Rucksack. Rundherum lagen weitere Ausrüstungsgegenstände verstreut, darunter ein Fotoapparat und Eispickel.

Der Gletscher hatte die Gegenstände nach Jahrzehnten wieder freigegeben. Stern sah sich daraufhin auch in der Umgebung um, um auszuschließen, dass sich dort möglicherweise eine ausgeaperte Leiche befindet. „Er hat auch noch geschaut, ob sich in der Nähe eventuell eine ausgeaperte Leiche befindet“, erzählt Alpinpolizist Gregor Gatt von der Polizei in Neustift. Die Suche blieb jedoch ohne Ergebnis.

Stern brachte die Fundstücke anschließend zum Polizeiposten. Für Gatt begann damit eine aufwendige Spurensuche nach dem Besitzer.

Handschriftliche Zettel führen zum Besitzer

„Ich habe viele Zettel mit handschriftlichen Notizen im Rucksack entdeckt, darunter auch Auszahlungsbelege einer bayrischen Bank, jedoch keinen Ausweis“, schildert Gatt. Die teilweise erstaunlich gut erhaltenen Zettel wurden zunächst getrocknet. Schließlich gelang es dem Alpinpolizisten, einen Namen zu ermitteln: Alfred Rothfischer.

In den einschlägigen Chroniken fand sich allerdings kein Vermisstenfall unter diesem Namen. Deshalb versuchte es Gatt über das Internet. Bei einer Suche stieß er auf eine Festnetznummer in Bayern und rief dort an.

Am anderen Ende der Leitung meldete sich Waltraud Rothfischer aus Wörth an der Donau. Auf die Frage, ob ihr Mann einen Rucksack vermisse, antwortete sie sofort mit „Ja“. Alfred Rothfischer saß zu diesem Zeitpunkt direkt neben ihr.

Damit kehrte der heute 86-Jährige gedanklich sofort ins Jahr 1963 zurück.

Mit 23 Jahren in eine Gletscherspalte gestürzt

Damals war Rothfischer 23 Jahre alt und gemeinsam mit zwei Bergkameraden in den Stubaier Alpen unterwegs. Nach dem Gipfelsieg am Schrankogel und einer Übernachtung in der Amberger Hütte wollte die Dreierseilschaft am 3. August 1963 über den Sulztalferner zur Dresner Hütte aufsteigen.

Rothfischer ging voraus, als er plötzlich tief in eine Gletscherspalte stürzte. In etwa acht Metern Tiefe hing er über dem Abgrund. Der damals 23-Jährige kannte sich jedoch mit Rettungstechniken aus und versuchte, sich mithilfe von Prusikschlingen selbst aus der Spalte zu befreien.

Dabei wurde sein Rucksack zum Problem. Das Gewicht zog ihn weiter nach unten. Rothfischer entschloss sich deshalb, ihn in der Gletscherspalte zurückzulassen.

Der Plan ging auf: Der Bayer konnte sich aus der Spalte retten und kam mit leichten Verletzungen davon. Anschließend stieg das Trio nach Längenfeld ab. Dort meldete Rothfischer den Vorfall bei der Polizei, denn seine Dokumente für die Heimreise befanden sich weiterhin im Eis.

Familie scherzte über „Ötzi“-Comeback

Der Rucksack und die übrigen Gegenstände gerieten jedoch nie völlig in Vergessenheit. Rothfischer erinnerte sich stets an die Utensilien, die er damals im Gletscher zurücklassen musste. In der Familie wurde sogar immer wieder darüber gescherzt, dass die Sachen eines Tages wieder auftauchen könnten – ähnlich wie bei Ötzi.

63 Jahre später wurde aus dem Scherz Realität.

Nach der erfolgreichen Identifizierung nahm Alpinpolizist Gregor Gatt Kontakt zu Andreas Rothfischer, dem Sohn des heute 86-Jährigen, auf. Am Dienstag dieser Woche reiste dieser gemeinsam mit seiner Familie nach Neustift, um die historischen Fundstücke abzuholen und seinem Vater zu übergeben.

Rothfischer konnte aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr selbst nach Neustift kommen.

Die Freude über die ungewöhnliche Rückkehr war bei allen Beteiligten groß. Besonders für Alfred Rothfischer dürfte der Moment emotional gewesen sein: Jener Rucksack, dessen Abwurf ihm als 23-Jährigem vermutlich das Leben rettete, war nach mehr als sechs Jahrzehnten wieder bei ihm – diesmal sicher daheim in Bayern.

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