Trockenheit in Südtirol bleibt angespannt

Das hat das Ständige Observatorium für die Beobachtung der Wassernutzungen in den Ostalpen bei seiner jüngsten Sitzung bestätigt. In den beiden italienischen Nachbarregionen im Süden und Osten herrscht bereits seit Herbst 2025 außergewöhnliche Trockenheit. Hohe Temperaturen und die mittlerweile fünfte Hitzeperiode haben die Böden stark ausgetrocknet. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf von Landwirtschaft und Bevölkerung.
Die höchste Notstandsstufe wird ausgerufen, wenn der vorhandene Wasserbedarf trotz vorbeugender Maßnahmen nicht mehr gedeckt werden kann und dadurch schwere Schäden für die Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft drohen.
Südtirol profitiert von Gewittern und Brunnen
In Südtirol ist die Situation derzeit noch entspannter. Laut Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz haben wiederkehrende Wärmegewitter für etwas Entlastung gesorgt. Außerdem kann ein großer Teil des Wasserbedarfs über zahlreiche Brunnen gedeckt werden. Dadurch ist Südtirol weniger stark auf die direkte Entnahme aus Flüssen und anderen Oberflächengewässern angewiesen.
Gleichzeitig unterstützt Südtirol die besonders betroffenen Gebiete in Venetien. Gemeinsam mit dem Trentino sowie den Energieunternehmen Alperia und Dolomiti Energia wurde die Wasserabgabe aus den Speicherseen so gesteuert, dass die Schwankungen des Abflusses in der Etsch weitgehend ausgeglichen werden konnten. Über Wochen wurden bei Trient rund 130 bis 140 Kubikmeter Wasser pro Sekunde erreicht.
Damit konnte der notwendige Mindestabfluss im Unterlauf der Etsch sichergestellt werden. In der Gegend von Rovigo ist dies unter anderem wichtig, um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten und zu verhindern, dass Salzwasser über das Flussdelta ins Landesinnere gelangt.
Wasserreserven sind nicht unendlich
Für die Energieunternehmen bedeutet die Unterstützung allerdings auch finanzielle Einbußen, weil Wasser aus den Speicherseen teilweise außerhalb der üblichen Zeiten für die Stromproduktion abgegeben wurde. Die Maßnahme war Bestandteil einer Notstandsverordnung von Landeshauptmann Arno Kompatscher vom Juli.
Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht. Flavio Ruffini, Direktor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, warnt davor, die Wasserversorgung im Unterlauf der Etsch über Monate allein mit Wasser aus den Speicherseen sichern zu wollen. Dafür seien die Reserven nicht ausreichend.
Zudem sei derzeit nicht absehbar, wie lange die Trockenheit noch anhalten werde. Das Wasser aus den Stauseen könnte schließlich auch für die Trinkwasserversorgung benötigt werden. Sind die Reserven einmal aufgebraucht, stehen keine weiteren Vorräte zur Verfügung.






