Pilze sammeln, aber richtig

In Südtirol ist das Pilzesammeln per Landesgesetz genau geregelt. Die vielleicht wichtigste Regel ist, dass nur an Kalendertagen mit gerader Zahl und zwischen 7 und 19 Uhr gesammelt werden darf. An ungeraden Tagen bleibt der Korb also leer. Auch die Menge ist gedeckelt und zwar je nach Sammler. Wer in der Gemeinde ansässig ist, darf bis zu zwei Kilogramm pro Person und Tag sammeln. Wer von auswärts kommt, also auch Touristen, darf höchstens ein Kilogramm mitnehmen und muss dafür eine Sammelgebühr von zehn Euro pro Tag entrichten. Diese fließt in die Gemeindekassen und wird für die Instandhaltung der Forstwege verwendet.Â
Grundeigentümer wiederum dürfen auf eigenem Grund an allen Tagen sammeln, aber nicht mehr als drei Kilogramm. Die Regeln gelten für Personen über 14 Jahren, und das Mitführen eines Ausweises ist Pflicht. Nicht überall ist das Sammeln erlaubt. In Landschaftsschutzgebieten, in einzelnen Naturparks wie dem Trudner Horn sowie in einigen Gemeinden gilt ein generelles Verbot. Zusätzlich weisen Schilder auf örtliche Sammelverbote hin.
Rücksicht auf den Wald
Auch beim Sammeln selbst gibt es Vorgaben. Die Pilze müssen bereits am Fundort grob gereinigt und in einem festen, offenen und gut durchlüfteten Behälter transportiert werden, also in einem Korb und nicht in einer Plastiktüte. Rechen und Harken sind verboten, und die Humusschicht darf nicht beschädigt werden, damit das unterirdische Geflecht des Pilzes erhalten bleibt. Pilze, die man nicht mitnimmt, sollten stehen bleiben, denn auch für den Menschen ungenießbare Arten sind Nahrung für Tiere. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, riskiert Verwaltungsstrafen und die Einziehung aller gesammelten Pilze. Kontrolliert wird das vom Landesforstdienst.
Die Gefahr der Verwechslung
So verlockend die Ausbeute ist, die eigentliche Gefahr lauert beim Bestimmen. Von den rund 5.000 Pilzarten in Europa sind nur etwa drei Prozent Speisepilze, rund 150 gelten als giftig. Gerade der beliebte Pfifferling hat Doppelgänger: Der Falsche Pfifferling ist zwar nicht direkt giftig, kann aber Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Gefährlicher ist der Ölbaumtrichterling, der dem Pfifferling ähnelt, aber giftig ist. Er wächst zwar auf Holz, mitunter aber auf unterirdischen Wurzeln, sodass er wie aus dem Boden gewachsen wirkt.
Am gefährlichsten ist der Knollenblätterpilz. Er ist für rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Das Tückische ist, dass sein Gift erst mehrere Stunden nach dem Essen wirkt. Zuerst treten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf, ähnlich einem Magen-Darm-Infekt, ein bis zwei Tage später kann es zu schweren Leber- und Nierenschäden kommen, im schlimmsten Fall hilft nur noch eine Lebertransplantation.
Warum Apps nicht ausreichen
Fachleute warnen ausdrücklich davor, sich beim Bestimmen allein auf Bücher oder Apps zu verlassen. Wer unsicher ist, sollte die gesammelten Pilze von einer sachkundigen Person oder einer Pilzberatungsstelle begutachten lassen. Der Grundsatz lautet: Nur sammeln und essen, was man mit absoluter Sicherheit kennt, alles andere bleibt stehen.
Vorsicht ist auch bei der Zubereitung geboten. Pilze sollten mindestens 15 bis 20 Minuten durchgegart und nicht in großen Mengen roh gegessen werden. Und weil Pilze eiweißreich sind und schnell verderben, können selbst einwandfreie Speisepilze Beschwerden verursachen, wenn sie zu lange lagern. Wer unsicher ist, ob die Pilze noch gut sind, entsorgt sie besser.
Was im Notfall zu tun ist
Treten nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden auf, auch noch Tage später, ist rasches Handeln gefragt. Man sollte sofort den Notruf 112 wählen oder eine Vergiftungszentrale kontaktieren.Â
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