von mmh 11.08.2026 15:51 Uhr

Sind auch andere Justizgebäude gefährdet?

Einen Monat nach dem Einsturz eines Teils des Bozner Gerichtspalastes stellt der Südtiroler Heimatbund (SHB) die Frage nach der Sicherheit weiterer Justizgebäude, die während der faschistischen Zeit in Italien errichtet wurden. SHB-Obmann Roland Lang fordert, auch deren Statik überprüfen zu lassen.

Einsturz Justizpalast

Der Einsturz des Gerichtsgebäudes in Bozen hätte laut Lang deutlich schlimmere Folgen haben können. Nur weil sich der Vorfall in den frühen Morgenstunden ereignete, sei ein Unglück mit zahlreichen Opfern verhindert worden. Nun müsse deshalb geklärt werden, wie es um die Sicherheit anderer Justizpaläste aus dieser Zeit bestellt sei.

Blick auf Justizgebäude aus der faschistischen Zeit

Als Beispiele nennt der Südtiroler Heimatbund mehrere große Gerichtsgebäude in Italien. Der Justizpalast in Mailand wurde zwischen 1932 und 1940 nach Plänen des Architekten Marcello Piacentini errichtet. Piacentini war auch für die Planung des Siegesdenkmals in Bozen verantwortlich.

Der Mailänder Justizpalast besitzt zudem eine besondere Verbindung zur Südtiroler Geschichte. Dort fanden die Prozesse gegen Sepp Kerschbaumer und weitere Freiheitskämpfer statt.

Auch der Justizpalast in Palermo stammt aus den 1930er Jahren. Geplant wurde das Gebäude von den Brüdern Rapisardi. Der Bau wurde während des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Charakteristisch ist unter anderem die monumentale Freitreppe, über die der Eingang erreicht wird.

Weitere Beispiele sind laut SHB die Justizpaläste von Forlì und Messina, die ebenfalls nach Plänen von Piacentini entstanden. In Forlì, das während des Faschismus als „Stadt des Duce“ bezeichnet wurde, entstand ein monumentaler Justizpalast. Als architektonisches Vorbild diente dabei der Justizpalast in Mailand.

Monumentale Fassaden, Ziegel im Inneren

Der Südtiroler Heimatbund verweist auf Gemeinsamkeiten der genannten Gebäude. Sie seien durch ihre monumentale Architektur, große Eingangsbereiche und repräsentative Verkleidungen aus Marmor und anderen hochwertigen Materialien geprägt.

Hinter diesen Fassaden seien die Gebäude jedoch mit Ziegeln errichtet worden. Nach Ansicht von Roland Lang müsse deshalb insbesondere nach dem Einsturz in Bozen geprüft werden, ob bei vergleichbaren Bauwerken Sicherheits- und Statikprobleme bestehen.

„Monumental, rationalistisch und einschüchternd, aber vor allem schnell wurde damals gebaut“, erklärt der SHB-Obmann.

Forderung nach Überprüfung

Für Lang sollte der Einsturz in Bozen Anlass sein, die Sicherheit der weiteren unter dem Faschismus errichteten Justizpaläste in Italien genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nur durch einen glücklichen Umstand sei der Einsturz des Bozner Gerichtspalastes nicht zu einer Katastrophe mit zahlreichen Opfern geworden. Nun müsse verhindert werden, dass sich ein ähnlicher Vorfall wiederholt.

Die Forderung des Südtiroler Heimatbundes lautet daher, die Statik und Sicherheit auch der anderen Justizpaläste aus dieser Zeit überprüfen zu lassen.

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