Social-Media-Verbot: Das sagen Südtirols Jugendliche

Den Anfang machte Australien. Seit dem 10. Dezember 2025 gilt dort die weltweit erste gesetzliche Altersgrenze. Plattformen dürfen Jugendlichen unter 16 Jahren keine eigenen Konten mehr erlauben. Darunter zählen unter anderem Instagram, TikTok, Snapchat, YouTube und X.
Andere Länder ziehen nach, denn auch Frankreich hat ein Verbot bestimmter Angebote für unter 15-Jährige beschlossen, Österreich plant eine Regelung für unter 14-Jährige, und in Spanien wird ein ähnliches Gesetz vorbereitet. Auch die EU-Kommission arbeitet an neuen Regeln zum digitalen Jugendschutz, konkrete Maßnahmen sollen bis Sommer 2026 vorliegen.
Achammer ist dafür
In Südtirol zählt Bildungs- und Jugendlandesrat Philipp Achammer (SVP) zu den klaren Befürwortern. „Es geht hier vor allem um das Recht der Kinder auf ein gesundes Aufwachsen, besonders was die mentale und seelische Gesundheit betrifft. Darum bin ich für ein Verbot, denn der Kinderschutz steht über allem“, sagt er. Kinder und Jugendliche bräuchten sichere Räume, online wie offline.Â
Das sagen die Jugendlichen
Doch wie sehen es die jungen Menschen selbst? UT24 hat nachgefragt und die Meinungen fallen differenziert aus.
Eine 14-Jährige erzählt: „Ich bin schon viel am Handy, vor allem auf TikTok. Natürlich sage ich jetzt nicht, dass man ein Social-Media-Verbot für uns machen soll, auch wenn es nicht ganz sinnlos wäre. Aber ein Limit, vor allem für Jüngere, würde sicher nicht schaden. Ich glaube allerdings auch, dass man immer einen Weg finden würde, um die Apps trotzdem zu nutzen.“
Ein 19-Jähriger sieht es ähnlich, zieht die Grenze aber früher: „Ich verbringe viel Zeit am Handy, bin aber auch mal froh, es wegzulegen und mit meinen Freunden einfach zu chillen. Ich sehe oft, wie Mittelschüler nur mehr im Kreis sitzen und sich gegenseitig Reels schicken, ohne noch groß miteinander zu reden. Das finde ich nicht schön. Meiner Meinung nach wäre ein Social-Media-Verbot bis 13 Jahre sinnvoll. Danach ist es in Maßen okay.“
Kritischer blickt ein 17-Jähriger auf die Idee: „Ein Verbot klingt gut, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es funktioniert. Wer will, kommt trotzdem rein, mit dem Alter der Eltern oder einer falschen Angabe. Für mich ist Social Media auch nicht nur schlecht. Ich bleibe mit Freunden in Kontakt, informiere mich und finde Dinge, die mich interessieren. Statt alles zu verbieten, sollte man uns lieber früh beibringen, wie man richtig damit umgeht.“
Fachleute sind geteilter Meinung
Dass Regulierung nötig ist, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Jugendschutzorganisationen verweisen auf steigende psychische Belastungen, problematische Nutzungsmuster und Gefahren wie Cybermobbing. Uneinig ist man sich aber, wie weit ein Verbot gehen soll und ob es überhaupt umsetzbar ist. Der Technikfolgen-Forscher Fabian Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften warnt, dass Alterskontrollen die Verantwortung stark auf die Nutzer verlagern. Zudem dürfe ein Verbot nicht zum Sprung ins kalte Wasser werden. Wer bis 14 gar nichts nutzen darf und dann plötzlich damit konfrontiert ist, brauche einen vorbereiteten Übergang. Genau diesen Punkt bringen auch die Jugendlichen selbst ein, wenn sie auf mögliche Schlupflöcher verweisen.
Und was meinen Sie?






