von mmh 03.08.2026 11:09 Uhr

Nächte voller Lärm und Chaos? Plankenstein-Bewohner wenden sich an Öffentlichkeit

Seit der Eröffnung einer Diskothek im März sorgt das Plankensteinviertel in Meran für Diskussionen. Nun wenden sich Anrainer in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit, die Medien und die zuständigen Behörden. Sie schildern ihre Sicht der Entwicklungen und beklagen laut eigenen Angaben zunehmende Belastungen durch Lärm, Verschmutzung und Sicherheitsprobleme.

APA/dpa

Die Unterzeichner des Briefes betonen, dass ihre Perspektive bisher kaum Gehör gefunden habe. Es gehe ihnen nicht ausschließlich um die Musik der Diskothek, sondern um die gesamte Situation im Viertel. Sie sprechen von nächtlichem Lärm, Verwahrlosung, Schlägereien, Drogenkonsum und einem Verlust an öffentlicher Ordnung.

Historisches Viertel unter Druck

Das Plankensteingebäude sei für die Bewohner weit mehr als nur eine Ansammlung von Wohnungen und Geschäften. Das historische Gebäude im Herzen Merans wurde 1906 vom Planer und Baumeister Pietro Delugan errichtet und umfasst laut Brief 46 Wohnungen sowie 11 Geschäftslokale. In unmittelbarer Nähe befinden sich unter anderem ein Altersheim, ein Kulturzentrum und das Hotel Palace.

Über Jahrzehnte sei das Viertel durch Investitionen und Engagement der Bewohner und Unternehmer zu einem lebendigen Wohn- und Geschäftsviertel geworden. Seit der Eröffnung der Diskothek habe sich die Situation jedoch verändert, schreiben die Anrainer.

„Ein Niemandsland“

In den Nächten, in denen die Diskothek geöffnet sei, werde das Viertel nach Darstellung der Unterzeichner zu einem „Niemandsland“. Sie kritisieren, dass sich niemand ausreichend verantwortlich fühle und öffentliche Ordnung sowie ein friedliches Zusammenleben nicht mehr gewährleistet seien.

Die Anrainer berichten von zahlreichen Beschwerden und Dokumentationen der Vorfälle. Sie hätten sich an Gemeinde, Land, Polizei und weitere zuständige Stellen gewandt, Gutachten in Auftrag gegeben und Protokolle geführt. Trotzdem sei aus ihrer Sicht bisher keine ausreichende Lösung gefunden worden.

Beschwerden über Lärm und Verschmutzung

Die Bewohner schildern, dass sie häufig nachts wach seien – entweder wegen der Lautstärke oder aus Sorge um ihr Eigentum. Am Morgen würden sie regelmäßig auf zurückgelassene Flaschen, Müll, Sachbeschädigungen, Erbrochenes sowie Spuren von Alkohol- und Drogenkonsum stoßen. Auch menschliche Exkremente würden laut Brief immer wieder festgestellt.

Gleichzeitig wehren sich die Unterzeichner gegen die Darstellung, sie würden grundsätzlich gegen Nachtleben oder junge Menschen auftreten. Unter den Betroffenen seien Kulturschaffende, Unternehmer, Familien, Jugendliche und Bewohner des Viertels.

„Meran braucht Nachtleben – aber auch Regeln“

Die Anrainer erklären, dass sie ein vielfältiges Nachtleben in Meran grundsätzlich begrüßen würden. Eine lebendige Stadt brauche Begegnung, Musik und Orte zum Ausgehen. Gleichzeitig seien Rücksichtnahme, Verantwortung und klare Regeln notwendig.

„Ein nachhaltiges Nachtleben kann nur dann bestehen, wenn diese Interessen miteinander in Einklang gebracht werden“, heißt es im Schreiben.

Zahlreiche offene Fragen

In ihrem Brief stellen die Bewohner mehrere Fragen an die Verantwortlichen. Unter anderem wollen sie wissen, wie eine Genehmigung für einen Betrieb dieser Art an einem sensiblen Standort erteilt werden konnte, ohne aus ihrer Sicht ausreichende Schallschutz- und Sicherheitsmaßnahmen sicherzustellen.

Weitere Kritikpunkte betreffen den Zugang zu Bauakten, den Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude, die Polizeipräsenz bei Problemen sowie mögliche wirtschaftliche Schäden für Betriebe und Immobilienbesitzer.

Auch die Situation rund um den Sissi-Park wird angesprochen. Die Anrainer fordern, dass dieser wieder zu einem sicheren und gepflegten öffentlichen Raum werde.

„Wir geben die Hoffnung nicht auf“

Die Unterzeichner betonen abschließend, dass sie weiterhin an eine positive Entwicklung glauben. Das Plankensteinviertel könne wieder zu jenem Ort werden, der es über viele Jahre gewesen sei: ein harmonisches Wohn- und Geschäftsviertel – lebendig, kreativ und gleichzeitig ruhig und lebenswert.

Sie fordern eine Lösung, bei der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden und Regeln für alle gleichermaßen gelten.

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