Sozialer Wohnbau: SVP will das System neu ausrichten

Das Wohnbauinstitut (WOBI) betreut derzeit rund 13.500 Wohnungen in ganz Südtirol, davon etwa 6.500 in Bozen. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören der Bau, die Verwaltung, die Sanierung und die Vermietung von Wohnungen an Menschen mit geringem Einkommen.
Hohe Nachfrage nach leistbaren Wohnungen
Eine zentrale Herausforderung ist die Instandhaltung des bestehenden Wohnungsbestandes. Jährlich werden rund 300 Wohnungen saniert und anschließend wieder vergeben.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage deutlich. In Bozen liegen derzeit rund 1.380 Ansuchen um eine WOBI-Wohnung vor, im Burggrafenamt sind es weitere 630 Gesuche. Die Zahlen zeigen laut Sozialer Mitte den wachsenden Bedarf an leistbarem Wohnraum.
Auch die Struktur der Mieter hat sich verändert. Rund die Hälfte der WOBI-Mieter ist mittlerweile über 60 Jahre alt. Etwa 4.000 Wohnungen werden von Einzelpersonen bewohnt, weitere 2.500 von Zwei-Personen-Haushalten. Deshalb brauche es künftig verstärkt kleinere, barrierefreie und altersgerechte Wohnungen.
Kritik an aktuellen Kriterien
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Berechnung der Mieten. Diese richtet sich nach der Einkommenssituation auf Grundlage der EEVE-Erklärung. Die Mindestmiete beträgt derzeit 120 Euro monatlich.
Die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell, und WOBI-Verwaltungsrat Toni Tschenett fordern eine Überprüfung der Kriterien. Soziale Unterstützung müsse jenen zugutekommen, die sie tatsächlich benötigen. Gleichzeitig dürfe Arbeit und Eigenverantwortung nicht zum Nachteil werden.
„Es braucht eine Neuausrichtung der Kriterien, damit soziale Unterstützung und Gerechtigkeit miteinander im Einklang stehen“, betonte Morandell.
Wenig Neubauten und hohe Kosten
Auch der Neubau von WOBI-Wohnungen wurde thematisiert. In den vergangenen Jahren entstanden in Südtirol nur rund 200 neue Wohnungen des Instituts. Als Grund wird unter anderem der Mangel an geeigneten Bauflächen genannt. Für das neue Zehnjahresprogramm des WOBI haben sich bislang nur zwölf Gemeinden gemeldet.
Kritik gibt es zudem an den hohen Baukosten. Besonders die Vorgaben des Klimahausstandards A wurden diskutiert, da diese laut Sozialer Mitte zu zusätzlichen Kosten führen. Die Organisation fordert deshalb eine Überprüfung der Baustandards und mehr Augenmerk auf Wirtschaftlichkeit.
„Mit den vorhandenen öffentlichen Mitteln müssen wir möglichst vielen Menschen leistbaren Wohnraum ermöglichen. Qualität ist wichtig, aber Wohnungen müssen auch für Menschen mit geringem Einkommen finanzierbar bleiben“, erklärte Morandell.
Abschließend betonte sie, dass der soziale Wohnbau eine der wichtigsten Aufgaben des Landes sei. Damit dieser auch künftig funktionieren könne, müssten bestehende Modelle weiterentwickelt und neue Antworten auf gesellschaftliche Veränderungen gefunden werden.






