von lif 27.07.2026 12:31 Uhr

Teurer Saft als dreisteste Werbelüge ausgezeichnet

Die deutsche Verbraucherorganisation foodwatch hat die dreisteste Werbelüge des Jahres gekürt. Der Negativpreis geht 2026 an einen Saft, der „fit fürs Leben“ machen soll und der pro Liter satte 100 Euro kostet.

Bild von evelynlo auf Pixabay

Zum 15. Mal wurde Mitte Juli der „Goldene Windbeutel“ verliehen. Ausgezeichnet wurde diesmal das Produkt „Nährstoffkonzentrat Fit fürs Leben“ der Firma LaVita. Mit 39,2 Prozent der rund 66.000 abgegebenen Stimmen hatte der Saft klar die Nase vorn. Ein goldenes Siegel auf der Flasche verspricht „über 70 natürliche Zutaten“. Tatsächlich listet das Zutatenverzeichnis laut foodwatch sogar 98 Einzelzutaten auf, darunter Frucht- und Gemüsesaftkonzentrate, Kräuterextrakte und pflanzliche Öle.

Zusätzlich enthalte der Saft 26 isolierte Vitamine und Nährstoffe. Diese würden in der Regel synthetisch in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie hergestellt, häufig in China und immer öfter mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen. foodwatch kritisiert die Werbung als irreführend und die Gesundheitsversprechen als falsch. Mindestens acht der zugesetzten Nährstoffe seien zu hoch dosiert. Für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, könne das zugesetzte Vitamin K problematisch sein.

Bei einem Grundpreis von 100 Euro pro Liter summiere sich die vom Hersteller empfohlene Tagesdosis auf 30 bis 60 Euro im Monat. Das Fazit von foodwatch: ein unnötiges, völlig überteuertes Produkt, das für manche Menschen sogar bedenklich sein könne.

Auch Backpulver und Joghurt in der Kritik

Auf Platz zwei landete mit 22 Prozent das Airfryer-Backpulver von Dr. Oetker. Es koste rund doppelt so viel wie das originale Backpulver derselben Marke, ohne dass die Stiftung Warentest einen wesentlichen Unterschied beim Backergebnis feststellen konnte.

Platz drei belegte mit knapp 21 Prozent das Bio-Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur. foodwatch kritisiert hier den äußerst geringen Anteil an Matcha-Grüntee-Pulver von nur 0,1 Prozent, obwohl „Matcha“ auf der Vorderseite stark hervorgehoben werde.

Auf Platz vier folgten mit rund 14 Prozent die „Oh Yeah Bear Libido“-Vitamine der Beautybears GmbH: laut foodwatch überteuerte und überzuckerte Gummibärchen mit falschen Gesundheitsversprechen. Platz fünf ging mit knapp vier Prozent an die Airwaves-Kaugummis von Mars, die wegen einer versteckten Preiserhöhung als Beispiel für Shrinkflation in der Kritik stehen.

Der Rat der Verbraucherzentrale

Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, rät Konsumenten, konsequent die Zutatenliste und die Nährwerttabelle zu lesen. Man solle sich ein eigenes Bild von der Qualität eines Produkts machen, vollmundigen Werbeversprechen nicht blind glauben und stets einen Blick auf den Grundpreis pro Kilogramm oder Liter werfen.

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