Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt Herausforderung

Bei der Veranstaltung standen neben der Rolle von Frauen in der Arbeitswelt vor allem die Herausforderungen und Chancen einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Mittelpunkt.
Fachkräftegewinnung als zentrale Herausforderung
Handelskammerpräsident Michl Ebner betonte die Bedeutung familienfreundlicher Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. „Die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte zählt zu den größten Herausforderungen für unsere Unternehmen“, erklärte Ebner.
Es sei daher wichtig, Bedingungen zu schaffen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und Frauen ermöglichen würden, ihre Kompetenzen in der Arbeitswelt bestmöglich einzubringen.
Auch Karin Roner, Geschäftsführerin der Roner AG Brennereien, hob die Bedeutung einer flexiblen Unternehmenskultur hervor. „Vereinbarkeit ist nicht nur ein Frauenthema, sondern ein Zukunftsthema für unsere Wirtschaft“, sagte Roner. Vertrauen, Flexibilität und Verantwortung seien entscheidende Faktoren für Unternehmen.
Nur knapp die Hälfte sieht Vereinbarkeit als gut möglich
Mia Koncul vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen präsentierte aktuelle Daten zur Situation in Südtirol. Demnach geben 47,5 Prozent der erwerbstätigen Personen mit Kindern an, Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können.
Für die übrigen Familien bedeute die Organisation des Alltags hingegen einen hohen Aufwand an Zeit, Energie und Planung. Beim Angebot für frühkindliche Betreuung und Ganztagesschulen liege Südtirol im Vergleich zu anderen italienischen Regionen und Provinzen im unteren Mittelfeld.
Gemeinsame Lösungen für Frauen und Männer
Annemarie Kaser, Vorsitzende des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammer Bozen, betonte, dass Vereinbarkeit nicht ausschließlich Frauen betreffe.
Das Thema betreffe Frauen und Männer, Mütter und Väter sowie Arbeitnehmer und Unternehmer gleichermaßen. Notwendig seien daher starke Partnerschaften zwischen allen Beteiligten, um gemeinsam bessere Rahmenbedingungen für berufliche und familiäre Verantwortung zu schaffen.
Unternehmen sollen Zeit als Ressource betrachten
Elena Macchioni, Professorin an der Universität Bologna, zeigte in ihrer Präsentation auf, dass eine ungleiche Verteilung von Zeit – insbesondere durch unbezahlte Sorgearbeit – die berufliche Entwicklung und Karrierechancen von Frauen beeinflussen könne.
Unternehmen seien daher gefordert, Zeit als strategische Ressource zu betrachten und mit flexiblen Arbeitsmodellen sowie einer familienfreundlichen Personalpolitik entgegenzuwirken.
Dadurch könnten laut Macchioni sowohl das Wohlbefinden der Mitarbeitenden als auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.






