von lif 23.07.2026 08:55 Uhr

Wein, Milch, Äpfel: Südtirols Genossenschaften unter Druck

Steigende Energiekosten und eine schwache Umsatzentwicklung machen den Südtiroler Bauern zu schaffen. Besonders angespannt ist die Lage im Weinbau. Das geht aus der jüngsten Erhebung des Wirtschaftsbarometers des WIFO hervor, dem Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. 

Symbolbild

Im Obstbau verlief die Vermarktung der Ernte 2025 laut WIFO lange Zeit positiv, gestaltete sich in den vergangenen Monaten aber zunehmend schwierig. Hohe Lagerbestände in Europa, eine verhaltene Nachfrage und internationale Unsicherheiten wirkten sich auf den Absatz aus. Im Juni lagen die Lagerbestände in Trentino-Südtirol rund 25 Prozent über dem Niveau der vergangenen zwei Jahre, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Sorten gibt.

Für die heurige Apfelernte sind die Voraussetzungen aufgrund der bisherigen Witterung grundsätzlich günstig. Ertragslage und Auszahlungspreise dürften laut Erhebung zufriedenstellend, aber selten wirklich gut ausfallen. Grund dafür seien auch die hohe Unsicherheit über die Auswirkungen der Inflation auf den Konsum sowie der Kostendruck bei Transport, Verpackung und Produktion.

Milchpreise unter Druck

Die Milchgenossenschaften mussten in der ersten Jahreshälfte einen deutlichen Rückgang der internationalen Milchpreise verkraften. Die teilweise Erholung der vergangenen zwei Monate und die hohen Sommertemperaturen, die den Konsum frischer Milchprodukte begünstigen, dürften laut WIFO die Umsätze auf dem italienischen Markt beleben. Beim Auslandsabsatz wird hingegen ein Rückgang erwartet.

Belastet wird die Ertragslage zudem durch den starken Anstieg der Produktionskosten wie Energie und Verpackungsmaterial infolge der Krise im Nahen Osten. Diese Kosten könnten kaum an den Markt weitergegeben werden, was sich negativ auf die Auszahlungspreise auswirke. Die Investitionen dürften sich heuer vor allem auf Gebäude konzentrieren und gegenüber 2025 zunehmen.

Weinbau am stärksten betroffen

Ein Drittel der Kellereigenossenschaften meldet für das laufende Jahr eine unbefriedigende Ertragslage. Im Weinsektor bremst die schwache Nachfrage weiterhin die Umsatzentwicklung – sowohl auf dem Südtiroler Markt als auch im Ausland.

Der Rückgang des Konsums ist laut WIFO zum Teil auf den inflationsbedingten Kaufkraftverlust bei Touristen und Haushalten zurückzuführen, zum Teil aber auch auf neue Konsumgewohnheiten der jüngeren Generationen. Hinzu kommen die Auswirkungen der US-Zölle und der internationalen geopolitischen Spannungen auf den Export.

Nach einigen sehr positiven Jahren stehe die Südtiroler Landwirtschaft vor neuen Herausforderungen, erklärt der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner. Es sei wichtig, weiterhin in die Qualität der Produkte sowie in die Aus- und Weiterbildung der Bauern zu investieren, um sich in einem schwierigen Marktumfeld einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

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