von mag 22.07.2026 14:02 Uhr

Ein neuer Volksstamm im Eisacktal?

Man lernt bekanntlich nie aus. Dank eines aufmerksamen UT24-Lesers aus Vals wissen wir nun, dass es im Eisacktal offenbar einen bisher weitgehend unbekannten Volksstamm gibt: die „Vallenesi“.

Der FC Bologna trainiert derzeit in Vals. Ein inzwischen entferntes Willkommensbanner mit der Aufschrift „I Vallenesi salutano i Bolognesi“ sorgte für Diskussionen (Franz Aschenbrenner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons).

So zumindest lässt es ein Willkommensbanner vermuten, das anlässlich des Trainingslagers des FC Bologna in Vals aufgestellt wurde. Platziert war das große Banner gut sichtbar direkt an der Pustertaler Straße in Mühlbach. Darauf wurden die Gäste mit den Worten „I Vallenesi salutano i Bolognesi“ begrüßt.

Wer sind die „Vallenesi“?

Der UT24-Leser, der uns auf das Banner aufmerksam gemacht hat, stellte sich daraufhin eine durchaus berechtigte Frage: Wer sind eigentlich diese „Vallenesi“?

Natürlich ist die Botschaft gut gemeint. Der FC Bologna und seine Fans sind in Vals herzlich willkommen, daran besteht kein Zweifel. Doch die gewählte Übersetzung wirft durchaus Fragen auf.

Wenn aus den Vallern plötzlich „Vallenesi“ werden – was kommt als Nächstes? Werden die Spilucker künftig zu „Speloncesi“, die Antholzer zu „Anterselvanesi“ und die Kiener gar zu „Chienesi“? Der Fantasie scheinen hier jedenfalls kaum Grenzen gesetzt zu sein.

Man stelle sich den umgekehrten Fall vor: Würden italienische Gastgeber deutsche Gäste willkommen heißen, würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, den eigenen Ortsnamen zuliebe einer vermeintlich besseren Verständlichkeit künstlich zu verändern. Die eigene Identität würde man schließlich auch nicht freiwillig sprachlich verfremden.

Gut gemeint – aber sprachlich fragwürdig

Gerade Südtirol lebt von seiner gewachsenen Identität, seinen Ortsnamen und seiner Sprachvielfalt. Umso erstaunlicher wirkt es, wenn für deutschsprachige Ortsgemeinschaften plötzlich künstlich klingende italienische Bezeichnungen geschaffen werden, die im üblichen Sprachgebrauch niemand verwendet.

Wie uns mittlerweile zugetragen wurde, soll das Banner inzwischen wieder entfernt worden sein. Ob man selbst erkannt hat, dass die Formulierung eher für Schmunzeln als für Begeisterung sorgt, bleibt offen.

Fest steht: Die Gäste aus Bologna verdienen selbstverständlich einen herzlichen Empfang. Ob dafür allerdings gleich ein neuer „Volksstamm“ erfunden werden muss, darüber darf man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

Vielleicht wäre ein schlichtes „Vals begrüßt den FC Bologna“ am Ende die einfachste – und zugleich authentischste – Lösung gewesen.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite