Historische Waffen: Schützenbund setzt auf Transparenz

Anlass ist die Kontrolle des Reisebusses mit Mitgliedern mehrerer Schützenkompanien am 24. Juni. Im Zuge der Erhebungen, die inzwischen auch die österreichischen Behörden und das Landesamt für Staatsschutz beschäftigen, wurde festgestellt, dass zwölf der sichergestellten historischen Karabiner Beschuss- und Abnahmestempel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufweisen. Bei diesen sogenannten Punzierungen handle es sich um technische und amtliche Kennzeichnungen, die damals der Dokumentation von Herstellung und Prüfung dienten, erklärt der Bund. Sie seien Teil der historischen Materialsubstanz der Waffen und weder von Tiroler Schützen angebracht noch nachträglich hinzugefügt worden. Wegen ihrer geringen Größe von nur etwa fünf mal fünf Millimetern seien sie mit freiem Auge kaum erkennbar und damit nicht geeignet, eine propagandistische Wirkung zu entfalten.
Zugleich stellt Saurer unmissverständlich klar: Die bloße historische Existenz solcher Stempel relativiere oder verharmlose in keiner Weise die Verbrechen des NS-Regimes. Der Bund distanziere sich „ohne jede Einschränkung von jeglichem nationalsozialistischen Gedankengut, von jeder Form der Wiederbetätigung sowie von jeder Verherrlichung, Verharmlosung oder Beschönigung des NS-Regimes“.Â
Verweis auf frühere Aufarbeitung
Der Bund verweist außerdem darauf, dass er die Rolle der Tiroler Schützen in der NS-Zeit bereits aktiv aufgearbeitet habe. Schon 2013 sei der Historiker Michael Forcher mit einer wissenschaftlichen Untersuchung beauftragt worden, die 2018 veröffentlicht wurde. „Wir verschweigen nichts. Wir beschönigen nichts. Wir relativieren nichts“, heißt es dazu.
Zur Einordnung liefert der Bundeswaffenmeister zudem eine Erklärung zur Herkunft der Gewehre: Nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Schützengewehre von den Besatzungssoldaten vernichtet worden. Als das Schützenwesen ab 1950 wieder aufgebaut wurde, habe man mangels Waffen alles verwendet, was aufzutreiben war, darunter fallweise auch deutsche Karabiner des Typs Mauser 98. Bei diesem handle es sich um das Standardgewehr des deutschen Soldaten in beiden Weltkriegen, dessen Stempel reine Prüfzeichen und keine politischen Symbole seien.
Man nehme die laufenden Erhebungen mit größter Ernsthaftigkeit zur Kenntnis und werde vollständig mit den Behörden kooperieren, betont Saurer. Zudem wolle der Bund verlässliche Handlungsrichtlinien für den Umgang mit historischen Waffen erarbeiten. Ergänzend hält der Bund fest, dass die Waffen aller 235 Tiroler Schützenkompanien im Zentralen Waffenregister erfasst und damit behördlich dokumentiert seien.






