von Alexander Wurzer 18.07.2026 08:00 Uhr

Laimburg erklärt den Italien-Auftritt – doch die Symbolfrage bleibt

Die fachliche Leistung der Laimburger Junggärtner beim Europäischen Berufswettbewerb im polnischen Bielsko-Biała bleibt unbestritten großartig. Ein Sonderpreis für die beste floristische Leistung, ein vierter Platz in der Gesamtwertung und ein starker sechster Rang für das zweite Team zeigen eindrucksvoll, welches Niveau Südtirols Gartenbau-Nachwuchs erreicht hat (UT24 hat ausführlich berichtet).

Foto: LPA/Fachschule Laimburg

Gerade deshalb hat die Diskussion um die Länderpräsentation für Aufmerksamkeit gesorgt. Denn auf den veröffentlichten Bildern waren nicht nur Südtiroler Elemente zu sehen, sondern auch eine auffallend starke italienische Symbolik: Trikolore, Italien-Stiefel, „Bella Italia“-Auftritt. Bei einem Erfolg, der aus einer Südtiroler Landesschule hervorgeht und von Südtiroler Jugendlichen getragen wird, stellt sich die Frage, ob Südtirol nach außen selbstbewusst genug sichtbar gemacht wurde.

UT24 hat deshalb bei der Fachschule Laimburg nachgefragt. Direktor Paul Mair beantwortete die Fragen ausführlich und stellte dabei zunächst klar, dass es „in diesem Sinne keine italienische Delegation“ gegeben habe. Verantwortlich für die Präsentation sei die Schulgemeinschaft gewesen, die Ideen seien aus den Überlegungen der Jugendlichen und ihrer Begleitpersonen entstanden. Die Fachschule zeichne gemeinsam mit dem Berufsverband der Junggärtner für die Präsentation verantwortlich.

Diese Antwort ist aufschlussreich. Denn damit ist klar: Die Inszenierung war offenbar nicht einfach das Ergebnis einer Anweisung von außen. Sie wurde im Umfeld der Südtiroler Schule vorbereitet und getragen.

Formal Italien – aber nicht nur Italien

Mair verweist in seiner Antwort auf den Rahmen des Wettbewerbs. Die Jugendlichen hätten im Sinne des europäischen Gedankens ein Land vertreten, dem sie zugehörig seien. „Dieses Land/dieser Staat ist Italien“, erklärt der Direktor. Jedes Teilnehmerland stelle sich mit der Geografie und den Kennzeichen des Teilnehmerstaates vor.

Formal ist das nachvollziehbar. Der Wettbewerb ist nach Staaten organisiert, und Südtirol tritt in diesem Rahmen nicht als eigener Staat an. Dass die Laimburger Teams organisatorisch unter Italien geführt wurden, ist daher erklärbar.

Aber genau hier beginnt die eigentliche Debatte. Denn zwischen einer formalen Zuordnung und einer symbolischen Inszenierung liegt ein Unterschied. „Team Italy“ mag durch den Rahmen des Wettbewerbs erklärbar sein. Ein stark italienisch geprägter Auftritt mit Trikolore, Stiefel und entsprechender Bildsprache ist damit aber nicht automatisch zwingend vorgegeben.

Es geht also nicht darum, den organisatorischen Rahmen zu leugnen. Es geht darum, ob Südtirol innerhalb dieses Rahmens deutlich genug als das sichtbar wurde, was es ist: ein eigenständiger Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsraum mit eigener Geschichte, eigener Identität und eigener landwirtschaftlicher Tradition.

Südtirol nicht nur als Zusatz

Direktor Mair betont, dass die Jugendlichen auch die Südtiroler Fahne und die Besonderheiten unseres Landes präsentiert hätten. Das ist wichtig und soll nicht unterschlagen werden. Niemand behauptet, Südtirol sei völlig ausgeblendet worden.

Die Frage ist aber, welche Botschaft nach außen hängen bleibt. Denn Außenwirkung entsteht nicht aus internen Erklärungen, sondern aus Bildern. Und Bilder wirken schnell, unmittelbar und oft stärker als jede nachträgliche Einordnung.

Wenn bei einem Südtiroler Erfolg auf den ersten Blick Italien dominiert, dann ist Kritik daran legitim. Nicht, weil die Leistung der Jugendlichen dadurch kleiner würde. Im Gegenteil. Gerade weil diese Leistung so großartig ist, sollte Südtirol nicht bloß als lokaler Zusatz in einer italienischen Symbolkulisse erscheinen.

Südtirol darf nicht nur mitarbeiten, mitliefern und mitgewinnen, während am Ende optisch vor allem Italien sichtbar wird.

Kein Vorwurf an die Jugendlichen

Den jungen Teilnehmern ist daraus kein Vorwurf zu machen. Sie haben sich auf den Wettbewerb vorbereitet, ihre Aufgaben erfüllt und eine hervorragende Leistung erbracht. Ihr Erfolg verdient Anerkennung, Respekt und Stolz.

Auch die Arbeit der Fachschule Laimburg soll dadurch nicht kleingeredet werden. Im Gegenteil: Die Ergebnisse zeigen, dass dort hervorragend ausgebildet wird. Genau deshalb wäre es umso wichtiger, diese Südtiroler Qualität nach außen auch entsprechend selbstbewusst darzustellen.

Die Debatte richtet sich daher nicht gegen die Jugendlichen und auch nicht gegen die fachliche Leistung der Schule. Sie richtet sich gegen ein Selbstverständnis, das Südtirol offenbar zu schnell im italienischen Rahmen aufgehen lässt.

Europäischer Gedanke heißt Vielfalt

Mair verweist außerdem auf den europäischen Gedanken des Wettbewerbs: Austausch, Verständigung, Zusammenarbeit und gegenseitige Achtung. Das ist zweifellos richtig. Gerade junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen, ist wertvoll.

Doch der europäische Gedanke besteht nicht darin, gewachsene Identitäten verschwinden zu lassen. Europa lebt nicht nur von Staaten, sondern auch von Regionen, Minderheiten, Sprachgemeinschaften und Kulturräumen.

Gerade Südtirol müsste das wissen. Unsere Heimat ist nicht irgendein Verwaltungsanhängsel Italiens, sondern ein Land mit besonderer Geschichte, besonderer Autonomie und besonderer kultureller Prägung. Diese Eigenheit auf europäischer Bühne sichtbar zu machen, wäre kein Widerspruch zum europäischen Gedanken gewesen. Es wäre dessen konsequente Umsetzung gewesen.

Wer Vielfalt ernst nimmt, darf sie nicht nur dann feiern, wenn sie bequem ist. Er muss sie auch dort zeigen, wo sie nicht in die einfache Schublade des Nationalstaates passt.

Die Symbolfrage ist nicht nebensächlich

Mair bezeichnet die Präsentation des Landes im mehrtägigen Wettbewerb als eher marginal. Aus fachlicher Sicht mag das stimmen. Bewertet wurden Können, Wissen und handwerkliche Leistung.

Trotzdem sind Symbole nicht nebensächlich. Fahnen, Sprache, Namen und Zeichen sind nie bloße Dekoration. Sie sagen etwas darüber aus, wer sichtbar wird und wer in den Hintergrund tritt.

Deshalb bleibt nach den Erklärungen der Schule ein gemischter Eindruck. Die Leistung der Laimburger Junggärtner ist großartig. Die formale Einbindung in ein italienisches Team ist erklärbar. Aber die starke italienische Bildsprache bleibt problematisch.

Südtirol hat auf europäischer Bühne fachlich geglänzt. Umso bedauerlicher ist es, wenn dieses Können nach außen nicht ebenso klar als Südtiroler Leistung sichtbar wird.

Denn wer Südtirols Qualität präsentiert, sollte nicht nur zeigen, welchem Staat Südtirol angehört. Er sollte vor allem zeigen, was Südtirol selbst ausmacht.

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