von Alexander Wurzer 15.07.2026 09:10 Uhr

Tiroler Weinkultur und Tiroler Traditionen

Zwei geschäftstüchtige und traditionsbewusste Brüder aus Salurn haben sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Thomas und Norman Ventura verbinden bei der ama-Weinmesse edle Tropfen mit bodenständiger Kulinarik, gelebtem Brauchtum und der kulturellen Identität des historischen Tirol. Am Samstag, den 18. Juli, geht die Veranstaltung im „Amalia Pernter 1896“ in Salurn bereits in ihre dritte Auflage.

Die beiden Lederhosenschneider und Gastronomen Thomas und Norman Ventura sind die Veranstalter der ama-Weinmesse (Foto: Facebook/Amalia Pernter 1896)

Von 18 bis 24 Uhr präsentieren sich rund 50 Kellereien und Weingüter mit ihren besten Erzeugnissen. Ergänzt wird die Verkostung durch regionale Spezialitäten, traditionelle Volksmusik, Schuhplattler und Volkstänze. Die ama-Weinmesse soll damit weit mehr sein als eine gewöhnliche Leistungsschau für Weinproduzenten: Sie versteht sich als Fest der Tiroler Genusskultur.

Ein Traum nimmt Gestalt an

Die Idee zur ama-Weinmesse entstand bereits vor rund vier Jahren, als die Brüder Thomas und Norman Ventura das Bistro „Amalia Pernter 1896“ gründeten. Schon damals verfügten sie über zahlreiche direkte Kontakte zu Kellereien. Hinzu kam ihre gemeinsame Leidenschaft für guten Wein.

Aus diesen Voraussetzungen entwickelte sich der Wunsch, eine eigene Weinmesse ins Südtiroler Unterland zu bringen – nicht als Kopie bestehender Veranstaltungen, sondern mit einer unverwechselbaren Ausrichtung.

„Unser Ziel war es, die Messe auf unsere ganz eigene Art und Weise aufzuziehen und Wein mit Kultur zu verbinden“, erklärt Thomas Ventura im Gespräch mit UT24. Deshalb gehören Volkstänze, Schuhplattler und weitere traditionelle Darbietungen von Beginn an zum Konzept.

Für die beiden Brüder ergänzen sich Wein und Tracht auf natürliche Weise. Beide stehen für Genuss, Eleganz, Herkunft und eine unverwechselbare Identität.

„Es handelt sich um zwei Genusswelten: einerseits der Wein und andererseits die Tracht, die ebenso wie ein guter Wein elegant und typisch ist sowie eine starke Identität vermittelt“, betont Ventura.

Die Messe soll deshalb nicht nur den Geschmackssinn ansprechen. Sie soll den Besuchern auch vermitteln, aus welcher Landschaft, Kultur und Lebensweise die angebotenen Weine hervorgegangen sind.

50 Kellereien aus dem historischen Tirol

Am 18. Juli dürfen sich die Besucher auf rund 50 Kellereien aus dem historischen Tiroler Raum freuen. Sie präsentieren in Salurn ausgewählte Spitzenweine und stehen den Gästen für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Gerade dieser direkte Austausch mit den Produzenten gehört zum besonderen Reiz der Veranstaltung. Die Besucher können nicht nur verschiedene Weine verkosten, sondern erfahren auch mehr über deren Entstehung, die jeweiligen Rebsorten, die Arbeit in den Weinbergen und die Philosophie der einzelnen Betriebe.

Dabei soll es keine Rolle spielen, ob eine Kellerei weithin bekannt ist und große Mengen produziert oder ob es sich um ein kleines, familiengeführtes Weingut handelt.

Die Veranstalter haben auf anderen Weinmessen immer wieder beobachtet, dass größere Betriebe aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten besonders stark in Erscheinung treten. Bei der ama-Weinmesse wird bewusst ein anderer Weg beschritten.

„Bei gewissen Messen stehen die Kellereien, die ein größeres Budget haben, einfach im Vordergrund. Bei uns werden alle gleich behandelt, egal, wie sie heißen oder wie viele Flaschen sie pro Jahr machen“, erklärt Thomas Ventura.

Jede Kellerei erhält denselben Stand und denselben Tisch. Größe, Bekanntheit und Werbebudget sollen nicht darüber entscheiden, welcher Betrieb die größte Aufmerksamkeit erhält.

Das Urteil wird stattdessen den Besuchern überlassen. Sie sollen selbst entscheiden, welcher Wein sie überzeugt und welche Kellerei für sie besonders hervorsticht. Damit bietet die Veranstaltung gerade auch kleineren Produzenten die Möglichkeit, sich unter denselben Voraussetzungen wie größere Häuser zu präsentieren.

Südtiroler Qualität als Botschafterin der Heimat

Der Südtiroler Wein genießt weit über die Landesgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Für die Veranstalter ist dieser Erfolg eng mit der Landschaft, der regionalen Herkunft und dem Qualitätsbewusstsein der Produzenten verbunden.

„Südtirol steht eigentlich in jedem Sektor, so wie auch im Weinsektor, für Qualität in die ganze Welt hinaus“, sagt Ventura. Umso wichtiger sei es, das Authentische und Unverwechselbare der Südtiroler und Tiroler Erzeugnisse zu bewahren.

Eine Veranstaltung wie die ama-Weinmesse könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Denn Herkunft dürfe nicht nur auf einem Etikett stehen. Sie müsse erlebt, erklärt und weitergegeben werden.

Das gilt gerade auch gegenüber Gästen, die von außerhalb nach Südtirol kommen. Ihnen soll nicht lediglich ein Glas Wein gereicht werden. Sie sollen zugleich einen Eindruck davon erhalten, welche Kultur, Tradition und Landschaft hinter diesem Produkt stehen.

„Solche Veranstaltungen wie die ama sind sehr wichtig, damit man unsere Herkunft, Tradition und Authentizität den Gästen – auch den fremden Gästen – weitergeben und weiterleben kann“, erklärt Thomas Ventura.

Die Weinmesse wird damit auch zu einer Bühne für ein selbstbewusstes Südtirol, das seine Erzeugnisse nicht losgelöst von seiner Geschichte und Identität präsentiert.

Nicht nur für ausgewiesene Weinexperten

Natürlich richtet sich die Veranstaltung auch an Fachleute. Sommeliers, Kellermeister, Gastronomen und erfahrene Weinliebhaber finden in Salurn ein breites Angebot und zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch.

Die ama-Weinmesse möchte jedoch ausdrücklich keine geschlossene Veranstaltung für Experten sein. Auch Besucher, die sich bislang nur am Rande mit Wein beschäftigt haben, sollen sich willkommen fühlen.

Nach Angaben von Thomas Ventura zieht die Messe zunehmend ein junges und breit gefächertes Publikum an. Viele Gäste kommen nicht ausschließlich wegen einzelner Weine, sondern weil sie einen geselligen Abend in einer besonderen Atmosphäre verbringen möchten.

„Immer mehr junge Menschen und ein neutrales, buntes Publikum besuchen die Messe, weil sie einen Teil der Tiroler Weinkultur und der Tiroler Traditionen mitnehmen und einen netten, unvergesslichen Abend erleben wollen“, berichtet Ventura.

Gerade die Verbindung aus fachlicher Weinverkostung, Kulinarik, Musik und Tanz senkt dabei die Hemmschwelle für weniger erfahrene Besucher. Niemand muss ein ausgewiesener Weinkenner sein, um die Messe genießen zu können. Neugier und Freude an regionalen Produkten genügen.

Genuss weit über das Weinglas hinaus

Auch kulinarisch hat die ama-Weinmesse einiges zu bieten. Neben den teilnehmenden Kellereien präsentieren mehrere Produzenten ihre Spezialitäten.

Die Metzgerei „Massimo Goloso“ aus dem Nonstal sorgt für herzhafte Fleisch- und Wurstwaren. Die Firma Astro bringt verschiedene Süßwasserfischprodukte nach Salurn. Back Magic aus Vahrn ist mit unterschiedlichen Brotsorten vertreten, während die Käsereigenossenschaft Fleimstal eine Auswahl ihrer Käseprodukte anbietet.

Damit entsteht ein kulinarisches Gesamtbild, das von Wein über Brot, Käse und Fleisch bis hin zu Fisch reicht. Die verschiedenen Erzeugnisse können miteinander kombiniert und in entspannter Atmosphäre verkostet werden.

Die Veranstalter wollen damit zeigen, dass Wein nicht isoliert betrachtet werden muss. Er ist Teil einer umfassenden Genusskultur, in der regionale Lebensmittel, handwerkliche Herstellung und die persönliche Begegnung mit den Produzenten eine zentrale Rolle spielen.

Volksmusik, Schuhplattler und Volkstanz

Für die musikalische und kulturelle Umrahmung sorgt unter anderem die Familienmusik Huber aus dem Ahrntal. Die urige und traditionelle Volksmusikgruppe soll mit ihren Klängen für eine authentische Tiroler Atmosphäre sorgen.

Hinzu kommen die Schuhplattler Branzoll und ein Volkstanzverein. Ihre Auftritte machen deutlich, dass Tracht und Brauchtum bei der ama-Weinmesse nicht als bloße Dekoration dienen. Sie sind ein eigenständiger und wesentlicher Bestandteil des Veranstaltungsprogramms.

Gerade darin unterscheidet sich die Messe nach Ansicht von Thomas Ventura von vielen anderen Weinveranstaltungen. Auch dort stehe der Wein berechtigterweise im Mittelpunkt. In Salurn werde er jedoch bewusst in einen größeren kulturellen Zusammenhang gestellt.

„Bei uns steht der Wein auch im Vordergrund, aber eben auch unsere ganze Kultur und Tradition“, erklärt Ventura.

Wer die Kultur und Lebensweise einer Region kennenlerne, entwickle automatisch auch einen anderen Zugang zu ihren Produkten.

„Wenn man unsere Kultur und Tradition kennenlernt, schmeckt auch der Wein dann sicher viel besser und man hat einen besseren Bezug zu unserem Boden, zu unserer Sprache und Kultur“, ist Thomas Ventura überzeugt.

Eine Veranstaltung mit Zukunft

Die diesjährige Ausgabe ist bereits die dritte ama-Weinmesse. Für Thomas und Norman Ventura steht fest, dass es nicht die letzte sein wird. Die Veranstaltung soll künftig jedes Jahr stattfinden und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

„Auf jeden Fall machen wir sie weiterhin jedes Jahr – mit dem Ziel, die Veranstaltung jedes Jahr ein bisschen zu erweitern, mit vielleicht mehr Kellereien, mehr Besuchern und einem immer besseren Programm“, kündigt Thomas Ventura an.

Dabei soll die ursprüngliche Idee erhalten bleiben: gleiche Bedingungen für alle Produzenten, die Verbindung von Wein und Kultur sowie ein klares Bekenntnis zur Tiroler Herkunft.

So wächst in Salurn eine Veranstaltung heran, die Genuss, Unternehmergeist und Heimatbewusstsein auf besondere Weise miteinander verbindet. Die ama-Weinmesse zeigt, dass sich Tradition und moderne Veranstaltungsformate keineswegs widersprechen müssen. Im Gegenteil: Wo Kultur authentisch gelebt wird, kann sie auch neue und jüngere Publikumsschichten erreichen.

Am 18. Juli wird das „Amalia Pernter 1896“ damit erneut zum Treffpunkt für alle, die guten Wein nicht nur verkosten, sondern auch seine Herkunft, seine Geschichte und die Menschen dahinter kennenlernen möchten.

  • Die wichtigsten Infos zur ama-Weinmesse (Foto: Effekt! GmbH)
Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite