von lif 09.07.2026 09:24 Uhr

Geburten in Südtirol: Herkunft der Mütter bleibt ungeklärt

Gleich zwei Oppositionsparteien wollten von der Landesregierung mehr über die Geburten in Südtirol und die Herkunft der Eltern wissen. Die Antworten liefern detaillierte Zahlen zur Geburtenentwicklung, doch eine zentrale Frage bleibt in beiden Fällen offen.

Symbolbild (P

Innerhalb weniger Tage erreichten den Landtag zwei ähnliche Anfragen. Die Süd-Tiroler Freiheit mit den Abgeordneten Hannes Rabensteiner, Sven Knoll, Myriam Atz und Bernhard Zimmerhofer wollte am 22. Mai wissen, woher die Mütter der in den vergangenen zehn Jahren geborenen Kinder stammen und wie viele keine italienische Staatsbürgerschaft besitzen. Die Fraktion VITA mit Renate Holzeisen fragte am 3. Juni nach der Gesamtzahl der Geburten, der Wohnbevölkerung sowie nach jenen Geburten, die auf zugezogene Bürger entfallen.

Beide Anfragen wurden am 3. Juli beantwortet, jene der Süd-Tiroler Freiheit von Landeshauptmann Arno Kompatscher, jene von VITA von Gesundheitslandesrat Hubert Messner.

Die Frage, die offen bleibt

Doch genau auf den entscheidenden Punkt gibt es in beiden Fällen keine Antwort. Weder das nationale Statistikinstitut ISTAT noch das Landesinstitut für Statistik ASTAT erheben den Geburtsort der Eltern. Seit die Standesämter die Geburtenerhebung im Jahr 1999 eingestellt haben, erfolgt die Geburtenmeldung im Meldeamt der Wohngemeinde. Dort werden nur einige demografische Angaben erfasst, etwa zum Neugeborenen und zu den Eltern, nicht aber deren Geburtsort. Damit lässt sich weder beantworten, woher die Mütter stammen, noch, wie viele Geburten auf Zugezogene entfallen.

Weniger Geburten trotz mehr Einwohnern

Beantworten lässt sich hingegen die Entwicklung der Geburtenzahlen. Diese sind über die Jahre deutlich gesunken. 2015 kamen in Südtirol 5.337 Kinder lebend zur Welt, 2016 waren es mit 5.447 am meisten im gesamten Zeitraum. Danach ging es fast durchgehend bergab bis zum Tiefstwert von 4.537 Geburten im Jahr 2024. Für 2025 zeigen die vorläufigen Zahlen mit 4.753 Geburten wieder einen Anstieg.

Ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung ist auch interessant. Während die Geburten zurückgingen, wuchs die Südtiroler Wohnbevölkerung nahezu kontinuierlich, von 520.252 Menschen im Jahr 2015 auf vorläufig 542.134 im Jahr 2025. Es leben also rund 22.000 Menschen mehr im Land, trotz dass weniger weniger Kinder geboren wurden.

Wie viele Neugeborene ausländische Staatsbürger sind

Was das ASTAT sehr wohl erhebt, ist die Staatsbürgerschaft der Kinder. Die Zahl der Neugeborenen mit ausländischer Staatsbürgerschaft blieb über die Jahre relativ stabil und bewegte sich zwischen 601 im Jahr 2023 und 766 im Jahr 2019. Ihr Anteil an allen Lebendgeburten schwankte zwischen 12,8 und 14,6 Prozent. Für 2025 weist die Statistik vorläufig 652 Neugeborene mit ausländischer Staatsbürgerschaft aus, das entspricht 13,7 Prozent.

Die größten Gruppen kamen zuletzt aus dem nicht zur EU gehörenden Europa, aus Asien und aus Afrika. Insgesamt wurden im untersuchten Zeitraum in Südtirol Kinder mit 90 verschiedenen Staatsbürgerschaften geboren.

Warum die Zahlen die Frage nicht beantworten

Zu beachten ist dabei ein wichtiger Unterschied. Die Statistik erfasst die Staatsbürgerschaft der Kinder, nicht die Herkunft der Eltern. Ein Kind besitzt die italienische Staatsbürgerschaft dann, wenn ein Elternteil oder beide sie haben. Ein Kind kann also italienischer Staatsbürger sein, auch wenn ein Elternteil zugewandert ist. Die vorliegenden Zahlen geben deshalb keine direkte Auskunft darüber, wie viele Mütter aus dem Ausland stammen, also über genau jene Frage, die beide Anfragen eigentlich beantwortet haben wollten.

Abschließend verwies der Landesrat auf weiterführende Daten, die etwa im Gemeindedatenblatt und in der Tabellensammlung „Demografische Daten für Südtirol“ des ASTAT abrufbar sind.

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