„Armut ist kein persönliches Versagen“: Netzwerk stellt sich im Landtag vor

22 Organisationen, fünf Ziele
Das im Mai 2025 gegründete Netzwerk vereint mittlerweile 22 Organisationen und Institutionen unter dem Dach des Dachverbands für Soziales und Gesundheit (DSG). Grundlage ist ein Manifest mit fünf zentralen Zielen: Armut in all ihren Formen bekämpfen, gesellschaftliche Werte festigen, zwischenmenschliche Beziehungen stärken, gleiche Chancen gewährleisten und Grundbedürfnisse sichern. Präsidentin Roberta Rigamonti und Koordinatorin Elisa Berger betonten, der Fokus des Netzwerks liege auf Prävention und Sensibilisierung – etwa zu Bildungsarmut und leistbarem Mieten. Für Herbst sind eine Journalisten-Fortbildung sowie eine Fachtagung zur Bildungsarmut geplant.
Wer ist besonders betroffen?
Unibz-Forscher Evan Tedeschi stellte eine Studie zu Armutsrisiken bei Familien mit Kindern (2021/22) vor: Demnach hängt Armut nicht nur vom Einkommen ab, sondern auch von Wohnverhältnissen, Beschäftigungssituation, Bildungsniveau und Gesundheit der Eltern. Besonders gefährdet sind Familien mit drei oder mehr Kindern, Alleinerziehende und kürzlich Zugezogene.
Soziologin Christa Ladurner (Forum Prävention) erläuterte, Bildungsarmut zeige sich bereits, wenn Kinder ihre Talente nicht entfalten können, und hänge eng mit der Lebenssituation der Eltern zusammen. Frühzeitige Unterstützung – etwa durch Sprachförderung und ganztägige Bildungsangebote – sei entscheidend, um hohe gesellschaftliche Folgekosten zu vermeiden.
Monica Devilli (Coopbund Alto Adige Südtirol) sprach sich für stabile, gemeinwohlorientierte Mietmodelle aus, etwa Genossenschaften und generationenübergreifende Wohnprojekte, um leistbares Wohnen langfristig zu sichern.
Austausch mit den Abgeordneten
LH Arno Kompatscher kündigte regelmäßige Erhebungen zu Armutsrisiken an. Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) vermisste das Thema Altersarmut, während Franz Ploner (Team K) die dünne Datenlage zur Armut in Südtirol kritisierte. Brigitte Foppa (Grüne) lobte den offenen Austausch im Landtag, LR Marco Galateo betonte, wirtschaftliche Entwicklung funktioniere nicht, wenn Menschen zurückgelassen würden.
Rigamonti hielt abschließend fest: Armut sei kein persönliches Versagen, sondern entstehe, wenn die richtigen Maßnahmen fehlten – hier sei die Politik gefordert. Gennaccaro kündigte regelmäßige künftige Treffen mit dem Netzwerk an.






